Patentkrieg: Apples Strategie ist möglicherweise schlecht fürs Geschäft

Florian Matthey
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Der Patentkrieg, den der verstorbene Apple-CEO Steve Jobs den Herstellern von Android-Smartphones und -Tablets erklärt hatte, ist der Auffassung einiger Beobachter zufolge nicht gut fürs Geschäft. Statt zu versuchen, die Konkurrenten vom Markt zu verdrängen, sollte Apple diese eher zum Abschluss von Lizenzabkommen bewegen – da das Verdrängen ohnehin nicht funktionieren werde.

Steve Jobs’ “thermonuklearer Krieg”

Steve Jobs erklärte seinem Biographen Walter Isaacson, dass er Android “zerstören” wolle, “denn es ist ein gestohlenes Produkt”. Er sei bereit, “in den thermonuklearen Krieg zu ziehen”. Die von Jobs favorisierte Strategie ist also klar: Mit Hilfe der Rechte, die sich aus Apples geistigen Eigentum ergeben, möchte er alle Android-Geräte verschwinden lassen.

Dazu passen auch die zahlreichen Klagen gegen die Android-Hersteller Samsung, HTC und Motorola, die Apple bei Gerichten in zahlreichen Ländern einreichte. Mit diesen will Apple die Hersteller nicht zu Lizenzzahlungen für den Einsatz von Apple-Erfindungen bewegen, sondern jeweils einen Verkaufsstopp erwirken. Eben das stößt bei einigen Beobachtern auf Kritik.

Lizenzen als optimale Nutzung von Patentrechten?

Kevin Rivette von 3LP Advisors LLC, ein Beratungsunternehmen für den Bereich geistiges Eigentum, hält die “Verbrannte-Erde-Strategie” laut Bloomberg für eine “schlechte Idee”. Auf diesem Wege optimiere Apple nicht den Wert der eigenen Patente, da andere Hersteller Wege um den geschützten Bereich herum finden werden. Rivette vergleicht die Entwicklung mit der eines Flusses: Wer in diesen Steine lege, beobachte, dass das Wasser seinen Weg um diese herum finde. “Wäre es nicht besser, den Weg des Wassers zu leiten?”, so Rivette.

Die jüngere Geschichte scheint dem Berater zumindest Recht zu geben: Nachdem Apple beispielsweise in Deutschland und weiten Teilen Europas einen Verkaufsstopp für das Samsung-Tablet Galaxy Tab 10.1 erwirken konnte, scheint diese Strategie für das Modell 10.1N nicht zu funktionieren. Samsung hat das Design des Gerätes einfach geringfügig geändert, so dass die zuständige Richterin nach vorläufiger Prüfung keine Verletzung von Apples Geschmackmuster mehr erkennen konnte. In den USA hat die Internationale Handelsbehörde jüngst einen Importstopp für HTC-Smartphones ab dem 19. April 2012 verhängt, den der Hersteller aber einfach durch Änderungen der Software umgehen kann – und auch wird.

Vergleich mit IBM und Texas Instruments

Bloomberg zitiert Marshall Phelps, der früher IBM- und Microsoft-Chef für den Bereich geistiges Eigentum war. Phelps glaubt, dass niemand seine Konkurrenz mit Hilfe von Patenten vom eigenen Markt fernhalten könne – es sei denn, es handle sich um Patente wie das für die Basis-Architektur eines Computers oder für integrierte Schaltkreise, wie sie IBM und Texas Instruments einst besaßen. IBM musste, Texas Instruments wollte diese Patente dann lizenzieren. Beide Unternehmen verdienten damit letztendlich Milliarden.

Viele der Apple-Patente schützten wiederum das Aussehen und die Bedienbarkeit eines Gerätes, nicht aber grundlegende technologische Durchbrüche. Diese Patente lassen sich daher einfacher umgehen – mit der Folge, dass Apple letztendlich auch ohne Lizenzzahlungen der weiterhin auf dem Markt vorhandenen Konkurrenz auskommen muss.

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