Samsungs subversive Strategie: Medienschlacht 2.0

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Vergangene Woche machte Samsung von sich reden. Nicht mit neuen Smartphones oder schlauen Fernsehern — sondern mit einer Entschuldigung. Die schmutzige Social-Media-Kampagne gegen HTC war aufgeflogen. Hat Samsung im Netz auch gegen Apple gehetzt?

Samsungs subversive Strategie: Medienschlacht 2.0

Der Ausgangspunkt: Ein Verdacht

Philip Elmer-DeWitt schrieb einen Artikel über den Verdacht, den viele Apple-Investoren hegen. Sie befürchten, dass Samsung sich nach dem Milliarden-Urteil durch ein Gericht in Kalifornien auf einen Social-Media-Rachefeldzug begeben habe. Begleitend gab es die bekannten Werbespots, die Apple-User als Schafe und hirnlose Hipster portraitierten.

Händlern zahlte das Unternehmen Boni für jeden Apple-Kunden, den sie „umkrempeln“ konnten. Doch das war nur die Oberfläche. Für jeden sicht- und nachvollziehbar. Die Theorie: Samsung hat Studenten bezahlt, um im Internet, vor allem in sozialen Netzwerken und Blogs, anonyme Nachrichten zu hinterlassen. Sie sollten Samsungs Produkte preisen und dabei Angst, Unsicherheit und Zweifel über Apple und andere Konkurrenten sähen.

Das klingt ziemlich verwegen, paranoid sogar. Aber ist es noch Paranoia, wenn man wirklich verfolgt wird? Lassen wir einmal die weitergehenden Spekulationen außen vor, nach denen Samsung außerdem Druck auf die AAPL-Papiere ausgeübt haben soll. Das geht wohl tatsächlich ein wenig zu weit.

Was folgte: Der Shitstorm und mehr

Trotzdem — was übrig bleibt, ist verstörend genug, so es denn stimmt. Was zumindest auffällig ist, ist die Reaktion auf Elmer-DeWitts Artikel. Nicht nur erhielt er eine ungewöhnlich hohe Zahl an Kommentaren, teils sehr kritisch gegenüber Apple, dem Artikel oder dem Autor. Das ließe ich noch mit der Brisanz des Themas im Besonderen und dem üblicherweise diskussionsfreudigen Naturell des Samsung/Apple-Fanboys im Allgemeinen begründen.

Zu einer Zeit, als in Seoul, Korea morgens die Arbeit begann, wurden innerhalb kürzester Zeit mehr als tausend Kommentare bewertet — nach einem ganz bestimmten Muster. Anti-Apple-Beiträge, egal wie weit von der Wahrheit, egal wie stillos, bekamen einen „Daumen hoch“, Anti-Samsung-Meinungen einen „Daumen runter“.

Als Beispiel zitiert Elmer-DeWitt einen kurzen Dialog zwischen einem Kommentator und ihm selbst:

betheball11: „Philip Elmer-DeWitt how much apple stock do you own?“ (27 up votes)
Philip Elmer-DeWitt: „None. But thanks for asking.“ (22 down votes)

Nun ist ein Beitrag mit auffälligen Kommentaren und Bewertungen noch kein eindeutiger Beweis für subversive Netz-Hetzkampagnen durch Samsung gegen Apple. Er ist aber genau das — auffällig. Insbesondere, weil Samsung schon mal mit der Hand in der Keksdose erwischt wurde, so zu sagen. Eine Entschuldigung gegenüber HTC kam sicher nicht einfach über die Lippen.

Wäre Samsung wirklich dreist genug, sich umzudrehen und sofort auf die gleiche Tour weiter zu machen? Ein besonders abgewerteter Kommentar unter dem ersten Artikel von Elmer-DeWitt versucht sich an einer Erklärung.

„Bin ich persönlich der Meinung, dass Viele bei Samsung glauben, dass sie sich in einer Art „globaler Schlacht“ mit Apple befinden, um Korea Respekt zu verschaffen (…)? Absolut. Manchmal klingt es sogar nach einem „heiligen Krieg“, vor allem nach dem Urteil im vergangenen August.“

Nicht persönlich nehmen: Rachefeldzug einzelner Produktmanager?

Eine persönliche Vendetta will nicht so recht zu einem gigantischen Konzern wie Samsung passen. Gefühlskalte, rein geschäftlich motivierte Entscheidungen verbindet man eher mit einem Unternehmen dieses Renommees. Andererseits sind einzelne Abteilungen in einem dezentralen Konzern so unabhängig voneinander, dass PR-Schlachten sich gut und gerne ohne Wissen derer „weiter oben“ durchführen ließen.

Irgendein Produktmanager fühlt sich angegriffen, autorisiert eine kleine Hetzkampagne und verschafft seinem Ärger so Luft.

Wie dem auch sei — letztgültige Beweise gibt es nicht, und alle PR-Verantwortlichen, mit denen wir in der Vergangenheit Kontakt hatten, kamen uns nicht wie verbitterte Choleriker vor. Vielleicht haben sich auch einfach ein paar Koreaner zur Rettung der Ehre ihres Vaterlandes berufen gefühlt.

Falls nicht, sollte Samsungs Chef-Entschuldigungs-Schreiber lieber in nächster Zeit vorsichtshalber keinen Urlaub planen.

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