Von Gerichtsprozessen, Werbespots und Olympia-Fail im Westen

Holger Eilhard


Die vergangene Woche im Mac- und iOS-Universum war vor allem von dem Beginn des Gerichtsverfahrens zwischen Apple und Samsung geprägt. Daneben gab es nur vergleichsweise kleine Neuigkeiten. Unter anderem die Diskussion über Apples neue Werbespots, sowie erneut aufgetauchte Bilder des vermeintlich neuen iPhone.

Gerichtsprozess: Apple v. Samsung

Ich sollte besser auch “Samsung v. Apple” schreiben, sonst wird von den Herren aus Südkorea möglicherweise noch Einspruch erhoben:

Diese und viele andere große und kleine Details wurden in der vergangenen Woche im kalifornischen San Jose Gericht debattiert. Die Aussagen von Phil Schiller und Scott Forstall hat Kollege Florian bereits ausführlich zusammengefasst. Auch zu den Hintergründen der ganzen Angelegenheit und inklusive eines Blickes in die Vergangenheit wurde bei uns bereits zur Genüge berichtet.

Richtern Lucy Koh ist mit beiden Seiten nicht wirklich zufrieden, hatte sie den beteiligten Parteien doch nahegelegt sich bitte außergerichtlich zu einigen.

Speziell die Anwälte des Unternehmens aus Südkorea treten von einem Fettnäpfchen ins Nächste. Erst veröffentlicht man eine im Prozess nicht erlaubte Präsentation, indem man sie an die Presse verteilt, nur um wenig später erneut die Regeln der Gerichts zu brechen und unerlaubterweise unter anderem einige Zeugen in den Gerichtssaal zu lassen.

Spätestens nach dem ersten Fauxpas sollte man annehmen können, dass man etwas mehr Vorsicht herrschen lässt. Die kommenden Wochen dürften also weiterhin interessant bleiben, auch wenn man sich über den Sinn und Unsinn des Prozesses durchaus streiten kann.

Nicht zuletzt sind durch das Verfahren schon jetzt diverse interessante Details über die internen Prozeduren bei Apple an die Öffentlichkeit gelangt. Dazu gehören nicht zuletzt die vielen bisher unbekannten Bilder von iPhone- und iPad-Prototypen, die Apple über die vergangenen Jahre gebaut und getestet hat.

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Neue iPhone Bilder

Apropos Bilder: Neben alten Bildern von iPhone und iPad, gab es in der vergangenen Woche auch neue Fotos und Videos des vermeintlich neuen iPhone. Wirklich neues gab es nicht zu sehen. Wie schon frühere Gerüchte und geleakte Bilder, zeigen die neuen Fotos ein Smartphone mit größerem Display in einem veränderten Äußeren.

Auch der neue Dock-Connector, für den es vermutlich einen Adapter (nicht den aus diesem gefälschten Video) geben wird, um auch altes Zubehör nutzen zu können, ist wieder einmal zu erkennen.

Diskussion um Genius-Werbung

Im US-Fernsehen (und auf Apples Website) laufen seit der vergangenen Woche eine Reihe von neuen Werbespots, die Apples Genius hervorheben wollen. Diese Spots haben in der Applewelt für einigen Diskussionsstoff gesorgt.

Ken Segall, einer von Apples bekanntesten Werbeexperten war in der vergangenen Woche im Silicon Valley unterwegs und wir hatten die Chance ihm einige kurze Fragen zu stellen. Segall hatte bereits zuvor in seinem Blog seine Meinung zu der neuen Werbung kundgetan.

Die Zielgruppe der Spots sind nicht die bereits existierenden Apple-Kunden, sondern Personen, die etwa mit ihrem aktuellen PCs unzufrieden sind und nicht wissen, an wen sie sich bei Problemen oder Fragen wenden sollen. Der Haken an den Spots ist aber, dass aus ihnen nicht hervorgeht, wer denn dieser ominöse Mann im blauen Shirt mit dem Namen “Genius” ist und wo man diesen überhaupt findet.

Der Apple Store ist einer der vielen Vorteile, den Apple im Gegensatz zu anderen Herstellern hat, und so geht die Werbeabteilung in Cupertino anscheinend davon aus, dass viele US-Bürger (die Werbung läuft schließlich im US-Fernsehen) bereits einmal in einem der Stores waren und die Damen und Herren in ihren blauen Shirts wieder erkennen.

Und sonst…

Abseits von iPhone, iPad und Co. ist natürlich auch Olympia ein heißes Thema hier in den USA. Wenn man sich Twitter (#nbcfail) und andere Soziale Netze ansieht, ist dies aber weniger aufgrund der sportlichen Leistungen der Athleten der Fall, sondern vielmehr aufgrund der Unfähigkeit des hiesigen Fernsehsenders NBC, der die exklusiven Rechte an der Übertragung hat.

Es begann bereits mit der Eröffnungsfeier, die hierzulande nicht live ausgestrahlt wurde, was vor allem im Internet-Zeitalter für herbe Kritik an NBC sorgte. Die US-Zuschauer mussten – sofern sie nicht auf VPNs oder dergleichen zurückgriffen – bis zum Abend auf ihre Präsentation der Eröffnung warten.

Doch auch die Ausstrahlung zur Primetime einige Stunden nach der eigentlichen Veranstaltung sorgte für weitere Kritik. Zum einen bewiesen die Kommentatoren ihr Unwissen, als Meredith Vieira während der Ehrung von Tim Berners-Lee das Geschehen mit folgenden Worten kommentierte:
“Tim being Englishman Tim Berners-Lee. If you haven’t heard of him, we haven’t either.”

Damit nicht genug: So entschloss sich der US-Sender dazu, die Erinnerung an die 52 Opfer der Terroranschläge in London im Jahr 2005 aus der Eröffnungsfeier zu schneiden und stattdessen ein vorher aufgezeichnetes Interview mit dem US-Schwimmer Michael Phelps zu senden. Die offizielle Begründung von NBC: “Unser Programm ist für das US-Fernsehpublikum zugeschnitten”.

Auch nach der Eröffnungsfeier hält der Sender weiterhin daran fest, sich beim Olympia-Programm im Fernsehen auf die Primetime zu konzentrieren. Das führt unter anderem dazu, dass Werbespots – unmittelbar vor den zeitversetzten Events – den Zuschauern verraten, wer gewonnen hat. So vergrault man sich dann auch die letzten Zuschauer, die stundenlang gewartet haben, um bei der Erstausstrahlung der Events im Fernsehen am Abend mitzufiebern.

Möglicherweise sollte den Programmchefs, Managern und sonstigen Entscheidern bei NBC mal jemand erklären was das Internet ist – da kann man dann auch gleich erwähnen, wer denn eigentlich Sir Tim Berners-Lee ist. Diese Idee hatte auch auch Guy Adams, US-Korrespondent vom britischen Independent, der vor lauter Frustration über das Programm die geschäftliche E-Mail-Adresse des bei NBC für Olympia verantwortlichen Gary Zenkel twitterte. Dies sorgte dafür, dass sein Account für einige Stunden von Twitter deaktiviert wurde.

Weitere Themen: Olympia 2012, Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog, Apple Special Event Oktober 2014, iTunes, iTunes für Mac, iOS, App Store, The Swift Programming Language – Handbuch , OS X Yosemite, Samsung

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