Universalladegerät: Apple deutet halbherzige Umsetzung an

Sebastian Trepesch
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In Brüssel wird heute das erste Universalladegerät für Mobiltelefone vorgestellt. Es ist ein Produkt, das das Chaos der X-verschiedenen Netzstecker in den Haushalten verringern und den Umweltschutz unterstützen soll. Die Hersteller verpflichteten sich 2009 auf einen einheitlichen Standard, um gesetzliche Regelungen zu vermeiden. Apple scheint die Initiative allerdings nur halbherzig umsetzen zu wollen.

Wochenendbesuch bei der Verwandschaft, und der iPhone-Akku ist dank energiehungriger Navigations- und Spiele-Apps noch am Freitag Abend leer. Wer jetzt seine sieben Sachen zum Laden des Smartphones vergessen hat, hat Pech gehabt.

In Zukunft wird sich das wohl nicht ändern, trotz Universalladeanschluss. Denn Apple deutet an, den Anschluss nicht in das Telefon zu integrieren, sondern lediglich einen Adapter anzubieten: “Wie in der Vergangenheit erklärt haben wir uns auf den Apple Dock Connector festgelegt”, so Apple gegenüber macnews.de, “und diese Initiative erfordert es nicht, das zu ändern.” Der Elektronikkonzern will offensichtlich eine Lücke in der Vereinbarung nutzen: “Das Memorandum gibt Herstellern die Option, einen Adapter anzubieten, der den Anschluss an das Universalladegerät ermöglicht”, so Apple.

Einerseits lässt Apple die Besitzer von iPhone, iPod oder iPad durchatmen: Eine ganze Peripherie-Industrie

* baut auf den Apple-etablierten Dock-Anschluss auf, angefangen vom Zusatzakku bis hin zum Steckplatz in der 500-Euro-Stereoanlage. Die Produkte wollen natürlich weiterhin verwendet werden.

Andererseits umgeht Apple (teilweise) den Sinn des Standards, um die Zahl der Anschlüsse zu vereinheitlichen und die Zahl spezieller Anschlussteile zu verringern. Und so braucht der Besitzer eines iPhones auch weiterhin sein spezielles Kabel im Gepäck. War es bislang ein Dock-Connector-auf-USB-Kabel*, wird es zukünftig weiterhin dieses Kabel oder ein Dock-Connector-auf-Universalladegerät-Adapter sein.

Apple vermeidet also geschickt einen Komfortgewinn für seine Kunden. Denn auch in iPhone-Haushalten sind Handy anderer Hersteller und zahlreiche weitere elektronische Geräte zu finden. Übernehmen Enwickler von Routern, mp3-Playern oder Kameras für den Stromanschluss den Telefonstandard, wird der Dock-Anschluss noch mehr zum Exoten, als er jetzt schon ist.

Oben zitierter  Aussage zufolge scheint Apple also keinen zusätzlichen Anschluss an iPhone, iPod und iPad zu planen, wie es Patente und Gerüchte in der Vergangenheit andeuteten.

Alle zukünftigen Handys sollen über das universale Ladegerät betankt werden können. „Vom einheitlichen Standard für Handy-Ladegeräte profitieren Verbraucher und Umwelt“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer: weniger Stecker im Haushalt, weniger Elektroschrott und weniger Materialeinsatz. Der neue Stecker könne 51.000 Tonnen doppelter Ladegeräte vermeiden, erklärt die Branchenvereinigung GSM World. Zudem sei der Energieverbrauch im Standby um bis zu 50 Prozent reduziert worden.

An dem Projekt um den einheitlichen Stecker auf Basis von Micro-USB beteiligten sich die meisten Hersteller von Mobiltelefonen und Mobilfunkanbietern, wie zum Beispiel HTC, Samsung, Nokia, LG, Sony Ericsson, Telekom oder Vodafone, Apple jedoch nicht. Bis 2012 sollen alle neuen Handys mit der Schnittstelle ausgestattet sein. Die Entwicklung des Steckers war nicht einfach. Mobiltelefon- und Chiphersteller mussten einige technische Hürden überwinden, da die Akkus in der Vergangenheit sehr unterschiedlich waren.

GSM World stellt das Projekt “Universal Charging Solution” in einem Video vor.

Grafiken: GSM World

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