Wie Apple Prototypen schützt

Marie van Renswoude-Giersch
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Geradezu schludrig scheinen Apple-Mitarbeiter mit den ihnen anvertrauten Prototypen umzugehen. Da wird ein iPhone 5 in einer Bar liegengelassen, ein anderes öffentlich während einer Zugfahrt ausgepackt und dann tauchen auch noch verräterische Fotos auf Flickr auf. Das alles passt so gar nicht zu Apples strikten Vorgaben, über die ein externer App-Entwickler nun im Interview mit Business Insider plauderte. Die Sicherheitsmaßnahmen, mit denen Apple seine Prototypen versucht geheimzuhalten, sehen demnach nicht nur fensterlose Räume und ausgetauschte Schlösser vor.

Wie Apple Prototypen schützt

Über ein Jahr ist es her, da durfte jener Entwickler einer bekannten App – seinen Namen wollte er nicht verraten – ein bis dahin unveröffentlichtes iPad testen. Ein Katalog mit verschiedenen Sicherheitskriterien musste dabei zwingend befolgt werden.

So musste für den Test zunächst ein Raum gefunden werden, der keine Fenster aufwies. Apple selbst ließ für diesen Raum die Schlösser austauschen und lediglich vier festgelegte Personen durften das Zimmer betreten. Dabei musste sich jeder vorher mit Namen und Sozialversicherungsnummer bei Apple ausweisen. Als weitere Maßnahme bohrte man ein Loch in einen Tisch, an dem das Device anschließend festgekettet werden konnte – alles bis auf die Holzmaserung des Tisches genau auf Fotos protokolliert.

Der Prototyp war zudem durch eine spezielle Verkleidung geschützt, die das Design des Geräts nicht erkennen und nur den Touchscreen frei ließ. Und natürlich galt es, alles streng geheim zu halten. Weder seinem Chef noch seiner Frau durfte der arme Entwickler etwas verraten.

Now that it’s over a year, I can talk about it.

I was probably the sixth person to get an iPad. We got two of them flown out. The criteria was that we had to have a room with no windows. They changed the locks on the door. Three developers and I were the only people allowed to go in the room. Apple needed the names and social security numbers of the people who had access. Apple needed to be able to drill a hole in the desk and chain the devices to desk. They used those bicycle cables. They had these custom frames built around them so we couldn’t even tell what the iPads looked like. We could plug into them so we could code to them and we could touch the screen and play with that, but we couldn’t see the form factor. Then they took pictures of the wood grain. If any pictures leaked out, they could trace it back to which desk they came from.

I wasn’t allowed to tell our CEO. I wasn’t allowed to tell anybody anything about what we were doing. I couldn’t even tell my wife. She was like, “You’re going to get fired if this doesn’t work.” I hadn’t thought about that but she was probably right. Luckily, it worked out very well.

Im Nachhinein war der Entwickler sehr froh darüber, dass alles gut gegangen ist und keine geheimen Informationen an die Öffentlichkeit gelangt sind. Es hätte sicher schlimmer kommen können. Denn beispielsweise bei der Suche nach verlorengegangenen Prototypen zeigt sich Apple gleichermaßen strikt. So sollen sich Apple-Mitarbeiter nach dem letzten Prototyp-Skandal sogar als Polizei ausgegeben haben, um die Wohnung eines Verdächtigen durchsuchen zu können.

Während die beschriebenen Sicherheitsmaßnahmen zwar übertrieben aber durchaus berechtigt scheinen, sollte Apple vielleicht auch mehr darauf achten, was in den eigenen Reihen geschieht. Natürlich kommt man nicht drum herum, dass ein iPhone-Prototyp auch außerhalb des Apple Campus getestet werden muss. Ein Bar-Verbot für Mitarbeiter im Dienst wäre vielleicht ein Anfang.

Bild: “Vault door”, bluesmoon (Flickr)

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