Zeitung sperrt iPad-Zugriff auf Webseite: Verleger nutzen Apple-Möglichkeiten

Sebastian Trepesch
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Verlage sehen im iPad eine bessere Chance als bislang, ihre Online-Inhalte kostenpflichtig anzubieten. Der virtuelle Zeitungskiosk in iOS 5 – von den deutschen Zeitungsverbänden ausdrücklich begrüßt – ist ein Grund dafür. Mit der New York Post geht eine weitere Tageszeitung dazu über, die Inhalte auf der Webseite für iPad-Nutzer zu sperren und verweist auf die kostenpflichtige App.

iPad-Nutzer müssen draußen bleiben

Wer diesen Artikel mit Safari auf dem iPad aufruft, kann sich selbst überzeugen: nypost.com zeigt nur einen Hinweis auf die iPad-App an. “Danke für Ihren Besuch! Der redaktionelle Inhalt von nypost.com ist auf dem iPad nur über die New York Post-App verfügbar.” Wer dagegen mit Safari auf dem Mac die Seite ansurft, kann dagegen das Portal wie gewohnt nutzen. Die Nachrichtenseite zwingt damit ihre iPad-Leser, für die Inhalte zu bezahlen. 1,59 Euro kostet die App*, plus 59,99 Euro für das Jahresabo.

Doch die New York Post ist nicht die erste Zeitung, die dieses Vorgehen gewählt hat. Die Webseite der Bild-Zeitung lässt sich schon seit Dezember 2010 nicht mehr unter dem normalen Vorgehen von Apples Tablet Computer aufrufen. Lohn der drastischen Maßnahmen: Die App ist ständig in den umsatzstärksten iPad-Apps* gelistet, aktuell sogar auf Platz 1.

Stellen die Apps und das integrierte Abomodell das Vermarktungskonzept der Zukunft für Online-Inhalte dar?

Einnahmequelle mit Hindernissen

Es scheint so. Online-Ableger etablierter Tageszeitungen taten sich in der Vergangenheit schwer, ausreichend Einnahmen im Internet zu erzielen. Selbst die New York Times hatte seinerzeit ein “Paid-Content”-, ein Bezahlsystem für Inhalte zunächst für ein werbefinanziertes, offenes Systen wieder aufgegeben. Mit der Apple-Erfindung iPad sieht jetzt jedoch wieder alles anders aus. Mit den Apps im App Store kann für papierlose Publikationen wieder Geld verlangt werden. Was den Verlagen bislang allerdings nicht gefiel: Die Apple-Politik für die In-App-Käufe.

Grundsätzlich positiv betrachtete in der Vergangenheit der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) zumindest die Möglichkeit der Apps. “Allerdings beinhaltet dieses neue Modell viele Einschränkungen, die die Wahlfreiheit der Kunden und das App-Geschäft für die Verlage deutlich beeinträchtigen, so dass es wenig wert ist”, so Hauptgeschäftsführer des VDZ, Wolfgang Fürstner im Frühjahr gegenüber macnews.de. Die Financial Times drohte gar, aufgrund der strikten Vorgaben von Apple andere Kanäle als deren Plattform für ihre Vermarktung zu nehmen.

Zugeständnisse von Apple

Mittlerweile ist Apple weiter auf die Verleger zugegangen. Der Elektronikkonzern soll laut heise.de eine Zulassungsrichtlinie gestrichen haben. Sie verlangte, dass die Abos nicht billiger auf der Verlags-Webseite als innerhalb der iOS-App verkauft werden dürfen. Apple hat deshalb ein Interesse an dem In-App-Verkauf, weil das Unternehmen dabei 30 Prozent mitverdient. Direkt verlinkt werden darf eine externe Kaufmöglichkeit in der App immer noch nicht.

VDZ und der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) begrüßten in einer gemeinsamen Pressemitteilung dennoch diesen Schritt als “substanzielle Verbesserung“: Es gebe die notwendigen Spielräume für Bündelungs- und Promotionsangebote. Apple habe sich deutlich auf die Verlage zubewegt und die Argumente der Verleger wirken lassen. Am neuen Zeitungskiosk in iOS 5 lobten die Verbände, dass er die Angebote der Verlage deutlich sichtbarer mache.

Gesprächsbedarf mit Apple sehen BDZV und VDZ allerdings noch beim Thema Kundenbeziehung.

Insgesamt hat Apple die Bedingungen für die Publikation von Zeitungen und Zeitschriften in den letzten Monaten mehrfach und deutlich gebessert. Nicht nur der Druck der Verleger, sondern offenbar auch die wachsende Konkurrenz durch Google scheint dafür verantwortlich zu sein.

Hintertürchen für iPad-Besitzer

Auch für einen Teil der Inhalte auf der Webseite verlangen immer mehr Zeitungen Geld. Eine sehr rabiate Methode ist es allerdings, speziell iPad-Besitzer vom Onlineauftritt auszusperren, um auf kostenpflichtige Apps und Abos aufmerksam zu machen, während Nutzer anderer Geräte kostenlos lesen. Offensichtlich funktioniert es aber, zumindest, wenn die Apps etwas bieten oder die Preise nicht sehr hoch sind.

iPad-Besitzer, die sich sich von Bild, New York Post und Co. nicht aussperren lassen wollen, können einen Trick anwenden: Diverse Broser-Apps (zum Beispiel iCab mobile) können sich als Desktop- oder Android-Browser ausgeben. Surft der iPad-Besitzer mit einer derartigen App und entsprechender Einstellung die Seite an, wird der das Portal oft wieder normal sichtbar.

Dann besteht wieder gleiches Recht für alle: Entweder kosten die Webinhalte etwas, oder sie sind für alle frei verfügbar.

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