iPhone-Geodatenspeicherung: Apple gesteht Fehler ein

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Die – erneute – Stellungnahme zur Koordinatenspeicherung an sich war aufgrund des öffentlichen Drucks nur eine Frage der Zeit. In einer heute veröffentlichten Mitteilung erklärt Apple, warum es die Daten erhebt und speichert. macnews.de hatte es bereits vermutet: Die Speicherung von alten Geodaten war zumindest teilweise Schlamperei und wohl kein Vorsatz, der Image-Schaden hätte mit etwas mehr Sorgfalt vermieden werden können. In der aktuellen Meldung wiederholt Apple längst Bekanntes, verrät jedoch ein paar Neuigkeiten und kündigt Software-Updates an.

Apple verfolgt nicht den Standort deines iPhones”, startet der Konzern seine Erklärung zu dem PR-Desaster um die Koordinatenspeicherung des Mobiltelefons. “Apple hat das nie getan, und hat keine Pläne, dies jemals zu tun.” Kurz vor Ostern haben zwei Programmierer die kleine Anwendung iPhone Tracker veröffentlicht, die die Aufenthaltsorte des persönlichen iPhones seit Sommer 2010 anzeigen will. Die dabei verwendeten Daten stammen aus dem Handy-Backup in iTunes. Datenschützer und Politiker protestierten gegen die Speicherung und verlangten von Apple eine Stellungnahme.

Datenbank von W-LAN – und Mobilfunknetzwerken

Wenn Apple die Standortspeicherung abstreitet, was speichert das iPhone dann? Es sind Informationen über W-LAN-Hotspots und Mobilfunkmasten, die sich bis zu 100 Meilen vom eigenen Standort entfernt befinden, informiert der Konzern. Damit kann die Lokalisation jedes iPhones – zum Beispiel bei dem Aufruf von Google Maps – schneller vollzogen werden als mit dem satellitengestützten GPS und funktioniert auch bei reinen Wi-Fi-Geräten wie iPod touch oder iPad Wi-Fi.

Es sind also Teilmengen einer großen Datenbank, die in einem Zwischenspeicher auf dem iPhone abgelegt werden. Die gesamte Datei von Apple mit Informationen über Funknetzwerke wäre für ein Smartphone zu viel: Zig-Millionen iPhones dieser Welt speisen Informationen über W-LANs und Mobilfunkmasten ein. Die Daten sammelt Apple anonym, kennt nicht die Quelle oder gar den Benutzer. Dieser Fakt ist spätestens seit einem Jahr weitgehend bekannt, als Apple seine Datenerhebung vor US-Abgeordneten rechtfertigen musste.

Es sind also nicht die Standortdaten, und das erklärt auch die “Fehler” der Lokalisation, die die macnews.de-Leser fanden. Trotzdem sind die iPhone-Reisen teilweise recht genau nachzuvollziehen – auch wenn es nicht die primär erhobenen Geodaten sind, sondern nur Umkreismengen aus der globalen Datenbank.

Apple gesteht Fehler ein

Die Aufregung um iPhone Tracker erklärt Apple damit, dass von den Telekommunikationsfirmen zu wenig Aufklärungsarbeit über die komplexen technischen Hintergründe geleistet worden sei – und schließt sich selbst mit ein. Das Unternehmen betont, es frage bei den Lokalisationsdiensten stehts die Einverständnis des Nutzers an. Daten werden nur an Dritte weitergegegen, wenn es explizit – beispielsweise in einer Anzeige iAd – gefordert wird. Dass bei ausgeschalteten Ortungsfunktionen die Funknetzwerk-Datenbank weiter aktualisiert wird, sei allerdings ein Fehler, der in einem Software-Update behoben werden soll.

