Was Smartphones über uns wissen und wer davon profitiert

Katia Giese
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Es gibt wohl kein besseres Mittel als ein Smartphone, um jemanden auszuspionieren. Das Gerät weiß immer wo wir sind, kennt Namen und Geburtsdatum unserer besten Freunde und hat Zugang zu fast allen Daten, die wir “privat” nennen. Wie viele davon tatsächlich weitergegeben und verwendet werden, hat jetzt das Wall Street Journal untersucht. Das beängstigende Ergebnis: 56 der 101 getesteten iPhone und Android-Apps übertragen Daten ihrer Nutzer – ganz ohne Warnung oder Information.

Zwar geben Nutzer in den meisten Fällen freiwillig ihre Daten ein, beispielsweise um ein Spiel zu starten oder soziale Netzwerke zu nutzen, viel zu oft geschieht dies aber auch hinter dem Rücken der Anwender. So brüstet sich Apple mit seiner App-Store-Policy und den angeblich strengen Anforderungen an die angebotene Software, die keine Schnüffel-Funktionen enthalten darf. Wie leicht diese Bedingungen umgangen werden können, zeigt das WSJ anhand der getesteten Apps.

Insgesamt hätten unter den getesteten Applikationen die iPhone-Apps mehr Daten preisgegeben als die Software für Android, resümiert das Wall Street Journal. Allerdings seien die 101 getesteten Programme nur ein kleiner Ausschnitt, sodass eine Hochrechnung nicht möglich sei. Bei alledem seien Smartphone-Nutzer viel schutzloser als am Computer. In einem Browser lassen sich Cookies löschen, Firewall-Einstellungen ermöglichen einen besseren Schutz, der Anwender sei insgesamt mündiger.

Von Mündigkeit kann beim mobilen Surfen kaum die Rede sein, viel zu attraktiv und ertragreich sind für die Unternehmen die gesammelten Information. Vor allem Google nutze laut Analyse des WSJ die Infos, um die verschiedenen Werbemechanismen zu füttern. Mit Hilfe von GPS-Tracking, Webseiten-Aufrufen, Online-Shopping und vielem mehr kann beispielsweise die Firma Mobclix ganz genau sagen, ob es sich bei dem Nutzer um eine “Soccer Mom”, den “Öko-Freak” oder den “Hardcore-Gamer” handelt. Diese Informationen werden wiederum für zielgerichtete Werbung eingesetzt, wie sie vor allem bei kostenlosen Applikationen vorkommt.

In dem Test stellte sich Google als weitaus gieriger heraus als Apple, wenn es um das Sammeln und die Verwertung von Daten ging. Während sich Google aus allen Applikation bediente um seine Anzeigendienste Adsense und AdMob zu füttern, verwertete Apple für iAd nur Informationen aus dem iTunes und AppStore. Wie lange dies noch so bleiben wird, ist allerdings eine Frage der Zeit. Erst im Mai hat Apple ein Patent eingereicht, um Anzeigen anhand der individuellen Web-Nutzung zu schalten und in Rechnung zu stellen.

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