iPhone-Plagiate: Fälscherring in China aufgeflogen

Flavio Trillo
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Die Verfolgung von Plagiaten wird in China oft nur halbherzig betrieben. Als Argumente gegen ein Einschreiten der Behörden werden Ängste um verlorene Arbeitsplätze in Fälschungs-Fabriken oder verschreckte Shopper in Einkaufszentren mit falschen Apple Stores genannt. Doch jetzt hat die Polizei in Shanghai zugeschlagen.

Erst kürzlich hatte die chinesische Regierung auf Drängen der Sicherheitsabteilung von Apple im Land einige, nicht zu 100 Prozent authentische Apple Stores geschlossen. Jetzt gelang den Behörden erneut ein Schlag gegen die Fälscher-Szene.

Jedes Mitglied der Gruppe, von der bisher fünf Mitglieder festgenommen wurden, hatte spezifische Aufgaben – von der Beschaffung von Originalteilen über die Montage bis zum Verkauf der iPhone-Klone. Mehr als 200 gefälschte, aber täuschend echt aussehende iPhones seien der Shanghai Daily zufolge bereits verkauft worden.

Apple-Mitarbeiter hätten bestätigt, dass es sich bei den Geräten um äußerst präzise Fälschungen handele: “Es ist wirklich schwierig für die Kunden, die falschen von den echten zu unterscheiden”. Mehr als 5.000 Einzelteile wurden sichergestellt, als die Beamten die Werkstatt der Fälscher in einem Wohngebiet nahe des größten Handy-Marktes der Stadt stürmten.

Auch Original-Teile wurden hier entdeckt, die offenbar von Mitarbeitern der Zulieferer aus den Fertigungshallen geschmuggelt und anschließend verkauft wurden. Durch die vergleichsweise geringen Stückzahlen hatten die Kopisten allerdings erheblich höhere Herstellungskosten pro Gerät als Apple selbst.

Ein gefälschtes iPhone koste daher etwa 231 Euro in der Herstellung. Beobachter hatten für Apples eigene Produktion Materialkosten in Höhe von nur 138 Euro geschätzt. Auf dem Schwarzmarkt brachten die Plagiate dann etwa 463 Euro ein, nur geringfügig günstiger als das echte Apple-Smartphone.

Ein stolzer Preis für ein Gerät, das zwar auf den ersten Blick wie das Original aussehen mag, aufgrund minderwertiger Bauteile jedoch technisch dem Vorbild kaum gewachsen sein dürfte. Allein die äußerst geringe Batterielaufzeit verrate etwas über den tatsächlichen Ursprung des iPhone-Klons, so die Polizei.

Der Anführer der Gruppe, ein Mann namens Dong, habe Jugendliche dafür bezahlt, die Geräte in Mietwohnungen zusammenzusetzen. Das Geschäft lief ziemlich gut und die Gruppe konnte etwa 30 Stück pro Tag verkaufen. Das sind immerhin fast 7.000 Euro Brutto-Gewinn am Tag. Zieht man die (zweifellos verschwindend geringen) Lohnkosten der Monteure ab, bleibt da am Monatsende ein hübsches Sümmchen für die Herren Fälscher. Die Steuerlast ist in diesem Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne Belang.


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