Ebenfalls laut Apple unnötig und ein Fehler: Die Koordinatenspeicherung von lange zurückliegenden Orten lokal auf einem iPhone. “Wir denken nicht, dass ein iPhone mehr als sieben Tage von diesen Daten speichern muss”, so das Unternehmen. Das Theater um iPhone Tracker und die Bewegungsdatenspeicherung, verbunden mit dem Image-Schaden hätte sich der Konzern also sparen können, wäre nur etwas mehr vorausschauende Sorgfalt bei dem Umgang mit den Informationen angewendet worden.

Software-Updates in Ausicht

Deshalb will Apple bei den kritisierten Punkten bald nachziehen: Ein Software-Update soll in den “nächsten Wochen” kommen. Bei ausgeschalteter Ortungsfunktion wird der Zwischenspeicher vollständig gelöscht, und generell soll die Datenbank auf dem iPhone kleiner gehalten werden – sprich: wohl nur noch die letzten Standorte umfassen.

Ab dem nächsten “großen” Update des Betriebssystems iOS will Apple auch den Speicher der Datenbank verschlüsseln, um unbefugte Zugriffe zu verhindern. Das Backup auf dem Desktop-Rechner kann der Nutzer bereits jetzt über eine Auswahloption verschlüsseln. In diesem Falle kann auch iPhone Tracker keine Positionsdaten in der Karte zeigen.

Einen weiteren Service, der erst in den nächsten Jahren erscheinen soll, hat Apple entgegen der üblichen Praxis schon jetzt verraten – wohl, um nicht nochmal in die Negativschlagzeilen wegen der Datensammlung geraten zu können: iPhone-Nutzer sollen einen verbesserten Verkehrsservice erhalten, wofür das Unternehmen schon jetzt anonymisiert Informationen über Verkehrsaufkommen sammle.

Beschädigter Vorreiter in Sachen Privatsphäre

Apple betont, dass das Unternehmen den Schutz privater Daten und der Privatsphäre für äußerst wichtig hält. Zum Beispiel sei das iPhone das erste Gerät gewesen, das den Nutzer die Erlaubnis für die Nutzung der Lokalisation für jede App einzeln abfragt. “Apple will auch weiterhin einer der Führer in der Stärkung von persönlicher Informationssicherheit und Privatsphäre sein”, so der Konzern heute.

Das öffentliche Bild wird sich allerdings nicht so schnell zum Guten wenden – wenn es denn überhaupt so ein positives Bild in Sachen Datenschutz bei Apple gab. Denn schon bei Diensten wie dem sozialen Netzwerk in iTunes, Ping, oder der Musikzusammenstellungen Genius stand das Unternehmen aufgrund von unklarem Umgang mit den Nutzerdaten in der Kritik.

Auch weiterhin werden viele iPhone-Nutzer sicher nicht wissen, dass bei einem Klick auf eine iAd  “Finde das nächstgelegene Geschäft” Apple Lokalisationsdaten an andere Unternehmen weiterleitet – dieses Beispiel wurde in der heutigen Meldung ausdrücklich genannt. Und der Hinweis, es werden nicht die iPhone-eigenen Geodaten, sondern nur Teilmengen einer Datenbank gespeichert, klingen angesichts der halbwegs überzeugenden Ergebnisse von iPhone Tracker als kleine Beschwichtigung.

Sehr lobenswert ist jedoch, dass Apple nicht nur Software-Updates ankündigte, die Fehler und Kritikpunkte minimieren wollen, sondern auch betont, eine Vorreiterstellung in Sachen Privatsphäre halten zu wollen. Denn dass alle anderen Smartphone-Hersteller gewissenhafter mit Nutzerdaten umgehen, muss schwer bezweifelt werden. Standortdaten übertragen, das ist bei Googles Android-System eine Selbstverständlichkeit. Ob dort oder bei Apple-Apps: Die Nutzer freuen sich über zahlreiche Anwendungen, die Standortinformationen einbeziehen und damit Umkreissuche, lokale Tipps, soziale Netzwerke, Task-Manager, Foto-Metadaten verbessern.

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