iPhone-Schwarzmarkt im Visier: Polizei setzt auf Agents Provocateurs

Die Market Street in San Francisco führt mitten durch Tenderloin, ein heißes Pflaster des iPhone-Schwarzmarktes. Gestohlene Geräte werden hier täglich umgeschlagen und die Polizei versucht mit zweifelhaften Methoden, Käufer abzuschrecken.

iPhone-Schwarzmarkt im Visier: Polizei setzt auf Agents Provocateurs

„Sting“ — Verdeckte Ermittler gegen iPhone-Schwarzhandel

Ein verdeckter Ermittler der Polizei in San Francisco schlurft die Straße hinab. Tom Lee bietet Passanten iPhones an zu erstaunlichen Preisen. In seinem Rucksack: Drei sauber verpackte Apple-Smartphones verschiedener Modelle — gesponsert vom Hersteller selbst.

Der Polizist trägt nur ein verstecktes Mikrofon, keine Waffe. Um ihn herum daher „Leibwächter“, ebenfalls verdeckte, aber bewaffnete Kollegen. Als er beinahe einen potentiellen Interessenten gewonnen hat, wird dieser von dem warnenden Hinweis eines Passanten verschreckt. Der Deal ist abgeblasen und der Interessent zieht ohne iPhone — aber auch ohne Handschellen — von dannen.

Etwas später wiederholt sich das Szenario. Doch dieses Mal geht das Geschäft über die Bühne. Ein Mann bietet 100 US-Dollar für das iPhone, das Geld wechselt den Besitzer und die umstehenden Polizisten schlagen zu. Aus einer Seitenstraße kommt Unterstützung, weitere Kollegen in einem Zivilfahrzeug.

Auf diese Art und Weise nehmen Lee und Andere in San Francisco, New York City und Washington D.C. wöchentlich mehrere Personen fest. Einige davon sind professionelle Käufer, die gezielt mehrere gestohlene iPhones erwerben, um sie dann in Asien oder Europa mit Gewinn zu verkaufen.

Diesen Markt wollen die Beamten zerschlagen. Zunächst haben sie versucht, bei den iPhone-Dieben anzusetzen. In den Straßenbahnen gaben sie den unachtsamen Touristen, boten den Tätern leichte Beute, um sie anschließend zu fassen. Diese Taktik hat nicht funktioniert — kaum jemand ist darauf hereingefallen.

Wo kein Kunde, da kein Markt

Deshalb versuchen sie jetzt, die Hehler von der anderen Seite anzugreifen: Sie verschrecken ihre Kunden. Mit häufigen Festnahmen durch verdeckte Ermittler, die den „Schwarzhändler“ mimen, werden die Interessenten misstrauisch. Das soll den Verkäufern das Geschäft vermiesen.

„Wenn sie das Smartphone klauen, es aber nicht verkaufen können, gibt es keinen Markt“, erklärt ein Polizeisprecher gegenüber der Huffington Post. Diese Arbeit ist nicht immer ganz ungefährlich für Ermittler wie Lee. Viele Käufer sind misstrauisch. Sie tasten ihn ab nach Waffen und kugelsicheren Westen. Dabei übersehen sie zwar meist das kleine Mikrofon unter seiner Kleidung, schweißtreibend kann das trotzdem sein.

Das Problem dabei: Diese Strategie, die auch als „Agent Provocateur“ (oder: Lockspitzel) bekannt ist, zieht einige Kritik auf sich. In der Rechtswissenschaft ist umstritten, in wieweit ein solches Verhalten der Strafverfolgungsbehörden rechtmäßig ist.

„Agent Provocateur“: Eine umstrittene Methode

Schließlich werden die Käufer gezielt angesprochen. In manchen Fällen planten sie zuvor überhaupt nicht, ein iPhone zu kaufen, geschweige denn ein gestohlenes. Die Masche der Polizei ist bisweilen perfide.

Im Jahr 2011 wurde Robert Tester in New York im Rahmen einer ähnlichen Operation festgenommen. Ein verdeckter Ermittler hatte ihm „hartnäckig“ ein iPhone angeboten, obwohl Tester mehrfach abgelehnt hatte. Daraufhin drückte der Beamte auf die Tränendrüse, erzählte Tester von seiner Familie, für die er sich keine Weihnachtsgeschenke leisten könne. Schließlich griff Tester für 20 Dollar zu, ohne zu wissen, dass es sich um ein „gestohlenes“ iPhone handelte.

Solche und ähnliche Fälle sorgen dafür, dass die kritischen Stimmen gegen Agents Provocateurs auch in den USA immer lauter werden. Die Polizei mache sich ihre Kriminellen selbst, um ihre Statistiken zu schönen, so der Vorwurf. Hierzulande ist die Rechtmäßigkeit derartiger Methoden durch den Bundesgerichtshof ohnehin stark eingeschränkt.

Zweifellos fassen die Polizisten mit solchen Methoden den einen oder anderen „Profi-Käufer“. Vielleicht schrecken sie sogar ein paar weitere ab. Erfolge und steigende Festnahme-Zahlen können aber kein Argument für die Zulässigkeit einer Taktik sein.

Der iPhone-Schwarzmarkt an der Market Street ist weniger als 2 km vom Moscone Center entfernt, wo Tim Cook das iPhone 5 im September 2012 vorgestellte.

(Bild: Man hands with handcuffs via Shutterstock)

iPhone-Display kaputt? Akku zu schnell leer? Kein Problem: Display oder Akku selbst tauschen mit den Komplettsets zur iPhone-Display-Reparatur oder dem iPhone-Akku-Wechsel von GIGA & Fixxoo!

Weitere Themen: iPhone 5, iMac mit 5K Retina Display, iPhone 6, iTunes Karte, iPhone 4s, Apple Lightning, iPhone 3GS, iPad Air, Fingerabdruckscanner, Apple

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz