Warum Apple OS X Mountain Lion im Hinterzimmer vorstellte

Apple hat ein neues Betriebssystem angekündigt. Der Mountain Lion, der Berglöwe, ist eigentlich ein Puma – und so hieß schon Mac OS X 10.1. Die Katze beißt sich also namenstechnisch bereits in den Schwanz. Doch warum gab es für den Puma 2.0 keinen großen Empfang?

Warum Apple OS X Mountain Lion im Hinterzimmer vorstellte

Es gibt ein neues Apple-Betriebssystem – und keinen Apple-Event. Der Berg kreißt und gebiert eine neue Katze. Was früher mindestens das Format einer bravourösen Keynote eingenommen hätte, passierte diesmal in Form von Einzelgesprächen mit ausgewählten Journalisten.

„Wir beginnen, ein paar Dinge anders zu machen“, zitiert John Gruber auf Daring Fireball Phil Schiller. Do different. Anders eben, anders als vorher.

Gruber hatte gar nichts Großes wie das iPad 3 oder den Apple-Fernseher erwartet, als ihn Apple zu einem Termin einlud. Vielleicht ein Retina-Display fürs MacBook, naja. Dann zeigt ihm Schiller persönlich und so präzise wie auf einer Keynote das neue System, OS X Mountain Lion. Gut vorbereitet, ohne Notizen, in Gegenwart von zwei Presse- und Marketing-Männern.

Was Gruber passierte, passierte auch vielleicht zehn oder zwanzig anderen Journalisten an der Ostküste. Sie durften in einem fast privaten Event das neue OS X in Augenschein nehmen. Noch besser: Apple lieh jedem von ihnen ein MacBook Air mit installiertem Berglöwen zum Ausprobieren – und damit sie nach Veröffentlichung der offiziellen Apple-Pressemeldung schnell darüber berichten konnten. Was sie auch taten.

Und so wissen wir schon sehr genau, welche Key-Features OS X Mountain Lion enthalten wird. Mehr iCloud im System, noch mehr Ähnlichkeit zum mobilen iOS, systemübergrefende Namensgebung wie Messages statt iChat, Notifications, Erinnerungen, noch mehr Vereinfachung, etwas Oberflächen-Politur und Integration nützlicher Non-Apple-Apps – und Gatekeeper. Die Entwickler haben die frühe Beta schon auf ihren Rechnern. Im Sommer auch wir.

Doch zurück zum Format. Warum diese Form der Einführung? Ohne Feier, ohne Feuerwerk, förmlich ohne Publikum? Hätte die neue Raubkatze nicht mehr Aufmerksamkeit verdient – oder ist diese für Apple inzwischen auch ohne großen Aufwand zu erreichen? Apple macht jetzt auch auf viral?

Es ist das erste Mal, dass Apple ein großes System-Upgrade derart unspektakulär, aber dennoch wirkungsvoll einführt. Weil es möglich ist und weil Apple es sich genauso leisten kann. Microsoft hat es mit Windows 8 ähnlich gemacht.

Vergangene System-Upgrades wurden gefeiert, niemals allein aber manchmal fast. Auf Macworld-Messen, auf Entwicklerkonferenzen oder besonderen Apple-Events.

Sicher ist, dass Apple in diesem Jahr noch einige Termine für uns hat. Im Januar die Revolution für den Bildungsmarkt, im März das iPad 3, im Mai neue MacBook Air, auf der WWDC 2012 neue Betriebssystem-Versionen, im Herbst das iPhone 5 und vor Weihnachten der Apple-Fernseher – oder so ähnlich.

Weil diese Events wertvoll und wichtig sind, muss das neue Mac-System bei seiner Einführung auf Prunk verzichten.

Doch die Wertschätzung, die Apple OS X zuteil werden lässt, ist deswegen nicht geringer. Im Gegenteil: Die Journalisten sollten gerade im trauten Zwiegespräch davon überzeugt werden, dass Apple weiterhin Ressourcen in das vormalige Desktop-System steckt.

Zwar muss das System auf dem Weg zu mehr iOS entschlackt werden und hat im Laufe seiner elfjährigen Geschichte viel Hinderliches angesetzt. Aber Apple muss auch nicht mehr wie seinerzeit zur Vorstellung des iPhone die Kräfte zwischen den Entwicklungsabteilungen teilen bzw. zuungunsten des Mac OS reduzieren.

Wenn iOS und OS X zusammen wachsen und durch die iCloud zusammen halten, lässt sich auch ein gemeinsamer Upgrade-Zyklus von einmal jährlich für beide Systeme mit ein und derselben Mannschaft gewährleisten.

Die Journalisten sollten also hautnah spüren, dass Apple das Mac OS X weder aufgibt noch vernachlässigt, zumal sich mit Lion sich ja schon einige Schwächen in der Umsetzung gezeigt hatten.

Auch wenn sich die Verhältnisse verschoben haben: Apple verkauft inzwischen zehnmal mehr iPads und iPhones als Macs. Der Erlösanteil der Macs ist im letzten Quartal von 20,3 auf 14.2 Prozent gefallen.

Dennoch kaufen durch die Erfahrungen mit iPhone und iPad angeregt immer mehr Menschen auch MacBooks, werden auf Apple TV und demnächst den Apple-Fernseher aufmerksam. OS X ist also eine wichtige Brücke für die nächste Consumer-Generation – und neue Geschäftsmodelle.

Außerdem sind die Macs wichtig für die kreativen Profis: Irgendjemand muss die Apps, Inhalte und Medien ja auch herstellen.

Und die Entwickler, die für die App-Produktion für iOS und OS X ausschließlich Macs benutzen können, haben jetzt noch ein halbes Jahr Zeit, ihre Apps anzupassen – und vor allem sich und uns auf Gatekeeper vorzubereiten.

Das kann nach diesem Hinterzimmer-Event nun in aller Öffentlichkeit geschehen. Der Aufwand wird auch dem Apple-Muster gerecht: Nach Leopard kam Snow Leopard, nach Lion kommt Mountain Lion. Für die zweite Stufe des Triebwerks braucht es keinen Event, sondern nur Überzeugte.

Niemand wird Mountain Lion überschätzen, niemand wird zuviele Erwartungen pflegen, der Puma 2.0 wird wunderbar funktionieren. Und mit Gatekeeper schleicht sich ein neues Gewinnmodell auf Samtpfoten in unsere Macs. Da ist ein Geflüster im Gegensatz zum sonstigen Getöse durchaus angemessen.

Bild: Bestimmte Rechte vorbehalten von CaliforniaDFG, Flickr

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