Wer bietet Pi: Details zur Patent-Auktion bei Nortel

Flavio Trillo
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1.902.160.540 und 2.614.972.128 US-Dollar bot Google für die Nortel-Patentsammlung. Das Höchstgebot lag bei 4,5 Milliarden US-Dollar. Warum waren Googles Summen so krumm, was erhielten Apple und Co. für ihr Geld und welche Auswirkungen hat diese Versteigerung eigentlich auf den Markt?

3,2,1 – Steves

Apple, Ericsson, Microsoft, Sony, EMC und RIM erwarben gemeinsam die Rechte an einer Reihe von Technologien aus den Bereichen Mobilfunk und dem 4G-Übertragungsstandard “Long Term Evolution” (LTE). Damit ist nicht nur klar, worauf Cupertino in Zukunft großen Wert legt, sondern auch, dass jeder sich warm anziehen muss, der nicht erfolgreich mitgeboten hat.

Ein gut gefülltes Patent-Portfolio kann wertvoller sein als eine pralle Kriegskasse. Wer möglichst viele Rechte an populären und universellen Technologien besitzt, ist fast immun gegen die Patentklagen anderer Größen aus der Branche. Das Prinzip der Rüstungsbalance war schon im kalten Krieg bekannt und gilt, wenn auch in einer ent-militarisierten Form, auch in der IT-Welt.

Doch wem gehört eigentlich welcher Anteil der vielfältigen Patentsammlung aus dem Hause Nortel Networks? Eine Möglichkeit wäre, allen Beteiligten gleichberechtigten Zugang zu allen Patenten zu gewähren. Hierfür hätten aber auch die Beiträge zum Höchstgebot gleichwertig sein müssen. Dies war laut einem Bericht von Mark Stephens jedoch nicht der Fall.

Verteilungsgerechtigkeit

Den kleinsten Teil zahlte das US-amerikanische Unternehmen EMC mit 400 Millionen US-Dollar für die alleinigen Rechte an einer geringen Anzahl Patente. RIM und Ericsson kamen zusammen auf eine Summe von 1,1 Milliarden US-Dollar, Microsoft und Sony steuerten eine weitere Milliarde und Apple schließlich die fehlenden 2 Milliarden US-Dollar bei.

Dafür erhielt Steve Jobs die Rechte an einigen interessanten 4G-Technologien sowie diversen Patenten, die angeblich Google Android behindern sollen. Mit langwierigen Verhandlungen über Lizenzbedingungen oder gar die komplette Abschottung der Patente vom freien Markt könnte Apple einigen Schaden anrichten.

Krumme Gebote

In Anbetracht dieser Aussichten überrascht es umso mehr, dass Google die Auktion auf die leichte Schulter genommen zu haben scheint. Zunächst sah es so aus, als wären die Beträge aus Mountain View krumm und verwirrend. Statt runde Summen zu bieten schlug das Unternehmen etwa 1.902.160.540 oder 2.614.972.128 US-Dollar vor, wie Reuters berichtet. Als die Gebote die drei-Milliarden-Grenze erreichten, bot Google 3,14159 Milliarden US-Dollar.

Wie mathematisch Bewanderte gemerkt haben werden, handelt es sich dabei, der Reihe nach, um die Summe der Brunschen Konstante, die Meissel-Mertens-Konstante sowie die Zahl Pi. Neben zahlentheoretischen Spielereien fand auch der mittlere Abstand zwischen Erde und Sonne seinen Platz in Googles Geboten. Die Strategie stieß auf Verwunderung: “Entweder sie waren unglaublich selbstsicher oder einfach gelangweilt”, vermutet eine Quelle.

Lizenzgerangel

Doch wie düster sieht es für Google wirklich aus, jetzt wo die lustige Auktion vorbei ist? Wird das Unternehmen einen Großteil seiner Prototypen einstampfen müssen, weil die benötigten Lizenzen nicht erteilt werden? Das ist noch nicht raus. Vorher werden jedenfalls alle Anwälte, die irgendetwas von Wettbewerbsrecht verstehen, nach Mountain View pilgern, um dort ihre Dienste feil zu bieten. Dies vermutet zumindest Mark Stephens.

Wenn die Gerichte erst einmal mit der Sache beschäftigt sind, könne Google wohl die kommenden zwei bis drei Jahre unbehelligt daran arbeiten, sein eigenes Patent-Portfolio aufzustocken, um sich gegen Apple und andere zur Wehr zu setzen. Anschließend wären Apple und Co. durch die Wettbewerbshüter gezwungen, die Patente zu lizenzieren – an entsprechenden Gebühren kommt der Suchmaschinen-Gigant also nicht vorbei.

Doch ist das immer noch besser, als überhaupt nicht berechtigt zu sein, extrem relevante, zukunftsweisende Technologien einzusetzen und zu verkaufen. Die Nortel-Auktion war gewissermaßen die “Sizilianische Eröffnung” des Schachspiels um Patente und Lizenzen, in dem der schwarze König Android am Ende von der weißen Dame Apple Matt gesetzt werden soll.

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