Was könnte Apple von anderen Unternehmen lernen, tut es aber nicht?

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In vielen Städten der Welt ist Apple mittlerweile mit eigenen Ladenflächen vertreten, erweiterte Garantien wie der AppleCare Protection Plan sollen für mehr Dienst am Kunden sorgen und Apples alljährliche Produktoffensive mit immer neuen und innovativen Ansätzen ist unverändert beeindruckend. Reicht das aber für einen Hersteller, der besser sein will als andere?

Flexiblere Preisanpassungen
Nur ein Beispiel unter etlichen: Wenn der Preisunterschied zwischen einer Time Capsule mit Ein-Terabyte-Festplatte und einer Time Capsule mit Zwei-Terabyte-Festplatte 180 Euro beträgt, dann hat das mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun. Im freien Handel liegt der Geldabstand zwischen den beiden Festplattengrößen seit Monaten bei nur noch fünfzig Euro, eine Zwei-Terabyte-Festplatte durchschnittlicher Zugriffsgeschwindigkeit ist für rund 100 Euro zu haben. Währenddessen hat der gewillte Kunde schon die Wahl zwischen mehreren Drei-Terabyte-Modellen, die ebenfalls unterhalb von 200 Euro angekommen sind – nur besteht diese Option bei Apple gar nicht erst. Apples Lager- und Preisstrategie ist hier eindeutig von Tim Cook beeinflusst, der beim Verkauf von Restbeständen für seine Kompromisslosigkeit bekannt ist. Der Kunde ist währenddessen dazu gezwungen, entweder das kleinste Zeitkapselmodell zu kaufen und die Festplatte selbst aufzurüsten oder aber eine unverhältnismäßig lange Zeit auf eine Anpassung des Herstellers zu warten, denn der Aktienkurs des Unternehmens geht nunmal vor.

Mehr internationale Präsenz
Eine einzige WWDC in den USA ist uns von Apple geblieben, um mit Entscheidungsträgern in diesem Unternehmen direkt und zwanglos in Kontakt zu treten, von ihnen zu lernen und angesprochen zu werden. Verkaufen ist nicht alles, liebe Firma Apple, aber es würde einer internationalen Anwenderschaft oder zumindest den Entwicklern darunter viel bedeuten, fände die WWDC nicht nur vor der Haustür Apples statt, sondern mal in Paris, mal in Tokyo, mal in Moskau ...

Weniger Kostenpflicht
Google macht es vor. Das Unternehmen ist reich und muss einfach nicht alles verkaufen, was es verkaufen könnte. Das pflegt das Image und vermittelt ein Gefühl der Gemeinnützigkeit, welches wiederum hilft, den Euro in anderen Bereichen zu lockern oder gewisse Defizite nicht ganz so eng zu sehen. Gerade bei den Netzwerkdiensten sollte Cupertino sehr sorgfältig überprüfen, ob verschenken nicht doch besser als verkaufen wäre, ansonsten werden es andere tun und den Blick der Öffentlichkeit damit ablenken.

Bessere Bedienungsanleitungen
Schöne Verpackungen führen vielleicht zu Liebe auf den ersten Blick, eine gut durchdachte Bedienungsanleitung aber ist das i-Tüpfelchen einer langjährigen Partnerschaft mit einem neuen Apple-Produkt. Das mag zwar für erfahrene Apple-Freunde keinerlei Gültigkeit haben, viele ältere Anwender jedoch haben bereits fürs Erlernen der Bedienung eines Windows Computers beträchtliche Zeit investiert und verstehen dann ein iPhone überhaupt nicht, obgleich es ungleich intuitiver zu erkunden wäre. Hier könnten die richtigen Erklärungen eine riesige Hilfe sein, auch wenn Gewicht und redaktioneller Aufwand solcher Leitfäden ein rotes Tuch im Bereich der Kostenminimalisierung für Apple wären. Die rein elektronische Variante ist jedenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss.

Mehr Offenheit
Das Thema erinnert schon an eine tibetanische Gebetsmühle, manchmal haben solche andauernden Ermahnungen aber Erfolg. Zwar erscheinen die neuen Modelle von iPad und iPhone fast immer zur gleichen Zeit im Jahr, aber selbst das würde in Cupertino niemand einräumen. Zwar gibt es alljährlich einen neuen Mac Pro, wenn er sich aber mal verzögert, wird kein Grund angegeben. Zwar pfeifen die Spatzen fast sämtliche Details neuer Produkte schon Wochen und Monate von den Dächern, auf einer Keynote wird dennoch alles als große Neuigkeit gehandhabt. Nein, so richtig toll ist diese Form der Informationspolitik nicht, denn sie missachtet Erwartungshaltungen und Kundenbedürfnisse. Ein Kunde, erst recht ein institutioneller, will planen können und budgetorientiert investieren. Ist er aber mit Apple konfrontiert, kann er sich nur auf andere Quellen verlassen, der Hersteller schweigt nicht nur über seine Produktzyklen, seine Preisänderungen und seine technischen Probleme, er betreibt auch so gut wie keine positive Öffentlichkeitsarbeit, sondern verkündet stets nur das, was schon alle wissen. Mitarbeiter wie Jonathan Ive oder Scott Forstall sind keine Roboter und sollten mehr Interviews geben, auch wenn solche Gespräche dann keine Details zu neuen Apple-Produkten enthalten. Ein wissbegieriger Apple-Fan darf nicht als Störfaktor gelten, sondern muss als Zielgruppe erkannt werden. Apples Öffentlichkeitsarbeit ist und bleibt aber eine Katastrophe.

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