iPad-Leser und ihr Verhalten: Ein Verlag auf der Suche nach Antworten

Tizian Nemeth
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Lesen – das ist eine Aktivität, bei der man sich zurücklehnt. Das hat sich auch mit dem iPad nicht verändert, bestätigt Scott McDonald vom Verlagshaus Condé Nast. Und damit zeigt er auf, dass Apple mit dem iPad kein mobiles Gerät geschaffen hat – zumindest in Hinblick auf digitale Publikationen.

Dass seine Aussage nicht aus der Luft gegriffen ist, beweisen Untersuchungen, die der Verlag Condé Nast durchgeführt hat. Um das Leserverhalten der Anwender besser kennenzulernen, hat sich das Unternehmen Zeit für Interviews genommen – insgesamt 100 Stunden – und ebenso 5000 In-App-Befragungen durchgeführt.

Die Befragungen haben sie mit Lesern der hauseigenen Magazine durchgeführt. Zu den Produkten des Verlags zählen unter anderem GQ, Vanity Fair, Wired und Glamour – und zu jedem Magazin gibt es eine passende App. Bislang haben Anwender rund 3,8 Millionen Apps des Verlegers für das iPad und iPhone heruntergeladen – ein lohnendes Feld für Untersuchungen.

Und diese haben einige interessante Fakten zu Tage gefördert.

Das iPad bleibt daheim

Viele der Befragten bestätigen, dass sie ihr iPad nicht mit außer Haus nehmen. Das iPad wird zumindest von diesen Anwendern nicht als mobiles Gerät wahrgenommen, vielmehr tritt es in die Fußstapfen der Magazine. Es wird auf der Couch und am Esstisch gelesen und bleibt ebenso wie die Print-Version daheim.

Allerdings gibt es wichtige Unterschiede, die das iPad zum Hausarrest verdonnern: Das sind Preis und Gewicht. Immerhin trägt man anstelle der Papierausgabe ein rund 700 Gramm schweres Gerät* mit sich herum, dass mindestens 500 Euro kostet.

Mit sinkendem Preis und Gewicht soll sich die Mobilität des digitalen “Magazins” aber verbessern, meint McDonald.

Es wird länger gelesen

Während Leser einer Ausgabe rund 45 Minuten Zeit widmen, sind es bei der digitalen Version 160 Minuten. Allerdings konnte das Unternehmen bei der Untersuchung nicht herausfinden, ob sich die Lesezeit auf dem iPad und iPhone auf eine oder mehrere Ausgaben verteilt. Während man bei der Print-Ausgabe ein Heft erst zur Seite legen muss, um ein Neues lesen zu können, reicht auf dem iPad ein Wisch oder Klick um weiter zu kommen.

Ein weiterer Grund für die schlechte Nachverfolgung berührt gleichzeitig einen Streitpunkt zwischen Apple und den Verlagen. Apple erlaubt bislang keine tieferen Einblicke in das Leseverhalten und schneidet somit die Verlage von ihren Lesern ab. Allerdings sind derzeit Verhandlungen im Gange, die den Verlagen wieder einen direkten Kontakt zum Leser eröffnen könnten.

Schluss mit alten Werbekonzepten

Und noch eine Erkenntnis ergibt sich aus der Untersuchung: Wer mit Werbung Geld verdienen möchte, sollte sich etwas Neues einfallen lassen. Stupide Wiederholungen die zu Zeiten von gedruckten Bleiwüsten noch funktionierten, sind für die neuen Medien gänzlich ungeeignet.

Auch Apple muss mitspielen

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass das iPad die Verlagslandschaft ordentlich durcheinander gewirbelt hat. Aber auch die Lesegewohnheiten ändern sich vielfach. Zwar muss man sich nach wie vor Zeit für die Lektüre nehmen und vor allem Magazin gehören trotz der digitalen Form nicht zum Informations-Fast-Food. Dennoch ist der Lesefluss ein anderer: Über Vernetzungen einzelner Artikel mit weiterführenden Informationen vergeht deutlich mehr Zeit, die Leser für ihre Lektüre aufwenden.

Diese Veränderungen in der Lesegewohnheit müssen Verlage beachten, wenn sie sich auf die Suche nach neuen Konzepten begeben, um den Leser erneut an sich zu binden. Dazu müssen sie die Lesegewohnheiten besser kennenlernen, die sie aber nur über einen direkten Zugang zum Kunden erhalten, den Apple derzeit noch verweigert.


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