Skeuomorphismus: Software-Design soll auch Apple-intern zu Streit führen

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Ein Aspekt, für den Apple viel Lob bekommt, ist das Design – zumindest das Hardware-Design. In Sachen Software gibt es immer mehr Kritik an dem Einsatz von “Skeuomorphismus”, beispielsweise in Form der “Leder”-Oberfläche in der Kalender-App. Selbst bei Apple selbst soll ein Designer-Streit entfacht sein.

Skeuomorphismus: Software-Design soll auch Apple-intern zu Streit führen

Skeuomorphismus: Altes Design in neuen Produkten

Skeuomorphismus” ist ein im Design-Jargon gebräuchlicher Begriff. Er beschreibt den Einsatz bestimmter Design-Elemente, die an ein bekanntes Produkt erinnern, die aber für das neue Produkt nicht mehr nötig wären – der Wikipedia-Eintrag benennt beispielsweise “Speichen” in Radkappen, Metallnieten als Jeans-Verzierung oder eben auch Apples App iCal, die OS X Mountain Lion mittlerweile durch die Kalender-App ersetzt hat.

Auch Letztere enthält aber entsprechende Design-Elemente: Sie soll aussehen wie ein Terminkalender-Buch mit Ledereinband, am oberen Rand sieht der Benutzer kleinere Papierfetzen einer abgerissenen Seite. Die Kontakte-App sieht wiederum aus wie ein Adressbuch, die Game-Center-App soll an einen Kasino-Tisch erinnern.

Zwei divergierende Auffassungen bei Apple

Eben das finden viele Beobachter aber nicht wirklich schön, und auch innerhalb Apples soll es Gegner dieser Design-Richtung geben, wie ein Artikel bei Fast Company Co.Design beschreibt. Der Autor zitiert einen früheren Apple-Benutzeroberflächen-Designer, der angeblich eng mit Steve Jobs zusammen arbeitete, mit deutlichen Worten: Das Ganze sei “visuelle Selbstbefriedigung”. “Das ist so, als wenn Designer ihre Muskeln anspannen um dir zu zeigen, wie gut sie ein visuelles Rendering eines physischen Objekts erstellen können. Wen interessiert das?”

Angeblich soll sich Apples iOS-Chef Scott Forstall besonders für Skeuomorphismus in Apples Software einsetzen, während Apples Industrie-Design-Chef Jonathan Ive überhaupt nichts davon halten soll. Dem Ex-Apple-Designer zufolge lasse sich so genau erkennen, wer für das Design eines Apple-Produkt verantwortlich war.

Steve Jobs als treibende Kraft

Dass Apple trotz des Widerstandes so gerne auf diese Design-Philosophie setzt, dürfte auch daran liegen, dass Steve Jobs diesen Kurs – so zumindest die Quellen des Artikels – vorangetrieben hat: Die Leder-Oberfläche in iCal sei seine Idee gewesen, sie sollte so wie die Innenverkleidung seines Gulfstream-Jets aussehen.

Bei der Game-Center-App soll er sich, so der frühere Apple-Designer, besonders dafür eingesetzt haben, dass jedes kleinste Detail wie in einem Kasino aussehen soll. Gerade diese App soll für viele Apple-Designer dann aber zu viel des Guten gewesen sein: “Intern waren viele Leute angesichts dieser Überladung schockiert. Viele denken, dass das zu weit geht.”

Windows 8 – das bessere Design?

Es stellt sich die Frage, welchen Sinn Skeuomorphismus in Software-Design hat. In den Kindertagen der grafischen Benutzeroberfläche sollten Ordner, der Papierkorb oder andere Icons den Benutzer mit den Funktionen eines Computers vertraut machen. Heute wissen die meisten aber, wie ein Computer funktioniert – dafür kennen sie die alten Produkte kaum noch.

Ein zitierter Designer nennt als Beispiel das Rotationskartei-Produkt Rolodex, dem Adressbuch-Software oft ähnelte. Ein weiteres ist der “Papierschredder” in Apples iOS-6-App Passbook.

Diese Design-Elemente halten viele nicht nur für unschön, sondern auch unpraktisch, da sie es verhinderten, dass sich die Benutzeroberfläche wirklich an neue Funktionen anpassen. Als positives Gegenbeispiel nennt der Artikel Microsofts nächstes Desktop-OS Windows 8: Das Unternehmen setze in einem viel geringeren Ausmaß auf Skeuomorphismus – zwar gebe es immer noch einen Briefumschlag als Icon für E-Mails oder eine Kamera für Fotos, diese seien aber sehr stilisiert und kein 3D-Rendering des physischen Objekts.

Als nächstes möchte die Website diesem Gegenbeispiel einen eigenen Artikel widmen – in dem Designer sich positiv über die Entwicklung bei Microsoft äußern wollen und auch “Apple-Insider” Lob für das Design von Windows 8 finden werden.

Tool schafft Abhilfe

Wem das Design in Lion und Mountain Lion tatsächlich nicht gefällt, findet mit den Tools Lion und Mountain Lion Tweaks Abhilfe: Diese geben den Apps iCal/Adressbuch beziehungsweise Kalender/Kontakte einen neutraleren Aluminium-Look, wie das ganz oben eingebundene Bild zeigt.

Weitere Themen: iPhone 3GS, iPad Air, Fingerabdruckscanner, iPad maxi, iPod Touch 4, Apple TV 2, iPhone 3G(S), iPod Touch 3G, iTunes Karte, Apple


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