Von gehackten Apps, abgeworbenen Entwicklern und kleinen Tablets

Holger Eilhard
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Wie schon in den vergangenen Wochen gab es auch in den letzten 7 Tagen die üblichen Gerüchte rund um iPad mini und iPhone 5. Doch auch die gehackten In-App-Käufe sorgten bei Entwicklern weiterhin für Kopfschmerzen. Andere Programmierer haben hingegen ganz andere Gedanken und bereiten sich auf ihren baldigen Umzug ins Silicon Valley vor. Außerdem: Das Nexus 7 ist da!

In-App-Hacks – OS X jetzt ebenfalls betroffen

Was am Freitag vor einer Woche mit einem Hack für iOS-Anwendungen beziehungsweise deren In-App-Käufe begann, zog in den letzten Tagen etwas größere Kreise. Nachdem Apple versuchte, mit diversen Schritten gegen den Hacker Alexei Borodin vorzugehen, kündigte das Unternehmen aus Cupertino auch Verbesserungen für iOS an. So gab man Entwicklern eine neue Anleitung an die Hand, wie sie ihren Lebensunterhalt sichern können.

Mit iOS 6 soll das Problem angeblich der Vergangenheit angehören. Währenddessen hat der Hacker aber auch die In-App-Käufe von OS X ins Visier genommen und treibt jetzt auch dort sein Unwesen.

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Entwickler im Ausverkauf

Am Freitag gab es gleich zwei große News für die Besitzer der Apps der Sparrow- und Acrylic-Entwickler. Die Macher der Anwendungen werden in Zukunft bei Google respektive Facebook unterkommen und sich neuer Tätigkeiten erfreuen.

Diese Übernahmen haben mal wieder die Diskussion ausgelöst, ob es für Entwickler “moralisch vertretbar” ist, sich für das große Geld zu entscheiden, anstatt die eigenen Apps weiterhin zu verbessern und den zahlenden Kunden einen Gegenwert für ihr Geld zu geben.

Tatsache ist, dass (aktuell) sowohl Sparrow für Mac und iOS, als auch die beiden Apps von Acrylic, und , weiterhin zum Kauf stehen und auch weiterhin genutzt werden können. Was in Zukunft mit den Apps geschehen wird, wissen nur die Entwickler selbst.

Im Falle von Sparrow sollen auch in Zukunft Bugfixes und Sicherheitsupdates erscheinen. Pulp und Wallet sind nicht Teil des Facebook-Deals. Hier besteht also noch die theoretische Hoffnung, dass die Apps von anderen Entwicklern weiterentwickelt und supported werden.

Die Entscheidung für oder gegen eine Übernahme muss jeder Entwickler für sich entscheiden. Es kann gute Gründe für und gegen eine solche Entscheidung geben. Entsprechend zwiegespalten ist auch die Blogosphäre zu dem Thema. Am Ende geht es häufig darum, dass die Entwickler von ihrer Arbeit leben können müssen. Hier einige Meinungen zum Thema:

Marco Arment – Talent acquisitions:

If you want to keep the software and services around that you enjoy, do what you can to make their businesses successful enough that it's more attractive to keep running them than to be hired by a big tech company.

Teil 2 – More on Sparrow and talent acquisitions:

It's frustrating when a product or service you like goes out of business, and that's effectively what happened here. Sparrow tried to succeed in an extremely difficult market, and apparently failed. Their customers supported their efforts up to this point, but there probably weren't enough customers for them to refuse Google's offer.

Matt Gemmell – Entitlement and Acquisition:

Sparrow's acquisition is a success story. Indie devs make a great product, build a customer-base, and are rewarded with a buy-out from a big company and they get new jobs with that company. It might not be what your particular goal or end-game is, but it is a success. I'm really happy for them.

Selling out isn't a dirty choice. It doesn't matter what the deal's details are, or the amount of money, or who you're selling to. It's fine. It's business. If you want to take the money, take the money. It doesn't make you a bad person.

James Montgomerie – Sparrow, Promise, and Feelings of Betrayal:

The constant, free, updates associated with online software sales in general, and Apple's App Store specifically, have led us to expect bug fixes and new features in a way that we did not before. We now expect them even if they're not explicitly promised. As a developer, I understand that I should, really, have no right to feel this way, so I can suppress my annoyance. I can only imagine how someone who doesn't think this way and bought Sparrow explicitly to ‘support' further development feels.

Rian van der Merwe – The real reason we're upset about Sparrow's acquisition:

I paid full price for every version of the Sparrow app I could find. I told everyone who would listen to buy it. I couldn't have given them more money even if I wanted to. So, as a customer, what more could I have done to keep them running independently?

This is the core of the disappointment that many of us feel with the Sparrow acquisition. It's not about the $15 or less we spent on the apps. It's not about the team's well-deserved payout. It's about the loss of faith in a philosophy that we thought was a sustainable way to ensure a healthy future for independent software development, where most innovation happens.

Matthew Panzarino wagt einen Blick auf die Gründe, warum sich das Sparrow-Team für die Übernahme durch Google entschieden haben könnte.

Sparrow was never a project whose goal was to build a user base then sell out, period. That's just the way it happened.

As a user of the app that enjoys it very much, I can completely understand the dismay at Google's acquisition of the team. But, as a person who has started two companies of my own and who has made a sincere effort to make them sustainable, I understand the challenges therein, and I wish the team all the best in the future, and so should you.

