Warum Apple das Geschäft von unabhängigen Entwicklern zerstört hat

Florian Matthey
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Apple betont gerne, wie viele Arbeitsplätze das Unternehmen in den USA und Europa geschaffen hat – unter anderem mit App-Entwicklung. Ein Experte meint jedoch, dass Apple das Geschäft kleinerer Entwickler zerstört habe.

Warum Apple das Geschäft von unabhängigen Entwicklern zerstört hat

Apple doch kein großer Job-Motor?

Matt Gemmel, der früher als selbstständiger Entwickler auch Software für Apple programmierte und Source Code für Mac- und iOS-Apps anderer Entwickler bereitstellte, hat eine klare Meinung zu seinem ehemaligen Kunden: Der heutige Blogger und Buch-Autor meint, dass kein Unternehmen dem nachhaltigen Geschäft unabhängiger Entwickler so viel Schaden zugefügt habe wie Apple. Auch der Wert, den Kunden Software beimessen, habe durch Apple gelitten.

Dass sich Apple gerade wieder einmal als Job-Motor der USA feiert, auch den positiven Effekt für das Entwicklergeschäft in Europa betont und erklärt, dass man als ein Unternehmen mit Werteorientierung der Gesellschaft auch etwas zurückgeben müsse, sieht Gemmel als Lippenbekenntnis: Apple sei keine wohltätige Organisation, die sich auf den Menschen und ethisches Handeln konzentriere.

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Trailer für „Planet of the Apps“
Was ist das noch mal für ein Apple-Produkt? Hättet ihr es gewusst?

Software ist für Kunden nichts mehr wert

Stattdessen habe Apple einfach erfolgreich das gemacht, was jedes Unternehmen machen würde: Mit dem App Store einen Markt aufgebaut, mit dem sich möglichst viel Geld verdienen lässt. Der App Store habe den Markt für Software im Allgemeinen aber so verändert, dass unabhängige, kleinere Entwickler darunter gelitten haben.

Apple habe dafür gesorgt, dass die Zielgruppe für App-Entwickler so groß wie möglich geworden sei – damit Apple mit 30-prozentigem Anteil maximale Umsätze generieren konnte. Der Preis hierfür sei aber gewesen, dass Apps so günstig wie nur irgendwie möglich sein müssten. Entwickler seien so dazu gedrängt worden, Apps kostenlos oder für einen US-Dollar anzubieten. Jetzt seien sie in einer Situation, in der sie Apps kaum noch verkauft bekämen, wenn sie teurer sind – eine App für 3 US-Dollar erreiche niemals ein Drittel der Verkaufszahlen einer 1-US-Dollar-App, da Kunden durch Apples Geschäftsmodell nicht mehr gewohnt seien, mehr als 1 US-Dollar auszugeben und sie Apps kaum noch wertschätzten.

Die App-Store-Regeln täten ihr Übriges: Kunden, die mehrere Geräte haben, bezahlen nur einmal für die App – denn Apple habe universelle Apps für iPhones und iPads gepusht, damit App-Kunden einen Anreiz haben, mehrere iOS-Geräte zu kaufen. Kunden könnten durch die App-Store-Familienfreigabe Apps auch noch mit anderen Familienmitgliedern teilen, was ihnen das Gefühl gebe, dass gekaufte Apps dazu da sind, von mehreren Personen auf mehreren Geräten benutzt zu werden. Und schließlich hätten Kunden jetzt gelernt, dass man für eine App nur ein einziges Mal bezahlen muss – egal, wie viele und wie umfangreiche Updates später noch geschehen.

Der Mac App Store als Lichtblick – wegen Apples Desinteresse

Die Arbeit von Entwicklern erhalte jetzt kaum noch Wertschätzung, da Kunden eben das Gefühl hätten, dass Software kaum etwas wert ist – und dementsprechend verändere sich auch die Bereitschaft von Entwicklern zu ihrer Arbeit selbst. Die einzige Ausnahme sei in Apples Ökosystem aktuell der Mac App Store – was auch daran liege, dass sich Apple für diesen kaum noch interessiere. Entwickler könnten daher nur hoffen, dass Apples Desinteresse für den Mac anhalten werde.

Quelle: Matt Gemmel

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