Paradise Papers: Apple ist nicht mehr dein Freund!

Sven Kaulfuss
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Apple ist wieder in den Schlagzeilen, unfreiwillig wohlgemerkt. Im Fokus befindet sich ein bisher wenig beachtetes „Produkt“: Apples Steuervermeidungsmodell – iTax statt iPhone X. Es wird Zeit, das Verhältnis zur Kultmarke auf den Prüfstand zu stellen.

Paradise Papers: Apple ist nicht mehr dein Freund!

1,4 Terabyte, 13,4 Millionen Dokumente, Daten im Zeitrahmen von 1950 bis ins Jahr 2016 – die Paradise Papers lenken den Blick auf die größten multinationalen Konzerne, Politiker, Milliardäre und deren fragwürdigen Tricks zur weltweiten Steuervermeidung mittels diverser Steueroasen. Mitten drin: Apple – geliebte Kultfirma und Branchenkönig.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die neue Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren.

Was das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) – hierzulande beteiligt der Rechercheverbund aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung – in den Dokumenten der „ehrenwerten“ Kanzlei Appleby fand, erstaunte dann doch in seiner Skrupellosigkeit. Anscheinend bevorzugt Apple bei der Findung der geeigneten Steueroase Länder mit wenig ausgeprägter Opposition und der Möglichkeit der maximalen Einflussnahme. Nach dem Motto: Apple sucht die billigste Bananenrepublik! Was folgte war eine nicht ganz so klare Klarstellung seitens Apple. Diese genügte augenscheinlich auch Wolfgang Krach – Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung – nicht. In einem offenen Brief an Apple-Chef Tim Cook adressierte er nochmals die eigentliche Problematik und verwies auf die gesellschaftliche Verantwortung des Großkonzerns. Eine weitere Antwort Apples blieb bisher aus.

Das mediale Gemetzel lässt den Apple-Kunden ratlos zurück, ein „Sieger“ ist noch lange nicht ausgemacht. Halten wir uns zunächst an die Fakten:

  • Fakt ist, Apple handelte nach den vorliegenden Informationen legal. Jeder spart wo er kann und nutzt die ihm zur Verfügung stehenden Schlupflöcher.
  • Fakt ist ist aber auch, legal heißt noch lange nicht moralisch legitim. Nicht alles was erlaubt ist, sollte widerspruchslos toleriert werden. Darf und sollte sich Apple asozial verhalten dürfen?

Apple und die Kunden: In Zukunft Pragmatismus statt kultiger Verehrung

Vorausgesetzt wir bejahen dies, dann kann es nur eine Schlussfolgerung geben: Apple ist eine ganz normale, sprich opportune Firma. Kein kultiger Underdog und keine Institution mit dem Ziel die Welt zu verbessern. Einziges glaubhaftes Ziel der Unternehmung: Geld scheffeln mit allen erlaubten Mitteln. Ergo: Lasst uns Apple dann auch genauso behandeln. Machen wir dem Kult ein Ende und trennen die – zugegeben coolen – Produkte vom kritikwürdigen Firmenkonstrukt. Apple ist ein herausragender Vertreter des Kapitalismus, lasst auch uns Kapitalisten sein. Doch was genau bedeutet dies?

Ich trete ein für ein pragmatisches Verhältnis. Apple ist nicht dein Freund, ebenso wenig der dauergrinsende Apple-Store-Bubi der dich ständig ungefragt duzt. Apple will am Ende des Tages Geld verdienen, wir wollen Geld verdienen. Und alle wollen dabei sparen, wo sie nur können, ja?

Apple-Werbung: Streifzug durch die Jahrzehnte

Kampfansage an Apples Direktvertrieb

Gut so: Fangen wir also an und kaufen zukünftig nicht mehr bei Apple direkt, lasst uns den Apple Store links liegen. Stattdessen kaufen wir beim lokalen Händler vor Ort, meinetwegen auch im heimischen Onlinehandel. Dort bekommen wir noch einen kleinen Rabatt auf den offiziellen Apple-Preis – Geld, welches wir sparen und Apples Marge reduziert, denn der Hersteller muss ja auch etwas an den Handel abgeben. So stärken wir auch noch den heimischen Vertrieb. Den würde Apple übrigens am liebsten beseitigen, um so die Marge durch einen alleinigen Direktvertrieb nochmals zu steigern. Dies gelingt aber nicht, wenn über den klassischen Handel noch signifikante Umsätze getätigt werden. Was denn, dann musst du länger auf das neueste iPhone warten, denn Apple beliefert sich ja nachgewiesen bevorzugt selbst? Egal, es bringt dich nicht um auch mal etwas länger zu warten.

Was ist mit der Garantie? Kein Problem: Dafür ist der Apple Store gerade gut genug – kostenfrei und direkt für uns Kunden reparieren darf der Hersteller, da nutzen wir den Vorteil der Nähe und oftmaligen Kulanz. Ist es etwa unmoralisch günstiger woanders zu kaufen und die Reparatur Apple zu übergeben? Wenn ihr mich fragt: Nicht unmoralischer als Apples Steuersparmodell. Noch besser: Wir kaufen zukünftig gebraucht, dann verdient Apple kein zweites Mal dran und wir schonen am Ende noch die Umwelt.

Wir haben es in der Hand. Apple ist nicht mehr unser Freund, es wird Zeit dies endlich zu begreifen.

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