iPhone-Geodaten: Interview mit Jobs, Schiller und Forstall zu Apples Datenschutzpraxis

Florian Matthey
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Nach dem gestrigen offiziellen Statement zur iPhone-Geodatenspeicherung hat sich Apples CEO Steve Jobs zusammen mit seinen Vizepräsidenten Phil Schiller und Scott Forstall in einem Interview ebenfalls zum Thema geäußert. Im Interview räumen die Apple-Manager Fehler ein und sprechen von einem “Bug”. Dass Apple – anonymisierte – Positionsdaten auch für andere Zwecke als zum Ermitteln von Verkehrsstatistiken nutzen wird, will das Unternehmen nicht ausschließen.

Apple hebt Schutzmechanismen für Geodaten im iOS hervor

Ebenso wie in der auf Apples Website veröffentlichten Stellungnahme treten die Apple-Manager für ihr Unternehmen auch in dem Interview mit All Things Digital die Flucht nach vorn an: Ja, Apple habe Fehler gemacht, allerdings kümmere sich der iPhone- und iPad-Hersteller auch besonders um den Schutz benutzerbezogener Daten, vor allem auch von Positionsdaten. Apple erlaube es keiner App, Geodaten zu ermitteln, ohne dass es der Benutzer dieser App explizit erlaube, erklärt Apples Vize Forstall. Das sei selbst bei Apples eigenen Apps der Fall. Auch weise Apple mit einem Icon in der Statusleiste des iOS-Gerätes darauf hin, dass das eine App aktuell Positionsdaten ermittelt, in den Einstellungen lasse sich nachvollziehen, welche App in den letzten 24 Stunden Positionsdaten ermittelt habe. Dort lasse sich auch für jede einzelne App der Zugriff auf entsprechende Daten sperren.

Ermittlung von Geodaten – vorerst – nur für eine Verkehrsdatenbank

Jobs bekräftigt, dass Apple überhaupt nur dann Positionsdaten ermittle, wenn der Benutzer dies zulasse. Die auf iPhones abgespeicherten Dateien, die für die Aufregung in den Medien sorgten, entstünden lediglich über eine von Apple angelegte anonymisierte Datenbank, die Apple durch “zig Millionen iPhones da draußen” ermitteln lasse. Die Daten entstehen durch die Erfassung der Position von WLAN-Hotspots und Handy-Masten, wobei letztere über 100 Meilen vom Benutzer entfernt sein könnten. Apple hatte in der offiziellen Stellungnahme eingeräumt, dass das Unternehmen diese Daten für Verkehrsstatistiken einsetzen möchte. Dass weitere Verwendungszwecke hinzukommen werden, möchte Apple aber explizit nicht ausschließen. Jobs auf Nachfrage: “Wir erstellen mittels Crowdsourcing eine Verkehrsdatenbank und das ist alles, was wir sagen.”

consolidated.db: Die zu große Cache-Datei

Dass ein iPhone in der Datei consolidated.db nur einige Informationen aus der Massendatenbank speichert, erklärt aber nicht, warum die so ermittelten Informationen doch recht genau anzeigen, wann sich der Benutzer wo aufgehalten hat – zwar mit Abweichungen über viele Kilometer, aber dennoch auf diesen einen iPhone-Besitzer zugeschnitten. Forstall bezeichnet die Datei in dem Interview von einem “Cache”, für dessen Größe sich Apple für zwei Megabyte entschieden habe – “weniger als die Hälfte eines Lieds”. Dann habe sich herausgestellt, dass das zwei Megabyte für reine Positionsdaten doch ziemlich viel seien und Daten für lange Zeit erfasse. Allerdings könne keine andere App auf diese Datei zugreifen, solange niemand das iPhone hacke oder einen Jailbreak installiere – oder auf die Backup-Datei auf dem Rechner zugreife, solange der Benutzer diese nicht von iTunes verschlüsseln ließ.

Um diese Restrisiken weiter zu begrenzen, werde Apple einige Maßnahmen ergreifen: Ein Sotware-Update soll in den nächsten Wochen erscheinen, nach dessen Installation das iPhone die Cache-Datei löscht, wenn der Benutzer die Positionserfassung fürs ganze Gerät ausschaltet. Danach ermittle das Gerät auch gar keine Geodaten mehr – dass es dies bisher trotz ausgeschalteter Positionserfassung tat, sei ein “Bug” gewesen. Auch werde Apple die Größe der Cache-Datei deutlich verkleinern.

Auch hätten Apple und die Mobilfunkindustrie versäumt, den Benutzern zu erklären, um was für Daten es sich handle. Phil Schiller zieht eine Analogie zu einem Ladengeschäft: Dort stünden manchmal Mitarbeiter am Eingang, die zählen, wie viele Besucher den Laden am Tag betreten und verlassen. Die erfassten Daten seien ungefähr damit vergleichbar und seien ebenso stark anonymisiert.

Mehrtägiges Schweigen wegen interner Prüfung

Dass Apple einige Tage – weniger als eine Woche, wie Jobs mehrfach betont – gebraucht habe, um sich zu dem Thema zu melden, sei darauf zurückzuführen, dass Apple zunächst einmal ermitteln musste, was genau die Medien und Benutzer ihnen vorwerfen und wo das Problem liegt. Jeden Tag habe es neue Behauptungen gegeben. Es handele sich um ein Thema, das ein High-Tech-Gerät betreffe, dessen Bewertung einige Tage in Anspruch nehme, so der Apple-CEO Jobs.

Jobs: Keine Aussage zum Gesundheitszustand

Zum Schluss des Interviews wollte All Things Digital von Jobs, der in diesen Tagen eine gesundheitsbedingte Auszeit nimmt, noch erfahren, ob es einen Zeitplan gebe, wann er wieder voll ins Tagesgeschäft einsteigen werde. Darauf wollte Jobs aber nicht eingehen: “Sehen Sie, wir sind heute hier, um über Geodaten zu sprechen, nicht über mich.”

Bild: All Things Digital. Some rights reserved.

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