Samsung statt Apple für Public Eye Award nominiert

Ralf Bindel
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Für gewöhnlich steht Apple in der Kritik, wenn es um miese Arbeitsbedingungen, Unfälle, Selbstmorde und geringe Löhne bei Zulieferern wie Foxconn geht. Immer wieder beklagen Apple-Fans, dass ausschließlich ihre Produkte in den Fokus der Medien gerieten. Jetzt ist Samsung für den Public Eye Award 2012 nominiert: Wegen Einsatz verbotener, giftiger Stoffe mit der Folge von hunderten Krebserkrankungen und Todesfällen.

Samsung statt Apple für Public Eye Award nominiert

Es ist wieder Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort trifft sich die Cremé der Wirtschaftspolitiker mit den Führern der größten Konzerne und ihren Beratern, Wissenschaftlern und Journalisten. Es geht um nichts weniger als den Fortbestand der Welt. Mittlerweile ist es das 42. Jahrestreffen. Gründer und Leiter ist der Ökonom Klaus Schwab. Er sagt zu Beginn: „Das kapitalistische System passt in seiner heutigen Form nicht mehr in die Welt.“ Schwab plädiert für stärkere politische Regulierung der Finanzmärkte und mehr Verantwortungsbewusstsein der globalen Wirtschaftselite. Manager sollten selbstverantwortlich und mit sozialer Verpflichtung handeln, wünscht er sich.

Während Tausende Politiker und Manager sich in Davos ab Mittwoch eher mit der Krise des Euro als mit Kritik am System auseinandersetzen werden, gilt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit doch den regelmäßigen Protesten und Parallelveranstaltungen des Forums. Eine davon ist passenderweise der Public Eye Award.

Zum zwölften Mal wird er am Freitagnachmittag im Hotel Montana in Davos vergeben. US-Ökonom Joseph E. Stiglitz, Nobelpreisträger für Wirtschaft, wird dann die schlimmsten Fälle anprangern, in denen Konzerne Umwelt- und Menschenrechte verletzt haben. Träger des Negativ-Preises sind die „Erklärung von Bern“, die vor allem durch die “Kampagne für saubere Kleidung” bekannt wurde, und Greenpeace Schweiz.

Nicht etwa Foxconn oder Apple sind in diesem Jahr nominiert, obwohl sie seit Jahren in der öffentlichen Kritik wegen ihrer Arbeitsbedigungen sind, sondern Samsung. Natürlich trifft es den koreanischen Mischkonzern nicht allein.

Unter den sechs Kandidaten sind der britische Banken-Gigant Barclays, wegen seiner hemmungslosen Nahrungsmittelspekulationen, der Gold- und Silber-Minen-Betreiber Freeport McMoRan wegen giftiger Abfälle und Folter von Minengegnern, Japans größter Energiekonzern Tepco wegen des Missmanagements des Kernkraftwerks in Fukushima, der brasilianische, weltgrößte Roheisenfabrikant Vale wegen rücksichtsloser Vertreibung von Ureinwohnern und der Schweizerische Agrochemie- und Saatgut-Produzent Syngenta wegen des weiteren Vertriebs hochgiftiger Pestizide.

Samsung, Südkoreas größter Mischkonzern mit 290000 Mitarbeitern, ist an dritter Stelle für den Public Eye Award nominiert. In seinen Fabriken soll das reichste Unternehmen Südkoreas verbotene, hochgiftige Stoffe einsetzen, ohne seine Arbeiter zu informieren und zu schützen. 140 Arbeiter sind deswegen an Krebs erkrankt, mindestens 50 junge Arbeiter bereits daran gestorben. Trotz klarer Beweislage streitet der Konzern die Verantwortung ab und diskreditiert sogar öffentlich die Erkrankten und Verstorbenen mit ihren Angehörigen.

In Sachen Umweltverschmutzung, Gewerkschaftsunterdrückung, Bestechung und Steuerflucht habe das Unternehmen eine 50-jährige Tradition, sagen die Preisstifter. „Samsungs Macht in Südkorea ist so groß, dass viele Bürger von der Samsung-Republik reden.” Kein Wunder, sorgt Samsung mit fünf Milliarden Euro Steuern doch für acht Prozent der Staatseinnahmen. Samsung Electronics ist immerhin der größte TV-Hersteller und zweitgrößte Handy-Hersteller der Welt.

Welcher dieser Konzerne nun den öffentlichkeitswirksamen Public Eye Award erhält, entscheiden auch wir mit. Noch bis Übermorgen, 26. Januar, Mitternacht mitteleuropäischer Zeit, ist das Public-Eye-Award-Online-Voting möglich.

Ausgewählt wurden die sechs schlimmsten Konzerne übrigens aus einer Liste von 40 Kandidaten. Foxconn war tatsächlich schon 2011 unter den sechs Nominierten, den Preis erhielt aber Neste Oil aus Finnland für die Produktion von Biodiesel aus Palmöl.

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