(Un)berechenbar: Apple und das Rhythmus-Problem

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Betrachtet man die Reihe der iPhone-Modelle, in der jedes Jahr auf ein größeres Update ein kleineres S-Upgrade folgt, merkt man, wie berechenbar Apple geworden ist. Die Konkurrenz hat’s begriffen und reagiert mit antizyklischen Produktvorstellungen. Muss Apple seine Routine durchbrechen, um weiter vorne mitzuspielen?

(Un)berechenbar: Apple und das Rhythmus-Problem

Apples Produktzyklen: Ein offenes Geheimnis

Inzwischen wissen alle, und zwar wirklich alle, dass Apple jedes Jahr zwischen Juli und September ein neues Smartphone präsentiert. Dabei wechseln sich größere Upgrades mit den „S“-Varianten ab. HTC, Samsung und BlackBerry haben das aufgeschnappt und beginnen, ihre Top-Geräte im Frühjahr zu veröffentlichen. Das HTC One, das Samsung Galaxy S4 und das BlackBerry Z10 — sie alle wollen dem massiven Schatten eines neuen Apple-Smartphone entfliehen.

Eine gewisse Regelmäßigkeit verschafft Apple enorme Vorteile. Produktionskosten für sehr ähnliche Bauteile sinken mit steigenden Volumina, das heißt, das Gehäuse eines iPhone 4S ist bereits günstiger als das eines iPhone 4. Kleinere Verbesserungen an Hardwarekomponenten und Software machen das S-Upgrade zu einem guten Deal für den Hersteller.

Auch für den Anwender ist das von Vorteil – er bekommt bessere Technik zum gleichen oder sogar zu einem niedrigeren Preis, auch wenn vielleicht nicht alle Kunden jedes Jahr ein neues Gerät kaufen werden.

Routine macht berechenbar

Gleichzeitig ist diese gleichmäßige Wellenbewegung aber auch ein Problem, wie Rene Ritchie von iMore anmerkt. Wenn alle wissen, dass es jedes Jahr in einem Rahmen von maximal drei Monaten irgendwann im Herbst neue Apple-Hardware gibt, positionieren sich die Konkurrenten mit ihren neuen Produkten eben genau gegenläufig. Im Januar, Februar und März müssen sie die Aufmerksamkeit der Medien und der Konsumenten nicht teilen.

Außerdem merken auch die Kunden, wann es sich lohnt, zuzuschlagen und wann nicht. Lange sind es nicht mehr nur Geeks und Tech-Blog-Leser, die den spürbaren Rückgang der Verkaufszahlen im Spätsommer verursachen. „Ottonormaluser“ hat längst Wind von der Taktik bekommen.

Hinzu kommen die Einschränkungen, welche das kleine Update auf iPhone 3GS, 4S und möglicherweise iPhone 5S mit sich bringen. Die Möglichkeiten zur Verbesserung sind stark eingeschränkt, will man die Vorteile der immer günstigeren Massenfertigung wie beschrieben nutzen. Neues Display? NFC? Kabellose Akkuladung per Induktion? Fingerabdruck-Sensor im Home-Button?

All das würde größere Umbauten am gesamten Gerät erfordern und die Früchte der Strategie völlig zunichte machen. Was können wir also beim iPhone 5S erwarten: Höchstens einen LTE-Chip mit umfassenderem Frequenzband, schnellere CPU und eine bessere Kamera. Hinzu kommen natürlich mögliche Zusatzfunktionen der Software. Alles Grund genug für diejenigen Kritiker, die schon den Schritt vom iPhone 4S zum iPhone 5 für „langweilig“ hielten, erneut in dieselbe Kerbe zu schlagen.

Die Lösung: Mehr Routine oder neue Überraschungen?

So, was heißt das jetzt für Apple — werden sie stur ihrer inneren Uhr gehorchen und Jahr für Jahr, Herbst für Herbst immer abwechselnd ein iPhone XS auf ein iPhone X folgen lassen? Vielleicht würde das funktionieren. Schließlich schlägt das iPhone bisher noch mit jedem Verkaufsstart aufs Neue alle Rekorde. Sowohl die eigenen als auch die der Konkurrenz. Vielleicht verblasst der Reiz des iPhone aber auch irgendwann hinter immer attraktiveren Geräten von Samsung, HTC und Co.

Doch das muss nicht die Lösung sein. Wie wir beim iPad gesehen haben, kann Tim Cook auch anders. Wer mitgezählt hat: 2012 gab es insgesamt drei neue iPad-Modelle. In einem Jahr. Drei Stück. Jetzt kursieren zahlreiche Gerüchte zu einer Uhr, genannt iWatch, die Apple angeblich noch in diesem Jahr vorstellen soll. Es ist also noch lange nicht alles in Stein gemeißelt.

Mit überraschenden Manövern und unkonventionellen Produkten hat Apple es auch in der Vergangenheit schon geschafft, ganze Branchen auf den Kopf zu stellen. Wer sagt, dass das nicht ein weiteres Mal geschehen kann…

Was glaubt ihr — läuft Apple Gefahr, für die Konkurrenz zu berechenbar zu werden?

(Bild: classic 3d newton cradle via Shutterstock)

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Weitere Themen: iPhone 5s, iPhone 3GS, iPad Air, Fingerabdruckscanner, iPad maxi, iPod Touch 4, Apple TV 2, iPhone 3G(S), iPod Touch 3G, Apple


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