Mac OS X: Auf dem Weg zu Web OS X - und noch mehr Verbreitung

Ralf Bindel
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Mit HTML5 und CSS3 ist vieles möglich, vielleicht sogar der Bau eines kompletten OS X im Browser. Damit ist ähnlich Google Chrome OS auch ein Apple Web OS X denkbar. Die Idee ist nicht neu, wird aber mit neuen Web-Formaten immer interessanter.

Mac OS X: Auf dem Weg zu Web OS X - und noch mehr Verbreitung

Noch ist es ein Experiment. Ein einfacher Boot- und Login-Prozess, wie wir ihn von Macs und MacBooks kennen. Aber nicht auf einem Mac, sondern im Browser. Sicher, man kann viel simulieren, aber diesmal ist es keine Flash-Animation.

Der italienische Webdesigner Alessio Atzeni nutzt CSS3 und HTML5, um zumindest den Startvorgang und den ersten Eindruck eines Mac OS X darzustellen. CSS sind die so genannten Cascading Style Sheets, Stilvorlagen, mit denen Farben, Layout, Schriften und vieles mehr festgelegt werden. HTML5 ist die neueste Version der Hypertext Markup Language, die Grundlage für die Seitendarstellung und Verlinkung im WWW, die sogar Flash ersetzen könnte.

Im Grunde ist es eine simple Technologiestudie mit den neuesten Webformaten, die Atzeni mit seiner Demo im Browser zeigt. Sie ist auch nichts Neues, andere haben das auch schon gemacht. Dennoch gibt sie Anlass, um über diesen Status hinaus zu denken.

CSS3 und HTML5 machen’s möglich

Schaut man sich die Demo mit Login und Lion-Schreibtisch-Darstellung an, ist das Ganze schon sehr nah an der Realität. Atzeni schreibt in seinem Blog, dass er mit diesem Experiment die Grenzen von CSS3 und HTML5 ausloten will.

Noch beschränkt sich die Demo auf reine Darstellung, Funktionen sind noch nicht oder kaum enthalten, auch wenn die Browser Chrome und Safari schon CSS3-Keyframe-Animationen unterstützen.

Atzeni hat zum Beispiel den Boot-Vorgang über eine CSS3-Animation mit Fake-Loader dargestellt. Das Passwortfeld wie der Tipp, wenn man in das Feld klickt, sind ebenfalls mit CSS3 umgesetzt.

JavaScript kommen für die Uhr und jQuery für das Drag-and-Drop der Desktopfenster zum Einsatz. Noch lässt sich nicht alles in CSS3 lösen, wie Atzeni schreibt, aber der Weg ist erkennbar.

Das Ganze kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch als Frontend-Kunst bezeichnen, zeigt aber deutlich, wie es weitergehen könnte. Ein früheres Experiment, wo auch das Dock schon mit Vergrößerung der Programm-Icons sichtbar und bedienbar ist – allerdings ohne auslösende Wirkung – liegt von dem polnischen Informatik-Studenten Robert Lange vor.

Ein Web OS X im Browser?

Sicher, noch kratzen diese Experimente an der Oberfläche und wollen eigentlich etwas anderes, nämlich die Leistungsfähigkeit von CSS und HTML statt Flash zeigen.

Andererseits machen sie deutlich, dass ein Web OS X von Apple durchaus möglich ist. So wie es Google mit Chrome OS, einem Betriebssystem im Browser für Netbooks, bereits 2009 vorgestellt hat.

Damit ließe sich auf von Apple-unabhängiger Hardware ein Mac OS X-Lion-Betriebssystem im Browser ausführen. Wie zu den Zeiten, als Apple Hardware-Klone für das eigene Mac OS zuließ. Immerhin: zwischen 1995 bis Mitte 1997 gab es ein offizielles Apple-Klon-Programm, um dem Mac OS, damals noch auf PowerPC-Basis, zum Erfolg zu verhelfen.

Das attraktive, benutzerfreundliche Mac OS X könnte man im Browser an jedem beliebigen PC, Notebook oder Webclient verwenden, selbst auf iPad, Galaxy Tab, Kindle, iPhone oder Samsung S2.

Die Frage ist nur, was Apple davon hätte. Klar, ein alternatives Web-OS wäre auch möglich, auf OpenSource-Basis entwickelt und vertrieben. Entstünde es, würde es Apple sicher juristisch verbieten.

Aber können wir uns vorstellen, dass Apple ein Mac Web OS X für die ubiquitäre Verwendung auf sämtlichen PC der Welt entwickeln würde?

Wohl kaum. Denn die Zeiten haben sich geändert. Apple ist nicht länger ein Underdog unter den Computerherstellern, der für Interesse sorgen muss. Apple hat offenbar in den Verkaufszahlen selbst – zumindest für dieses Quartal – HP, den größten PC-Hersteller überholt, rechnet man wie HP's CEO Meg Whitman Tablets und PC zusammen.

Was Apple und wir davon hätten

Apple macht mit Hardware Milliarden Gewinne und hat noch nie so viele Macs wie im letzten Quartal verkauft. Nicht zuletzt die millionenhafte Verbreitung von iPhones und iPads sorgt offenbar – wie auch immer – dafür, dass mehr Macs als je zuvor verkauft werden.

Und Apple verdient mehr als gut damit. Apple erhält schon fast Dagobertsche Unsummen mit dem Verkauf der Hardware, die schön gestaltet und deren Software benutzerfreundlich ist. Was also sollte Apple mit einem Web OS X im Browser?

Die Weltherrschaft. Nein, Spaß beiseite. Das Ende der Expansion ist natürlich offen. In Indien und China ist mehr Platz als in USA, Europa, Südamerika, Australien und Japan zusammen. Zumindest für Apple.

Würde zum Beispiel ein Web OS X an den Browser Safari gekoppelt werden, ließe sich dieser weiter verbreiten. Noch hat er einen weltweiten Anteil von nur 5.3 Prozent (nur Mac und Windows, Mobile Safari 4,2 Prozent), Google Chrome ist bereits bei über 9 Prozent, Firefox Spitzenreiter mit über 47 Prozent, MS-Internet Explorer unter 30 Prozent (Mai 2011).

Verknüpft mit einer Suchmaschine lassen sich damit weitere Einnahmen generieren (Mozilla erhält den Großteil seiner Einnahmen dadurch). Und ein Web OS X kann natürlich nicht alles, sondern macht Lust auf mehr. Damit würde eventuell echte Hardware fällig, oder Web-Apps aus einem Apple-Web-App-Store. Das Sandboxing-Verfahren für iOS- und OS-X-Apps steht Pate.

Tatsächlich hätte Apple mit einem Web OS X durchaus die Chance auf mehr. Noch mehr Verbreitung, noch mehr Verkauf. Und wer, wenn nicht Apple, würde darauf verzichten?

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