Klimaschutz im IT-Sektor: Google gewinnt, Apple gar nicht dabei

Ralf Bindel
37

Apple und Greenpeace, das ist so eine Art Hassliebe. Zwar arbeitet auch Greenpeace mit Macs und iPhones, doch die Umweltorganisation kritisiert den Hersteller häufig. Im neuesten Ranking des Cool-IT-Leaderboards, einer Beurteilung der Klimaschutzanstrengungen der IT-Konzerne lobt Greenpeace Google, während es Apple und Facebook gar nicht erst in die Bewertung geschafft haben.

Klimaschutz im IT-Sektor: Google gewinnt, Apple gar nicht dabei

Cool IT Leaderboard, das ist eine nun zum fünften Mal erscheinende Studie zu Vorbildern in Sachen Klimaschutz. Untersucht werden dabei die Anstrengungen der IT-Konzerne den Energieverbrauch zu senken und damit den Klimaschutz zu verbessern.

Zwar ist aktuell wieder mal ein Klima-Sarrazin auf Buch-Promotion-Tour, doch die Erkenntnis, dass wir einen menschengemachten Klimawandel erleben werden, ist zumindest in Deutschland unumstritten.

Weil der IT-Sektor mit seinen hippen Produkten wie Computern, Clouds und Connections unter uns allen eigentlich als cool, fortschrittlich und als Saubermann gilt, mit immer neuen, leistungsstärkeren und always-online-seienden Produkten aber ordentlich Energie und Ressourcen verbraucht, will Greenpeace mit der Cool IT Kampagne die Unternehmungen der Konzerne beim Klimaschutz vorantreiben. Schließlich wird geschätzt, dass der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase aufgrund des Betriebs von Rechenzentren und des globalen Datenverkehrs inzwischen in der Größenordnung des internationalen Luftverkehrs liegt.

21 Unternehmen hat Greenpeace in die aktuelle Studie zu Vorbildern in Sachen Klimaschutz aufgenommen. Wichtig für Apple-Kunden: Ihr Konzern ist nicht dabei. Den ersten Platz belegt ausgerechnet der Suchmaschinen- und Service-Gigant Google, der selbst keine eigenen Geräte herstellt (außer Motorola). Greenpeace lobt Google für die Aktivitäten rund um erneuerbare Energien.

Gefolgt wird Google von Cicso, die ihren ersten Platz in diesem Jahr an Google abgeben mussten, und Ericsson und Fujitsu gemeinsam auf der dritten Position.

Einsatz für Erneuerbare

Weil Greenpeace nicht nur das Engagement bei der Erschließung alternativer Energiequellen für die eigenen Standorten oder die Reduzierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs für Produkte bewertet, sondern auch das öffentliche Eintreten für mehr Klimaschutz und somit eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit, loben die Cool-IT-Macher Google ausdrücklich auch für die öffentliche Unterstützung amerikanischer und europäischer Politik zur Förderung erneuerbarer Energien und die Nennung eigener ambitionierter Einsparziele. Der japanische Telekom-Anbieter SoftBank stößt ins Spitzenfeld, weil er öffentlich einen Wandel zu den Erneuerbaren nach der Reaktorkatastrohe in Fukushima forderte.

“Der IT-Sektor sieht sich selbst gerne als zukunftsorientiert, aber er hält sich zu sehr bedeckt, während die Anbieter schmutziger Energie übermäßigen Einfluss auf Politik und Finanzmärkte ausüben”, sagte Gary Cook, International IT Analyst bei Greenpeace.

Immerhin beziehen Google, Cisco und Dell 20 Prozent ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen. Weil diese wie beispielsweise Wasserkraftwerke nur rund 10 Prozent des weltweiten Bedarfs produzieren, sorgen diese Unternehmen mit für einen Ausbau der Quellen. Unternehmen wie der Tabellenletze Oracle erhalten Abzüge im Ranking, wenn sie ihre Energiequellen nicht offenlegen.

