VDZ: Zu Apples Plattform gibt es keine Alternative

Sebastian Trepesch
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Mehr und mehr Zeitungen und Magazine erscheinen als App für das iPad. Trotzdem, die Verleger stoßen sich an Apples Vorschriften für die Veröffentlichungen auf dem Tablet Computer. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) Wolfgang Fürstner erklärt im macnews.de-Interview die Forderungen der Verlage. Er kommt einerseits zu dem Schluss, dass das Abo-Modell von Apple dank der Einschränkungen nichts wert sei, andererseits, dass es noch keine vergleichbare Alternative gebe.

macnews.de: Provisionsfrei Abonnements verkaufen, Print- und App-Ausgaben kombinieren, Zugriff auf die Kundendaten – Haben die Verleger mit den neuen Abo-Regeln nicht alles bekommen, was sie von Apple forderten?
Fürstner: Das, was Sie aufführen, sieht das neue Geschäftsmodell von Apple entweder gar nicht oder nur unter Einschränkungen vor. So ist zum Beispiel die Kombination von Print- und App-Ausgabe nicht mehr möglich, sollte Apple dabei bleiben, dass der Verlags-Verkaufspreis von Apps genau des Apple Vertriebs über iTunes entsprechen muss. Dann sind sogenannte „bundles“, ein kombiniertes Print- und Digital-Angebot, nicht mehr möglich.
Anerkannt haben wir, dass die Möglichkeit für Verlage, Apps direkt anzubieten, grundsätzlich positiv ist. Allerdings beinhaltet dieses neue Modell so viele Einschränkungen, die die Wahlfreiheit der Kunden und das App-Geschäft für die Verlage deutlich beeinträchtigen, dass es wenig wert ist.

macnews.de: Wofür benötigen die Verlage die Kundendaten?
Fürstner: Die Verbindung zum Leser vom Verlag ist eine der wichtigsten Information für Verlage überhaupt, für die Produktentwicklung, für das Vertriebs- und das Anzeigengeschäft.

macnews.de: BDZV und VDZ fordern in ihrer Meldung “Gleichberechtigung”. Was ist darunter zu verstehen?
Fürstner: Inhaltehersteller auf der einen Seite und Inhalteverbreiter auf der anderen Seite ergänzen sich, sie sind aufeinander und auf einen fairen Umgang miteinander angewiesen. Dies gilt im klassischen Zeitschriftengeschäft zwischen Grosso und Verlagen seit Jahrzehnten und hat alle Partner erfolgreich gemacht. Nun sind globale Player wie Google Apple und Facebook aufgrund ihrer Größe und Dynamik immer in der Gefahr, marktwirtschaftlichen nahezu auszuschließen. Und genau diese Erfahrungen machen wir immer wieder. Wir fordern deshalb im Sinne der Verlage, aber auch der Verbraucher fairen Wettbewerb, volle Wahlfreiheit und Gleichberechtigung. Wichtig ist für uns die freie Entscheidung der Verleger über die Ausgestaltung der Angebote auch innerhalb von Apps und die Unterbreitung von Angeboten in den von Verlagen programmierten Apps, die der Verlag direkt an die Kunden richtet.

macnews.de: Apple stellt mit dem iPad eine Plattform mit großem Potential, die Verlage sparen sich bei Apps Druck und Vertrieb. Warum sind die 30 Prozent “Provision” für Apple nicht gerechtfertigt?
Fürstner: Es geht um 30 Prozent vom Umsatz und nicht vom Gewinn. Viele Verlage sind noch in der Findungs- und Experimentierphase beim Pricing von Apps, die Margen sind oft nicht so hoch, damit die Verlage erst einmal auf den Markt kommen können. Schließlich gehört zum Wettbewerb auch, dass Preise ausgehandelt und nicht „gefunden“ bzw. diktiert werden.

macnews.de: Kümmert es Apple, was der VDZ fordert?
Fürstner: Man hatte bisweilen den Eindruck, dass Apple unbeeindruckt von Vorstellungen der Marktpartner agiert, dass selbst der Wunsch nach Kontakt und Gespräch verhallt. Im aktuellen Fall ist dies schon anders. Das konzertierte Vorgehen aller Verlage, koordiniert durch die Verbände auch über Deutschland hinaus, scheint Apple zu sensibilisieren. Die Klarstellung von Steve Jobs in der vergangenen Woche ist immerhin ein – wenn auch nicht befriedigendes – Zeichen. Wir werden daher versuchen, alle Kräfte, über die wir verfügen, zu bündeln, um unsere Interessen durchzusetzen. Wenn wir keinen fairen Interessenausgleich erzielen, müssen alle politischen und rechtlichen Möglichkeiten genutzt werden.

macnews.de: Sind die Verleger auf Apple angewiesen? Wie wird der VDZ gegenüber Apple weiter vorgehen?
Fürstner: Apple hat eine sehr attraktive Plattform, die ein Schlüssel für das ePublishing-Geschäft der Verlage  ist und zu der es noch keine vergleichbare Alternative gibt. Der Vorsprung wird die durch aufgewachten Wettbewerber Apples schmelzen und damit auch die heutige Monopolposition des Konzerns auf diesem Gebiet. Nun investieren aber gerade jetzt die Verlage in neue ePublishing-Modelle und werden nachvollziehbar verunsichert, wenn die Spielräume für diese erheblich eingeschränkt werden.

macnews.de: Zeigt sich Google als besserer Partner?
Fürstner: Es geht um unterschiedliche Sachverhalte. Bei Google haben wir Schwierigkeit mit der Nichtbeachtung der Prinzipien von Fair Search und Fair Trade, bei Apple eine Änderung der Geschäftsbedingungen zu Lasten der Verlage. Was wir festhalten können, ist, dass bei Google mit der Einführung von Onepass die Bedeutung von redaktionellem Inhalt ausdrücklich anerkannt wurde und dieser stärker gepflegt werden soll.

macnews.de: Warum entwickeln Verlage nicht Alternativen für das iPad, wie zum Beispiel Web-Apps?
Fürstner: Das tun sie, und zahlreiche Verlage haben Web-Apps wie zum Beispiel Die Zeit. Aber bei den Neuentwicklungen der Apps blühen viele bunte Blumen, die Verlage experimentieren und kommen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Und zu einem Großteil der Apps passt das iPad am besten.

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger e.V. ist die Interessenvertretung der deutschen Zeitschriftenbranche. Als Dachverband repräsentieren seine 400 Mitgliedsverlage mit mehr als 3.000 Zeitschriften rund 90 Prozent des deutschen Zeitschriftenmarktes. Wolfgang Fürstner ist seit 1997 Geschäftsführer des VDZ und wurde vor fünf Jahren auch ins Präsidium gewählt.

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