Lobbyarbeit in New York: Apple will nicht, dass wir Geräte selbst reparieren können

Florian Matthey
7

Apple will nicht, dass Kunden ihre Geräte selbst reparieren können: Das bestätigen Dokumente über Lobbyarbeit aus dem US-Bundesstaat Washington. Es drängt sich weiter der Verdacht auf, dass es Apple dabei ums Geldverdienen geht.

Lobbyarbeit in New York: Apple will nicht, dass wir Geräte selbst reparieren können

Apple stellt sich gegen Gesetzgebung für Reparaturen

Motherboard hat sich Dokumente zu Lobbyismusaktivitäten im US-Bundesstaat New York genauer angesehen. Die Transparenzgesetzgebung ist in dem Staat besonders weitreichend, sodass sich hier genauer als in anderen Teilen der USA nachvollziehen lässt, welches Unternehmen für oder gegen welchen Gesetzesentwurf Lobbyarbeit betrieben hat.

In der Legislative des Bundesstaates ist aktuell ein Gesetzesentwurf für einen „Fair Repair Act“ anhängig, der Unternehmen verpflichten würde, Kunden in dem Staat die Reparatur ihrer eigenen Produkte zu ermöglichen: Unternehmen müssten dann selbst Ersatzteile anbieten, dürften Software nicht mehr so gestalten, dass sie bei einer Reparatur durch den Benutzer Funktionen deaktiviert, und müssten in einigen Fällen auch selbst Reparaturanleitungen veröffentlichen.

Das Gesetz würde letztendlich nicht nur versierten Benutzern erlauben, ihre Geräte selbst zu reparieren. Es würde auch unabhängigen Werkstätten die Arbeit durch Originalersatzteile und weniger Hindernissen durch den Hersteller die Arbeit erleichtern.

203.844
iPhone 7 Review
7 Dinge, die das iPhone X noch besser gemacht hätten

Ungleichgewicht bei Finanzstärke der Interessenvertreter

Die Unternehmen, die gegen diesen Gesetzesentwurf Lobbyarbeit betreiben, kommen aus sehr unterschiedlichen Branchen: Unter anderem sind es neben Apple der Mobilfunkbetreiber Verizon, der Autohersteller Toyota, der Druckerhersteller Lexmark und der Maschinenproduzent Caterpillar. Auch Asurion, ein Anbieter von IT-Geräte-Versicherungen und der Hersteller von medizinischen Geräten Medtronic wenden sich gegen das Gesetz.

Für das Gesetz setzt sich aktuell lediglich die „Digital Right to Repair Coalition“ ein. Hier besteht im Finanziellen allerdings ein Ungleichgewicht: Während die Unternehmen insgesamt 366.634 US-Dollar für die Lobbyarbeit gegen den Entwurf ausgegeben haben, konnte die Coalition bisher nur 5.042 US-Dollar investieren.

Apple scheint aus rein finanziellen Interessen zu handeln

Die Unternehmen haben sich nicht öffentlich zu den Gründen für die Arbeit gegen das Gesetz geäußert. Allgemein hatte Apples Umwelt- und Regierungsarbeit-Chefin Lisa Jackson aber im April erklärt, dass es Apple um die Sicherheit der Kunden gehe: Technologie sei komplex, man müsse Kunden vor schlechten Komponenten schützen.

Allerdings lässt sich dem entgegensetzen, dass das Anbieten offizieller Ersatzteile ja gerade den Schutz vor schlechten Komponenten fördern würde. Auch lässt sich so nicht erklären, warum Apple in vielen Geräten prinzipiell austauschbare Komponenten wie Arbeitsspeicher fest verlötet. Außerdem hatte Motherboard kurz nach dem Interview herausgefunden, dass Apple Recyclingunternehmen auffordert, prinzipiell reparierbare Apple-Produkte nicht reparieren zu lassen oder funktionierende Komponenten zu verkaufen. Stattdessen sollten sie diese ausschließlich „schreddern“. Da drängt sich der Eindruck auf, dass es dem Unternehmen weniger um Schutz der Benutzer und der Umwelt geht – sondern darum, dass sich Kunden bei einem Defekt doch eher ein neues Apple-Produkt kaufen sollten.

Quelle: Motherboard

Weitere Themen: Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog, Apple Special Event Oktober 2014, iPhone 8, iPhone X, iPhone 7s, iTunes Karte, Apple iPhone 7, Thunderbolt 3, iPhone SE, Apple