Steckdosennetze

Oliver Huq

Ethernet, DSL und WLAN gehören mittlerweile zum Standard bei Internet-Anschlüssen. Weniger verbreitet ist die Powerline-Technologie, mit der die Vernetzung über das Stromnetz erfolgt. Wir zeigen die Möglichkeiten mit dieser Technologie auf.

Steckdosennetze

Als Trägerfrequenzanlagen (TFA) bezeichnet man Anlagen zur Sprach- oder Datenübertragung über Kommunikations- oder Stromnetze. Erfolgt die Übertragung über das Stromnetz, so spricht man auch von Powerline Communication (PLC), kurz Powerline. Die Technologie setzt auf Trägerfrequenzmodula­tion für die Datenübertragung.

Internet via Powerline

Zu Beginn des Jahrtausends war Powerline vor allem als Alternative der Stromanbieter zu DSL von der Telekom im Gespräch. Doch die „Powerline“ hat ihre Schwachstellen, und so sorgt die Frequenzmodulation über nicht speziell abgeschirmte Stromleitungen für Elektrosmog, der unter anderem den Funkverkehr und Notruffrequenzen beeinträchtigt. Ein flächende­ckendes Internet-Angebot über das Stromnetz gibt es in Deutschland bisher nicht. Lediglich in Dresden (www.powerkom-dd.de), Ellwangen (www.tkg.odr.de), Hameln (www.pipernet.de), Haßfurt (www.schnell-im-netz.de), Hatzenbühl und Mannheim (www.vype.de) kann derzeit ein Internet-Anschluss über das Stromnetz realisiert werden.

Heimvernetzung

Das bedeutet nicht, dass PLC bedeutungslos geworden ist. Vielmehr hat sich der Fokus verschoben und es wird nicht mehr eine weitreichende Netzabdeckung in den Blick genommen, sondern die konkrete Vernetzung vor Ort als Alternative zu Ethernet und WLAN.
PLC bietet bei der Vernetzung zu Hause und in Büros gewisse Vorteile im Hinblick auf Ethernet und WLAN. Zum einen ist keine zusätzliche Verkabelung notwendig, da auf das bereits bestehende Stromnetz zurückgegriffen wird. Zum anderen ist die Störanfälligkeit im Vergleich zu WLAN niedriger.

Standardisierung

Ein weltweit einheitlicher Standard für Powerline (IEEE P1901) ist in Sicht. Dieser soll noch dieses Jahr verabschiedet werden und basiert auf dem weitverbreiteten HomePlug-AV-Standard. Produkte nach dem neuen Standard sollen mit den derzeitigen HomePlug-Geräten kompatibel bleiben. Derzeit ist es allerdings so, dass nicht alle Produkte, die HomePlug-kompatibel sind, auch mit den HomePlug-Geräten anderer Hersteller funktionieren. Der Standard sieht das zwar vor, schreibt die Interoperabilität jedoch nicht zwingend fest. Man tut also gut daran, auf die Geräte nur eines Herstellers zu setzen. Zusätzlich wird die HomePlug-GreenPhy-Spezifikation (HomePlug GP) für besonders energieeffiziente Datenübertragung in den IEEE-P1901-Standard integriert.
Was den Energieverbrauch betrifft, so verbrauchen zwei Adapter derzeit um die 20 Watt. Rechnet man für eine Kilowattstunde 0,20 Euro im Jahr, so ergibt sich bei 1 Watt ein Betrag von etwa 1,75 Euro. Die sparsamsten Adapter liegen derzeit bei etwa 3 Watt. Damit stehen minimal 6 Watt Leistungsaufnahme durchschnittlichen 20 Watt gegenüber. Das sind 14 Watt Unterschied im Jahr, mithin rund 25 Euro. Bei stromhungrigeren Geräten mit über 10 Watt Verbrauch differiert der Betrag weiter nach oben und steigt mit der Anzahl der verwendeten Adapter entsprechend an.

Vernetzung

Nachdem klar ist, dass der direkte Internet-Zugang über Powerline derzeit nur für wenige Haushalte in Deutschland überhaupt möglich ist, bleibt die Heim- und Bürovernetzung über die Steckdose. Der Vorteil liegt auf der Hand. Es müssen keine neuen Kabel verlegt werden und überall dort, wo ein Rechner zum Einsatz gelangt, findet sich in der Regel eine Steckdose. Zudem ist nicht in allen Gebäuden der Einsatz von WLAN möglich, da Stahlbeton oder anderes den Funk blockieren kann.

Einrichtung

Für die Vernetzung via Powerline benötigt man mindestens zwei Adapter. Diese bewerkstelligen die Signalmodulation, den Datentransfer sowie die Anbindung an die zu vernetzenden Geräte. In der Regel kommt für Letzteres ein Ethernet-Port zum Zug. Zur Installation setzt man die Adapter einfach in die entsprechenden Steckdosen und verbindet beispielsweise Rechner und DSL-Modem über Ethernet mit ihnen. Das war es – bei den modernen Geräten – auch schon. Einzige Voraussetzung ist, dass sich die beiden Adapter im gleichen Stromnetz befinden und die Signale nicht gedämpft werden. Letzteres passiert beispielsweise schon durch Stromzähler oder in Mehrfachsteckdosen mit integrierten Überspannungsableitern. Die Übertragung wird zwar nicht vollkommen absorbiert, um aber optimale Ergebnisse zu erzielen, sollte man die Adapter in einer Einzelsteckdose betreiben. Kann nicht auf besagte Steckdose verzichtet werden, so empfehlen sich spezielle Adapter mit integrierter Steckdose. Alles in allem erfordert die Inbetriebnahme keine weiteren Schritte. Die Verbindung steht. Die Konfiguration ist also grundsätzlich recht einfach.

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