Derartige News wird es auch in Zukunft immer wieder geben. Wie schon am Freitag erwähnt, sollte man sich als Nutzer, speziell wenn es sich um Web-Anwendungen handelt, immer darüber im Klaren sein, dass die Dienste und Apps möglicherweise innerhalb kürzester Zeit verschwinden können.

iPad mini, Gerüchte und Gerichtsentscheidungen

Neben Software-News spielte natürlich auch die Hardware in der vergangenen Woche eine Rolle. Speziell das angeblich bald erscheinende iPad mini und neue iPhone stoßen weiterhin bei unseren Lesern auf großes Interesse.

So meldete nun auch die New York Times am Montag, dass man mit einem kleinen iPad rechnen könne. Beim neuen iPhone verstärkten sich hingegen die Hinweise, dass Apple SIM-Karten im neuen Nano-Format einsetzen werde. Dass es dank neuer Display-Technik dünner werden könnte, will man nun auch beim Wall Street Journal gehört haben. Erste Gerüchte diesbezüglich gab es schon vor einigen Monaten.

Bei der Entscheidung des britischen Richters Colin Birss handelt es sich hingegen ganz und gar nicht um ein Gerücht. Dieser hatte Apple dazu verdonnert, dass Apple auf der UK-Website und in einer Reihe von britischen Zeitungen darauf aufmerksam machen muss, dass Samsung nicht beim iPad abgekupfert hat. Apple hat natürlich direkt Berufung eingelegt.

Kurzer Blick aufs Nexus 7

Apropos Tablets: Ich bin seit der vergangenen Woche auch im Besitz eines Google Nexus 7. Das Auspacken war im Vergleich zur Version, die auf der Google I/O verteilt wurde und ebenfalls unboxen durfte, deutlich einfacher, als ein in der vergangenen Woche zusammengestelltes Video nahelegen wollte.

Ein kurzes Résumé: Der 7″-Formfaktor ist nicht schlecht, speziell für diejenigen, denen das iPad schlicht und einfach zu groß ist. Die Umstellug auf 16:9 ist gewöhnungsbedürftig, wenn man vom iPad kommt, erleichtert jedoch das Halten des Nexus 7 im Portrait-Modus mit einer Hand. Apple könnte also mit einem 7,85-Zoll-iPad im altbekannten 4:3-Format einen guten Kompromiss gefunden haben.

Android 4.1 ist definitiv schneller als frühere Versionen von Googles Betriebssystem. Leider lässt die App-Wahl aber immer noch zu wünschen übrig. So gibt es zwar diverse Twitter-Apps, von denen aber die Interessanten entweder nicht mit dem Tablet-Format kompatibel sind oder optisch aus den 90er-Jahren stammen könnten. Abhilfe könnte in naher Zukunft Carbon schaffen.

Die Situatuion bedeutet also bis auf Weiteres: Zurückgreifen auf die offizielle Twitter-App, die aussieht wie die iPhone-App, nur eben auf einem größeren Display. Eine Anpassung an die Gegebenheiten von Android 4.x und dem Holo-Style findet man weder in der Twitter-App, noch in vielen anderen Anwendungen.

Googles eigene Apps sind weiterhin für mich persönlich der Hauptgrund, zum Nexus 7 zu greifen. Browsen mit Chrome funktioniert schnell und problemlos, die Synchronisation mit anderen Geräten funktioniert tadellos und macht das Arbeiten einfacher. Das Abarbeiten von Mails ist mit der Google-Mail-App – mit Ausnahme der Darstellung von HTML-Mails – schnell erledigt.

Wer sich in unbekannten Gegenden befindet, wird sich an der hauseigenen Maps-App erfreuen, die deutlich besser ist als Apples eigene Karten-Anwendung. So kann man beim Navigieren durch die Straßenschluchten jederzeit einen interessanten Punkt, egal ob Restaurant, Hotel, Aussichtspunkt oder Bushaltestelle, “anklicken” und erhält direkt die dazugehörigen Informationen. Dies ist auf iOS auch möglich, wenn man die mobile Website von Google Maps auf dem iOS-Gerät nutzt, welche aber natürlich nicht so schnell ist wie eine native App.

Der Datentransfer, etwa für Videos, zwischen Tablet und Mac ist allerdings ein Graus. Die benötigte OS-X-Anwendung namens Android Filetransfer ist abstürzfreudig, funktioniert nur, wenn der Wind richtig steht und lässt selbst iTunes unter Windows gut aussehen. Wenn irgendwie möglich sollte man auf eine kabellose Datenübertragung oder Cloud-Lösung, etwa Play Music für rein akustische Unterhaltung, nutzen.

Mehr zum Nexus 7 und Android 4.1 aus Sicht eines Mac- und iOS-Nutzers, der aber auch schon mit einem Nexus S gekämpft hat, gibt’s vielleicht später in einer etwas ausführlicheren Zusammenfassung.

Wenn es also konkrete Fragen zum Nexus 7 gibt, immer her damit! Entweder in den Kommentaren oder per Mail.

Für diejenigen, die nicht schon tief in das iOS-System investiert haben, etwa in Form von Apps, iTunes-Videos, etc., und ein einfaches und vor allem günstiges Tablet zum Surfen, Mailen und zur portablen Unterhaltung suchen, könnte das Nexus 7 durchaus interessant sein, sobald es in Deutschland angeboten wird. Je nachdem wann dies geschieht, könnte es aber auch eine gute Idee sein bis zum Herbst zu warten, um sich von Apple eventuell mit einem iPad mini überraschen zu lassen.

(Bilder: Holger Eilhard)

Weitere Themen: iOS, iOS 6, Mac OS X 10.8 Mountain Lion , Sparrow für iPhone , Sparrow für Mac, Nexus 7 (2012), Apple iPad mini , Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog, Apple Special Event Oktober 2014, Apple