Cook drängt die IT-Konzerne dazu ihren Status als Innovatoren zu nutzen und mehr in „grüne“ Technologien und Geschäftsmodelle zu investieren. „Die IT-Industrie muss ihren Einfluss, ihren Spirit und ihr technisches Know-how nutzen, um die Vertreter der schmutzigen Energie zu verdrängen, die uns von einem Wandel zu einer erneuerbaren Energiewirtschaft abhalten“, sagt er. „Wir hören eine Menge über den Wandel, aber erleben zu wenig Handeln.“

Ohne Apple, ohne Facebook

Zwei der bekanntesten und einflussreichsten IT-Marken haben es gar nicht erst in das Ranking geschafft: Apple und Facebook. Apple, die auch in den Vorjahren nicht im Leaderboard vertreten waren, gestehen die Greenpeace-Ranker keinerlei honorierenswerte Aktivitäten zu. „Apple zeigte keine Vorbildfunktion oder nutzte seine Führungsrolle nicht, um energieeffiziente IT-Lösungen voranzutreiben – anders als viele seiner Wettbewerber. Dabei macht Apple Rekordgewinne und häuft hohe Vermögensreserven an“, heißt es in der Pressemitteilung.

Apple bietet zwar relativ energieeffiziente Geräte an, lässt auch einigermaßen energieeffizient produzieren und transportieren und hat auch den Schadstoffgehalt seiner Produkte stark reduziert, wofür Apple in der Greener-IT-Tabelle von Greenpeace im letzten Jahr um fünf Plätze nach vorn auf den vierten hinter HP, Dell und Nokia rückte. Doch als im letzten Jahr bekannt wurde, dass das Apple-iCloud-Rechenzentrum in Carolina vom größten Atom- und Kohlekraftwerkebetreiber der USA mit Strom versorgt wird, ging ein Aufschrei durch die Apple-Gemeinde.

Während viele andere Betreiber ihre Datencenter zumindest teilweise aus erneuerbaren Strom- und Kühlquellen speisen, zeigt sich ausgerechnet der innovative Konzern Apple wenig innovativ. Einzig der neue Apple-Raumschiff-Campus soll auch Energie aus den kombinierten Photovoltaik-Fenstern seiner Verkleidung liefern.

Facebook soll als Newcomer beim nächsten Mal den Sprung in die Liste der Vorbilder schaffen, kündigte Greenpeace an. Das Netzwerk hat ein grünes Rechenzentrum entworfen und die Pläne der Branche zur Verfügung gestellt – die allerdings zumindest in Europa schon wesentlich effektiver arbeitet. Außerdem wollen die Facebooker vermehrt grünen Strom kaufen und eine Stromspar-App herausbringen, mit der man seinen Verbrauch protokollieren und im Netzwerk vergleichen kann.

Egal, was Facebook tut: Was sagt Ihr? Muss Apple mehr machen? Sollte sich Apple mit dem Glanz seiner Marke für mehr Klimaschutz einsetzen und die iCloud ökologisch verstromen?

Umfrage wird geladen
Umfrage: Die Apple-Produkte des Jahres 2016
Die Apple-Produkte 2016 – Top oder Flop?

Bist du in diesem Jahr zufrieden mit Apple? Nimm an unserer Umfrage teil!

Hat dir "Klimaschutz im IT-Sektor: Google gewinnt, Apple gar nicht dabei" von Ralf Bindel gefallen? Schreib es uns in die Kommentare oder teile den Artikel. Wir freuen uns auf deine Meinung - und natürlich darfst du uns gerne auf Facebook, Twitter oder Google+ folgen.

Weitere Themen: Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog, Apple Special Event Oktober 2014, iPhone 8, iPhone X, iPhone 7s, iTunes Karte, Apple iPhone 7, Thunderbolt 3, iPhone SE, Google