Kampf ums Smart TV: Wird Samsung das nächste Apple?

Flavio Trillo
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Man sagt, dass Hundebesitzer ihren Tieren mit der Zeit immer ähnlicher werden. Auch Konkurrenten können sich einander annähern, in ihren Produkten, aber auch in ihren Strategien. Mit einer Mischung aus Quantität und „akzeptabler“ Qualität, so eine Theorie, könne Samsung ein „pulsierendes Ökosystem“ im TV-Markt kreieren, dass Apple zumindest den Vorreiterstatus abringt.

Kampf ums Smart TV: Wird Samsung das nächste Apple?

John Biggs von TechCrunch ist der Ansicht, dass der koreanische Hersteller seine enorme Präsenz in vielen Segment der Branche Unterhaltungselektronik nutzen könnte, um im Haushalt das zu schaffen, was Apple mit Musik-Playern, Smartphones und Tablets geschafft hat. Das Ziel: Ein Ökosystem, ein Netz aus Diensten und Geräten, dass den Anwender quasi einfängt und nicht wieder los lässt. iOS ist so ein Netz, dessen Maschen aus den Geräten sowie iTunes und dem App Store bestehen. Samsung könne so zum nächsten Apple werden.

Viele andere Hersteller haben es bereits versucht. Fast jeder kennt die nahezu utopischen Entwürfe, nach denen der Kühlschrank mit dem Smartphone und dem Fernseher kommuniziert – bislang jedoch ohne nennenswerte Verbreitung in der Wirklichkeit. Samsung sei jedoch in der besonderen Lage, sowohl im Bereich der „Weißwaren“, also Kühlschränke, Waschmaschinen, Spülmaschinen, als auch in der Unterhaltungselektronik einen großen Einfluss und weite Verbreitung zu genießen.

Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen weltweit geschätzte 206 Million LCD-Fernsehgeräte verkaufen, was ungefähr 13 Geräten alle zwei Sekunden entspricht. Das ist durchaus beachtlich. Außerdem meldete Samsung mehr als 300 Millionen Mobiltelefone für das Jahr 2011 – ebenfalls kein Pappenstiel, auch wenn das nicht unbedingt ein Urteil über deren Qualität zulässt.

Aus der Kombination solcher Superlative schließt Biggs, dass der Konzern nur „ein paar Tablets, einige Waschmaschinen und irgendeine akzeptable Software“ hinzugeben müsse, um das Rezept für ein „echtes und pulsierendes Ökosystem“ perfekt zu machen. Wer zuerst kommt, gewinnt.

Im Rennen um die Vorreiterstellung am Markt reiche es für Samsung offenbar, mittelmäßige Lösungen anzubieten, um sich einen ausreichenden Vorsprung verschaffen.

Dabei sei keinesfalls gesagt, dass Apples Fernseher, so er denn überhaupt in absehbarer Zeit kommt, nicht überaus erfolgreich wird. Schließlich könne sich kaum jemand vor der „Flutwelle des Apple-Design-Teams“ retten. Trotzdem vermutet der Autor, dass Konsumenten sich für dasjenige Gerät entscheiden werden, das mit Tablet, Smartphone und – warum auch nicht – der Aquarium-Pumpe kommunizieren kann.

Ein weiteres Hemmnis für den allseits bereits heiß gehandelten Apple-Fernseher: Die Taktfrequenz. Nicht etwa die des Prozessors oder des Arbeitsspeichers – nein, die Frequenz, mit der Produkte aus Cupertino herkömmlicherweise erneuert werden. „Jedes Jahr ein neues Gerät“, so lautet die Faustregel. Für Fernsehgeräte könne das nicht gelten, dafür seien sie zu teuer und zu langlebig.

Aus all diesen, etwas wirren Prognosen lässt sich folgendes Kondensat herauslesen: Samsung hätte die Chance, ein Apple-ähnliches Ökosystem in einem Bereich aufzubauen, den Apple selbst sich erst noch erschließen muss. Allerdings darf man aufgrund der schier unreflektierten Gleichstellung von „ein paar Geräte und irgendeine Software“ mit gut durchdachten, benutzerfreundlichen sowie intuitiv zu bedienenden Geräten und Programmen durchaus an dieser Theorie zweifeln.

Natürlich kann man jede Menge Geräte vernetzen. Staubsauger, Spülmaschine, Kühlschrank und Smartphone können sich den lieben langen Tag über die unerträgliche Leichtigkeit des Seins unterhalten, ohne dem Anwender dadurch irgendeinen Mehrwert zu bringen. Nein, Quantität allein wird noch keine Vorherrschaft am Markt begründen. Auch nicht mit noch so viel zeitlichem Vorsprung.

Ob und wann der Apple-Fernseher wirklich kommt, darüber lässt sich nur spekulieren. Will Platzhirsch Samsung sich aber in seinem Stamm-Segment nicht den Rang ablaufen lassen, sollte sich das Unternehmen etwas mehr Mühe geben und lieber ein Ökosystem mit Verstand kreieren.

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