Zeugin der Apple-Anklage: Verzerrte Beweise und Seitenverhältnisse

Flavio Trillo
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Etwas ist faul im Staate – falsch, im “Tablet-War” zwischen Apple und Samsung. Der koreanische Hersteller dürfte stutzig geworden sein, als er Apples Antrag auf  eine einstweilige Verfügung gegen den Verkauf des Galaxy Tab 10.1 las. Dort ist nämlich eine Grafik als Beweis aufgeführt, welche die beiden Produkte noch ähnlicher scheinen lässt, als sie sind. Gerät Apples Position so ins Wanken?

Alles hat ein Ende: Apple reißt der Geduldsfaden

Apple hat genug von iPad-Nachahmern, die auf der Welle der Popularität mitreiten wollen. Auf der ganzen Welt geht der Hersteller gegen Samsung wegen des Galaxy Tab 10.1 vor, jüngst mit vorläufigem Erfolg vor dem Landgericht Düsseldorf. Dort erreichten Cupertinos Anwälte immerhin eine einstweilige Verfügung gegen Samsung, die den Verkauf des Tablet-Computers vorerst verbot.

Doch bei genauerem Hinsehen fällt eines der in dem Antrag aufgeführten Fotos, die eine hohe Verwechslungsgefahr glaubhaft machen sollen, besonders auf. Auf Seite 28 des Dokuments (siehe Seite 2 dieses Artikels) prangt ein iPad 2 neben einem Gerät, das als Galaxy Tab 10.1 bezeichnet wird. Gleichmäßig abgerundete Ecken, flache Vorderseite, metallene Einfassung und “farbige Icons innerhalb des Displays”: All das seien unterscheidungskräftige Merkmale, die das Tablet des koreanischen Herstellers kopiert.

Verhältnismäßig schief: Ein Foto geht um die Welt

Allerdings scheint das Galaxy-Foto zur Rechten etwas verzerrt, das Seitenverhältnis des Display stimmt nicht mit dem heute

erhältlichen Gerät überein, wie die niederländische Webseite webwereld.nl berichtet. Dies sorgte in den Medien für viel Aufsehen und brachte einige Kommentatoren dazu, bereits die Siegesfanfare für Samsung am Verhandlungstermin, dem 25. August anzustimmen.

Der Hersteller gibt die Maße des Galaxy Tab 10.1 mit 257 x 175 Millimeter an, was einem Verhältnis von etwa 1,46 entspricht. Anhand der Abbildung im Antrag ergebe sich jedoch ein Wert von 1,36. Zum Vergleich: Das iPad 2 verfügt über ein Seitenverhältnis von 1,30. Der Unterschied mag auf den ersten Blick unerheblich sein, vor Gericht sind aber nur wahrheitsgemäße Aussagen zulässig.

Absichtlich werden die Anwälte das Foto nicht “angepasst” haben, vermutet auch der Patentrechtsexperte Florian Müller gegenüber PCWorld. Es könne sich darüber hinaus um die Abbildung eines Prototypen handeln, der Apple im Laufe der Beweisermittlung während des Prozesses in den USA im vergangenen April ausgehändigt wurde. Davon unabhängig könnten die Richter Apple für diesen Fehler jedoch abstrafen, was im für Cupertino schlimmsten Fall die Aufhebung des Verkaufsverbots bedeuten könnte.

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