Neue Pläne für Apple-Fernseher: Tim Cooks erste Herausforderung

Flavio Trillo
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Apple hat in vielen Bereichen der Unterhaltungselektronik den Finger nicht nur am Puls, es kontrolliert gleichsam den Herzschlag der Branche. Tablet-Computer, Smartphones, Online-Musik, Apps – all das weckt Assoziationen in Richtung Cupertino. Doch so manches entzieht sich bislang der Kontrolle des Konzerns. Und so werden Apple TV und Video-On-Demand die ersten Herausforderungen des neuen CEO Tim Cook.

Seit Mittwoch, dem 24. August 2011 ist Steve Jobs nicht mehr als CEO von Apple im Dienst. Statt dessen übernimmt der bisherige Chief Operational Officer (COO) Tim Cook den Posten. Er ist es, der sich künftig in erster Linie um das Wohl und Wehe des Unternehmens zu sorgen hat, gleichzeitig wird er weiterhin seine bisherigen Aufgaben erledigen – Ein stressiger Job.

Dabei muss er natürlich nicht nur zusehen, dass Apple gerade so über die Runden kommt, sondern auch neue Märkte erschließen, ganze Branchen kräftig aufmischen und revolutionäre Konzepte entwickeln, wie man sie von Apple seit einigen Jahren (paradoxerweise) beinahe schon gewohnt ist.

Insbesondere für den von Gene Munster seit Jahren prophezeiten Apple-Fernseher wird Cook hart kämpfen müssen. Apple kann unmöglich einfach ein Gerät in die Regale stellen, mag es auch noch so schick gestaltet, technisch ausgefeilt und einfach zu bedienen sein. Das wäre auch gar nicht im Stil des Herstellers, der gern Komplettlösungen präsentiert: Inhalte, Hardware und Software über ein und denselben Kanal beziehen, das ist wahre Benutzerfreundlichkeit.

Die Hardware und die dazugehörigen Programme sollten für Apple keine Hürde darstellen, dafür sind die Kontakte zu den Zulieferern zu gut, die Entwickler zu erfahren. Nur die Inhalte, also Filme und Fernsehserien, die kann Apple nicht in Eigenregie produzieren. Dazu benötigt Tim Cook das richtige Gespür und Verhandlungsgeschick.  Er muss nämlich die großen Medienunternehmer davon überzeugen, dass ein Video-On-Demand-Dienst, über den Videos direkt gestreamt werden, ohne sie vorher herunter zu laden, sich über Abonnement-Gebühren finanzieren lässt. Als großartige Umsatzchance gilt es das Apple TV der dritten Generation zu verkaufen.

Dafür ist Apple einem Bericht des Wall Street Journal zufolge bereits in Gesprächen, in denen Steve Jobs’ berüchtigte Verhandlungstaktik besonders fehlen wird. In seiner unverblümten Art soll er nicht davor zurückgeschreckt haben, die Musikindustrie so lange einzuschüchtern, bis sie sich zum Start des iTunes Music Store bereit erklärte, den Dienst zu unterstützen. Solche wagemutigen Aktionen seien eigentlich nicht Cooks Stil, er sei “analytisch und gemäßigt”. Was nicht heißen soll, dass er nicht hart verhandeln kann. Doch fehlt ihm das Flair der kompromisslosen, beinahe Angst einflößenden Lichtgestalt, die viele in Steve Jobs sahen.

Es werden also handfeste, harte Argumente für ein TV-Abo-Modell benötigt um die Branche auf Apples Seite zu ziehen. Das wird Cooks Aufgabe und die Chance zu beweisen, dass er seiner neuen Position gewachsen ist. Viel Erfolg, Tim!

Weitere Themen: Apple TV (Fernseher)

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