iPhone- und iPad-Verkauf teilweise gestoppt: Apple nimmt iOS-Geräte aus dem Sortiment

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Spätestens seit den frühen Morgenstunden des 3. Februar sind das iPhone 4, das iPhone 3GS sowie die 3G-Variante des iPad 2 nicht mehr in Apples Online-Store erhältlich. Die Meldung kommt zeitgleich mit einer Niederlage des Herstellers gegen Motorola vor dem Landgericht Mannheim. Apple vertröstet Kunden derzeit auf Apple Stores und die Händler.

iPhone- und iPad-Verkauf teilweise gestoppt: Apple nimmt iOS-Geräte aus dem Sortiment

Auf den ersten Blick scheint es eine Blitzreaktion auf die Entscheidung der Mannheimer Richter. Sie erließen eine Anordnung gegen die irische Dependance „Apple Sales International“, die als Vertragspartner für deutsche Kunden des Online-Store auftritt.

Allerdings ging es in diesem Verfahren um den iCloud-Dienst. Dieser ist von sehr viel mehr Geräten aus zugänglich, als nun mit dem Hinweis „Derzeit nicht verfügbar“ versehen wurden. Daher scheint es viel mehr zufällig, wie der Patentexperte Florian Müller in seinem Blog bemerkt, dass die beiden Ereignisse zusammentreffen.

Wahrscheinlicher ist, dass Apple damit auf ein Urteil aus dem Dezember des vergangenen Jahres reagiert hat. Hierauf deutet zunächst die Tatsache, dass das iPhone 4S nach wie vor im Online-Store erhältlich ist. Ginge es aber tatsächlich um Patentrechte bezüglich iCloud, wäre dieses ebenso betroffen wie die übrigen Geräte.

Darüber hinaus meldet die Deutsche Presseagentur DPA, Apple werde gegen die für den Verkaufsstopp verantwortliche Entscheidung vorgehen, da es sich um so genannte FRAND-Patente handele, die von Motorola geltend gemacht wurden. Das trifft möglicherweise auf die im vergangenen Dezember in Rede stehenden Patente zu, die bereits seit sieben Jahren als unverzichtbar für den GPRS-Standard gelten.

In der heute früh ergangenen Entscheidung gegen Apple in Mannheim waren solche Standard-Patente jedoch nicht das Thema. Im Gegenteil, auf Nachfrage des Richters Andreas Voll hätten die Vertreter Apples im November sogar zu Protokoll gegeben, ihre Position nicht mit dem Argument der „Fair, Responsible, and Non-Discriminatory Terms“ verteidigen zu wollen.

Warum aber nimmt Apple die im Dezember angegriffenen Produkte erst heute aus dem Programm? Das dürfte mit dem Erfordernis einer Sicherungsleistung in Höhe von 100 Millionen Euro zu tun haben, die Motorola zu leisten hatte, bevor das Urteil gegen Apple seine volle Wirkung entfalten konnte. Zwischenzeitlich hatten die Anwälte des Herstellers aus Cupertino versucht, vor dem Oberlandesgericht in Karlsruhe eine einstweilige Verfügung zu erwirken, waren damit jedoch gescheitert.

Nun sind also vorerst nahezu alle Geräte nicht mehr lieferbar, die über einen 3G-Chip verfügen. Das iPhone 4S ist die Ausnahme, weil es über ein 3G-Modul aus dem Hause Qualcomm verfügt und somit mittelbar durch ein Lizenzabkommen zwischen Motorola und Qualcomm auch Apple als Verwender geschützt ist.

Die Durchsetzung von Patenten, die bereits Teil eines Industriestandards sind, ist äußerst umstritten. Apple hat also eine gute Chance, den Verkaufsstopp von iPhone 4, iPhone 3GS und iPad 2 mit 3G wieder aufzuheben.

Bis dahin, so ein Apple-Sprecher gegenüber der DPA, „dürften Kunden kein Problem haben, diese Geräte in unseren Stores oder bei autorisierten Händlern zu finden“.

Update: Das ging schnell — wenige Stunden später waren die Geräte bereits alle wieder verfügbar. Details dazu gibt es hier.

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Weitere Themen: iPhone 3GS, iPad 2, iPhone 4, Motorola


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