Sektierer, Nörgler und Auserwählte: Ein Blick in die Apple-Welt

Tizian Nemeth
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Einige sprechen von Sekten-ähnlichen Zuständen, andere bezeichnen es als großen familiären Zusammenhalt – Apple ist halt nicht jedermanns Sache. Den Erfolg jedoch, können auch die Kritiker nicht leugnen. Der wird einmal mehr auch vom American Customer Satisfaction Index – kurz ACSI – gestützt. In dem Index präsentiert die Universität von Michigan die Kundenzufriedenheit in 45 Kategorien.

Und einmal mehr ist Apple gekrönter König in der Kategorie der PC-Hersteller. Einmal mehr – bereits das siebte Jahr in Folge – sind die Kunden mit dem Computer-Hersteller Apple zufriedener als mit der Konkurrenz. Bei der handelt es sich vor allem um Hewlett-Packard, Dell und Acer – alle steigen zwar in der Gunst ihrer Kunden, bleiben aber dennoch nur Fußvolk.

Während sie im Schnitt 77 von 100 möglichen Punkten in den Umfragen erzielen, sind es bei Apple 86. Und damit nicht genug, ist dieses Ergebnis auch ein neuer persönlicher Bestwert für den Hersteller aus Cupertino.

“Einer der größten Pluspunkte Apples ist der Drang zur Innovation”, erklärt David VanAmburg, Manager von ACSI. Alle anderen würden sich zwar bemühen, doch alle Welt schaue auf Apple, wenn die Jahr für Jahr mit ihren neuen Produkten ankämen. Das VanAmburg mit seiner Beobachtung Recht hat, zeigt auch das Interesse der Medien. Da gibt es in der Süddeutschen Zeitung einen Bericht zur neuesten Parallels-Software für den Mac, N24 möchte gern mehr zum iPhone 4 erfahren und selbst RTL2 fragt sich, ob man mit einem Gadget aus China den iPod touch in ein iPhone verwandeln kann. Wären das vor fünf oder zehn Jahren Themen gewesen, die ein breiteres Publikum angesprochen hätten?

Was man bei dem ganzen Hype um den angebissenen Apfel aber vergisst: Im Bereich der Computer ist Apple aus Marktsicht kein Gigant. Denn was man nicht ohne weiteres aus dem ACS-Index ablesen kann, sind Daten zur Nutzerschaft. Um wen handelt es sich bei den Apple-Kunden und vor allem um wie viele? Betrachtet man sich die Nutzerzahlen, so ist das Bild einer kleinen und abgeschirmten Gemeinde nicht so verkehrt. Nur neun Prozent aller Computer-Nutzer in den USA haben sich für einen Mac entschieden, weltweit sind es gerade einmal fünf Prozent, wie Zahlen von Net Applications belegen. Innerhalb dieser vergleichsweise kleinen Gemeinde ist die Zufriedenheit mit dem Produkt aber deutlich höher. Zumindest, wenn es darum geht, seinen Mac mit anderen PCs zu vergleichen, dann sieht der Macianer die kleinen Schönheitsfehler der Apple-Hardware nicht mehr. Man mag schimpfen über fehlende Blu-ray-Laufwerke, über Bluetooth-Probleme und die mangelnden Erweiterungsmöglichkeiten der meisten Macs – aber im Vergleich mit einem Windows-PC von Dell, HP oder Acer geht nichts über den eigenen Mac.

Diese Treue zur eigenen Marke hat Apple wie viele Hersteller erst schaffen müssen – anders als bei Anderen, ist Apple dies aber mit mehr Erfolg geglückt. Was Apple für die Einen zur Sekte und für die Anderen zum Hort der Getreuen macht, ist nicht zuletzt das wirklichkeitsverzerrende Feld, das Apple aus einer brillanten Marketing-Strategie und einem charismatischen Anführer generiert. Mit Steve Jobs an der Spitze stürmt Apple von Erfolg zu Erfolg und weiß selbst aus der Niederlage noch einen Erfolg zu weben. Wer das nicht glaubt, sollte sich die Pressekonferenz zu den Empfangsproblemen des iPhones 4 ansehen. Selbst ausgebuffte PR-Experten wie Patrick Kerly, Stratege für Digitale Inhalte bei Levick Strategic Communications, vergeben Höchstnoten an Steve Jobs für die Leitung der PK. Und wer die Veranstaltung verfolgt hat, kann tatsächlich nur staunen, wie Jobs die Probleme eines seiner Produkte klein redet und dafür den Fokus auf die Schwachstellen der Konkurrenten lenkt.

Nun aber alles dem Apple-Chef zuzuschreiben, ist zu einfach. Die Faszination für die Macs entsteht zunehmend auch durch den sogenannten Halo-Effekt, auf den hinzuweisen Apple niemals müde wird. Dabei finden viele der Kunden Zugang zur Apple-Welt, indem sie sich zunächst einmal einen iPod, ein iPhone und neuerdings auch ein iPad zulegen. Von dort ist der Sprung zu einem Mac dann nicht mehr groß – allenfalls ein Quantensprung.

Nur eins bremst die Apple-Manie oft genug aus und wird auch gern vom großen Konkurrenten Microsoft als wichtigstes Argument angeführt: der Preis. Selbst der kleinste Mac – der Mac mini – macht allenfalls mit den Abmaßen seinem Namen alle Ehre, der Preis ist allerdings alles andere als “mini”. Einen Computer zu kaufen, der 809 Euro kostet und nicht einmal eine Tastatur und eine Mouse für den Preis mitbringt, kann eigentlich auch nicht ernst gemeint sein. Da nehmen sich die iMacs schon anders aus. Bei denen ist zumindest alles was man braucht dabei, sogar ein Monitor. Aber 1199 Euro sind verglichen mit Windows-PCs mit ähnlicher Ausstattung eben doch kein Schnäppchen. Und vom Mac Pro träumen sogar viele Macianer, ohne ihn sich wirklich jemals leisten zu wollen oder zu können. Lediglich bei den mobilen Macs sind die Preise für die meisten Anwender keine Diskussion wert – vergleichbare Rechner von Sony kosten schließlich genauso viel.

Aber egal wie sehr man gegen die Preisgestaltung der Macs auch wettern mag, letztendlich sorgen auch sie für dieses Gefühl, zu einem Kreis der Auserwählten zu gehören. Wer will schon Mitglied eines Clubs werden, dessen Eintrittsgebühr dafür sorgt, dass sich jeder in ihm tummeln kann?

Bild: The Pug Father, “Apple bling iPhone wallpaper”. Some rights reserved. Flickr.

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