Schumachers Hasstirade: Noch ein frustrierter Abschied

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Alle Jahre wieder. Der Spiegel bekleckert sich, wie schon vor etwas über 12 Monaten, erneut mit Hajo Schumachers Erguss aus Pseudo-Wut, vor Ignoranz strotzenden Stammtisch-Phrasen und unreflektiertem Geifer. Und wie im letzten Jahr interessiert uns, was ihr davon haltet.

Schumachers Hasstirade: Noch ein frustrierter Abschied

Ich möchte zunächst Schumacher beglückwünschen. Der Spiegel-Kolumnist hat sich (wieder) eine hervorragend reißerische Überschrift einfallen lassen, unter der er seiner angeblichen Wut auf das totalitäre System Apple (wieder) Luft macht: „Abrechnung mit Apple – Das Nordkorea der Konsumwelt“. Handwerklich fragwürdig bis gelungen, inhaltlich leider (wieder) schwach.

Das Ergebnis: Mehrere Tausend Social-Media-Interaktionen, ein paar Dutzend Seiten Kommentare und zweifellos zufrieden stellende Klickzahlen. Das sei ihm und dem Spiegel gegönnt, keine Frage.

Die Überschrift zieht Klicks magnetisch an. Eine Alliteration, zwei Reizwörter. Wer sich noch an den Kommentar aus dem August 2011 erinnert, ahnt, was folgt. Oder glaubt an ein Déjà-Vu. Interessanterweise hat es Schumacher nämlich entgegen der vollmundigen Ankündigung doch nicht geschafft, sein iPhone gegen einen „Nokia-Knochen zu tauschen“.

Der Autor beklagt stattdessen weiterhin mangelnde Freiheit im Ökosystem iOS/OS X. Synchronisation mehrerer Geräte führe zu Adresssalat, Kundenservice lasse zu wünschen übrig und sowieso schadet es nie, ein paar politisch aufgeladene Reizphrasen in einen strukturell eher schwachen Text einzubauen.

Es lohnt sich nicht, Aufregung mit neuer Aufregung zu quittieren. Lieber mit Bedacht und in Ruhe statt in Rage, ganz sachlich. Also:

Zunächst das Zugeständnis. Niemand will oder sollte Apple oder irgendeinen anderen großen Elektronikhersteller bedingungslos in Schutz nehmen. Gesunde, fundierte Kritik ist nicht nur angebracht, sondern unabdingbar.

Es gibt diverse Bereiche, in denen alle, egal ob Apple, Samsung, Google oder Amazon, nachbessern müssen. Dazu gehören sicherlich die

Arbeitsbedingungen bei den jeweiligen Zulieferern. Dazu mögen auch Service am Kunden und Bedienungsfreundlichkeit sowie Offenheit der Systeme gehören.

Was man aber bei aller Sympathie für Meinungsartikel, in denen Apple so richtig einen reingewürgt bekommt, nicht einfach überlesen sollte, sind solch fürchterlich falsche und verachtend bösartige Wendungen wie „Mullah-mäßig“. So nämlich bezeichnet Schumacher jene Leser, die ihn nach seinem letzen Beitrag zu diesem Thema „der Gotteslästerung beschuldigt hätten“.

Um ihm kein Unrecht zu tun, muss ich zu seinen Gunsten annehmen, dass er die wahre Bedeutung des Wortes Mullah nicht kennt und daher diese Bezeichnung für muslimische Religionsgelehrte nur versehentlich abwertend gebrauchte. Anderenfalls müsste man ihm nämlich vorsätzliche Hetzrethorik unterstellen. Und das wollen wir schließlich nicht.

Nicht so einfach entschuldigen lässt sich dagegen der eine oder andere gewagte Vergleich mit dem totalitären Regime Nordkoreas. Man muss nicht sonderlich feinfühlig sein, um dabei erschreckt zusammenzuzucken. Zumal es um nichts weiter geht, als ein offenbar persönliches Problem mit der Synchronisation einer iTunes-Mediathek auf mehreren iOS-Geräten und Macs im Schumacherschen Haushalt.

Da will ihn der böse Diktator Cook nicht seine digitale Musik zwischen mehreren teuren Elektro-Spielzeugen synchroniseren lassen, weil er zu gehetzt und ungeduldig ist, sich auch nur eine Sekunde mit dem System zu beschäftigen? Ich bin sicher, die Herzen der tausenden hungernden, unterdrückten und vom Militärregime gepeinigten nordkoreanischen Bürgerinnen und Bürger bluten für dich, Hajo.

Auch der Vergleich zur Diskussion über Mohammed-Karikaturen oder die jüngste CDU-Presseaffaire lässt einen essentiellen Bestandteil vermissen — Vergleichbarkeit. Es geht hier nicht mehr um Äpfel und Birnen oder ein leichtes Hinken.

Einem dänischen Autor wurde es verwehrt, seine eBooks im iTunes Store zu verbreiten, da sie angeblich anstößiges Material enthielten — kurz: Nacktheit. Sicher ist das nicht sonderlich modern und mancher mag sich daran stören. Ja, sogar eine ergebnisoffene Diskussion über die Angemessenheit solcher Inhaltsregeln ist angebracht.

Diesen Vorgang aber mit den Worten „Apple sprengt die Pfeiler der Demokratie“ zu kommentieren, heißt, einem bereits lahmenden Vergleich zwischen Pferdeapfel und Glühbirne beide Beine abzuschlagen.

Doch es geht noch weiter. Wenig später werden („etwas melodramatischer“) Immanuel Kant und Martin Luther (immerhin nicht King) vorgeschoben, die von ihnen hart errungene Freiheit in Erinnerung zu rufen. Nicht einmal die katholische Organisation Opus Dei ist sicher vor Schumachers blinder Assoziationswut.

Irgendwann dann auch das obligatorische Versprechen, sich „jetzt von iTunes (zu) verabschieden“ — bis sich dann Ende 2013 das nächste

Klickmonster aus Schumachers Tastatur erbricht.

Insgesamt wirkt die unter dem Deckmantel des Kommentars veröffentlichte Schimpftirade eher wie die unausgegorene, unreife Reaktion eines kleinen Kindes, dem das Eis heruntergefallen ist. Keiner streitet ab, dass auch Apple nicht über alle Zweifel erhaben ist. Sich aber zu derart plumpem Populismus hinreißen zu lassen, der dann auch noch in einen so zäh durch den Raum mäandernden Artikel mündet, macht mehr enttäuscht als wütend.

Abstruse, aus der Luft gegriffene Vergleiche, zusammenhangloses Gejammer über unzuverlässige Dienste und neue Stecker — gepaart mit einem drohenden Unterton. Das ist nicht das Nordkorea der Konsumwelt, das ist einfach ein verdammt schlechter Text. Mensch, Hajo, hast Du das wirklich nötig?

Was meint ihr? Berechtigte Kritik an Apple oder nur das übliche Öl ins Fanboy-Feuer?

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