Google One Pass: Die Antwort auf das Apple-Mediensystem

Rifkin Zaroc
9

Gestern hat Steve Jobs die Bedingungen für den Verkauf von Magazinen im App-Store genannt. Heute zieht Eric Schmidt nach und kündigt Google One Pass an. One Pass bietet Verlegern die große Freiheit: Sie können, anders als bei Apple, die Preise und Bedingungen ihrer Publikationen selbst bestimmen.

“Einmal kaufen – überall anzeigen”, mit dieser Funktion wirbt Google für seinen neuen Online-Publishing-Dienst “One Pass”. Noch-CEO Eric Schmidt hat ihn heute an der Humboldt Universität in Berlin vorgestellt. Der Service erlaubt Verlagen die eigene Preis- und Konditionsgestaltung für ihre digitalen Inhalte. Außerdem können sie anders als bei Apple selbst Beziehungen zu ihren Lesern knüpfen und über die Kundendaten entscheiden.

Kunden, die Medien über One Pass erwerben, erhalten einen allgemein gültigen Zugang, der ihnen die Lektüre via Browser oder mobile Apps auf Smartphones und Tablet-Computern ermöglicht. Bestehende Abonnements, auch von Print-Medien, sollen mit One Pass übernehmbar sein.

Verlage können bestimmen, wann, wie und wofür sie ihre Kunden zur Kasse bitten, und sie sollen mit ihren Zahlungsmodellen experimentieren dürfen. Kostenlose “Freemium”-Angebote oder einzelne kostenpflichtige Artikel, abhängig vom Empfangsgerät, Tages- oder Monatszugänge, Pakete mit mehreren Ausgaben, Gutscheine, alles soll möglich sein.

Google setzt für die Abrechnung auf das erprobte Google Checkout. Das Bezahlsystem wird bisher vor allem im Android Market genutzt, es erlaubt  Zahlungen innerhalb einer App. Nötig ist jedoch wie bei Apple eine Kreditkarte, und laut androidnews.de gehören mehr Bezahloptionen zu den größten Wünschen der Android-Market-Nutzer.

Der Konzern startet One Pass in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Kanada und USA. In Deutschland sind die Verlage Axel Springer AG, TomorrowFocus mit Focus Online und Gruner-Jahr mit Stern.de unter den ersten Anbietern. Stern.de will einzelne Ratgeber-Artikel für 49 Cent verkaufen, Springer möchte über Bild.de einzelne Spiele der türkischen Fußball-Liga live übertragen. Pro Spiel sollen die Preise zwischen fünf und 15 Euro liegen, Auftakt ist am Samstag, sagte ein Sprecher. Focus.de will das System an einzelnen Beiträgen testen.

Nach Angaben des Google-Managers Madhav Chinnapa wird das System zunächst nur den Magazin-Erwerb via Browser erlauben. Die Version für Apps auf mobilen Geräten komme später. iOS-Apps für iPad und iPhone/iPod touch werden wohl kaum möglich sein, weil One Pass das Apple-Distributionssystem mit seinen fest gezurrten Bedingungen unterläuft. Für seinen Service verlangt Google nur zehn Prozent Umsatz-Beteiligung, Apple sollen Verleger 30 Prozent überlassen.

Google hat mit First Click Free, Fast Flip und Living Stories bereits 2009 Angebote für den kostenpflichtigen Vertrieb digitaler Inhalte (Paid Content) gemacht. Angesichts der Marktmacht Googles und den anziehenden Verkäufen der Android-Tablets mag die Attraktivität des iPad und das gestern vorgestellte Abo-Modell für App-Medien etwas verblassen. Und angesichts der beiden derart eng zusammen liegenden Ankündigungstermine, fragt man sich, wer da wen überholen wollte. Die deutschen Verlegerverbände VDZ und BDZV haben heute ebenfalls auf das gestrige Abo-Modell von Apple reagiert. Sie fordern “Wahlfreiheit” für ihre Leser und die “freie Entscheidung der Verleger über die Ausgestaltung der Angebote auch innerhalb von Apps”.

Eine Möglichkeit für sie, die Abo-Bedingungen von Apple zu umgehen, wären Web-Apps, die jedoch ebenfalls eine Tablet-Computer-gerechte Gestaltung erfordern.

Weitere Themen: Google

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz