Mehr Macs in Unternehmen: Auf dem Rücken der Angestellten

Flavio Trillo
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Der Verkauf an den Endverbraucher ist eine feine Sache. Ein reizvolleres, da lukrativeres Geschäft ist jedoch dasjenige mit den Unternehmen. Solche Kunden sind gerade für Apple schwer zu akquirieren, da die Verantwortlichen ihre gesamte Infrastruktur oft nur ungern umstellen. Der Weg an das Business-Geschäft führt aber zum Glück häufig über die einzelnen Mitarbeiter. 

Wenn die IT-Abteilung das Sagen hätte, müssten alle Mitarbeiter, inklusive Führungsetage, das gleiche Gerät mit dem gleichen Betriebssystem darauf verwenden. Am besten stationäre Rechner, die immer schön im Büro bleiben. Doch nicht sie entscheiden über das Budget und seine Verwendung, sondern in letzter Konsequenz die Unternehmensleitung.

Und diese will ihr iPad und ihr iPhone mit in die Firma nehmen, damit arbeiten, geschäftliche E-Mails und Dateien verwalten. Also müssen die IT-Beauftragten sich darauf einstellen. Wie die New York Times berichtet, ist man in einigen Unternehmen inzwischen so weit gegangen, dass fast jeder nicht nur seine eigenen Geräte zur Arbeit mitbringen, sondern sich sogar selbst Laptops oder Smartphones aussuchen darf. Diese werden dann vom Arbeitgeber bezuschusst oder komplett bezahlt, je nach Modell.

Bei Kraft Foods sei die Verfügungsgewalt der “IT-Gurus” darauf beschränkt, Zuschüsse auszuteilen. Die Angestellten suchen sich dann bei Amazon, Apple oder im Elektronik-Fachhandel aus, was ihnen am besten gefällt. Vor allem die Diskrepanz zwischen den oft leistungsstärkeren Geräten zu Hause und den “Gurken” im Büro sorgte für Frustration. Zufriedene Angestellte arbeiten produktiver, fand Forrester Research in einer Studie heraus, deren Ergebnis kaum überrascht.

Einerseits profitieren also die Unternehmen davon, wenn die Angestellten mit ihren Wunsch-Geräten zur Arbeit erscheinen. Andererseits wandelt sich die Gruppe der Standard-Zulieferer für die Business-Kunden. Plötzlich kommt es weniger darauf an, den IT-Chef von einem Produkt zu überzeugen. Wer den mittleren Angestellten in der Tasche hat, bekommt früher oder später “Huckepack” auch den großen Auftrag von seinem Arbeitgeber.

Es wundert also nicht, wenn typische “Unternehmens-Spezis”, wie Dell, Research in Motion oder Hewlett-Packard sinkende, oder zumindest stagnierende Verkaufszahlen melden. Apple, bekannterweise ein Meister des Konsumenten-Marketing, fasst dagegen immer stärker Fuß in den Büros dieser Welt.

Natürlich hat das Konzept “Bring Dein eigenes Gerät” (“Bring Your Own Device”, BYOD) auch Nachteile. Vor allem für die Mitarbeiter, die nämlich ihre Arbeits-Notebooks nicht nur selbst aussuchen, sondern zum Teil auch selbst für deren Erhalt sorgen dürfen. Das bedeutet, dass man sich als stolzer MacBook-Besitzer eben manchen Samstag an der Genius Bar um die Ohren schlagen muss. Die Unternehmen haben so quasi den technischen Service ausgelagert.

Außerdem ist der Ansatz nicht für alle Unternehmen und jeden Angestellten geeignet. Wer entweder mit sensiblen Daten zu tun hat oder mit seinen Geräten empfindliche Produktionsmaschinen bedient, ist weiter an die Wahl der IT-Abteilung gebunden. Ebenso habe sich der Finanzdienstleister Wells Fargo gegen ein solches Programm entschieden. Dort erlaubt man den Arbeitnehmern noch nicht einmal, mit dem eigenen Smartphone im Firmen-Netzwerk zu surfen. Zu groß sei die Gefahr für Kundendaten, da nehme man lieber ein paar lange Gesichter in Kauf.

Vertriebskanäle auf Unternehmensebene behalten also auch weiter ihre Daseinsberechtigung. Gleichzeitig erhalten aber diejenigen Hersteller, die sowohl an den Konsumenten als auch an den Business-Kunden sehr gut verkaufen können, einen kleinen, aber beachtlichen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Apple ist hier auf jeden Fall einer der Profiteure.

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