Interview - Neue Träger für die USK - Ein Interview mit Claas Oehler vom G.A.M.E.-Verband

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(Daniel) Vor kurzem hat die USK ihren Träger gewechselt. Damit ist nicht mehr der Förderverein für Jugend und Sozialarbeit – kurz fjs – für die freilwillige Selbstkontrolle verantwortlich, sondern die Industrieverbände BIU und der G.A.M.E.. Natürlich fragen sich nun Zocker und Zockerinnen in Deutschland, welche Veränderungen diese Umstrukturierung für den Jugendschutz mit sich bringt und was in Zukunft von der USK zu erwarten sein wird.
Um ein wenig Licht ins Dunkel zu brigen haben wir uns mit Claas Oehler vom Bundesverband der Entwickler von Computerspielen G.A.M.E. e.V. unterhalten. Was er zu sagen hatte, könnt Ihr hier nachlesen!

Interview - Neue Träger für die USK - Ein Interview mit Claas Oehler vom G.A.M.E.-Verband

Class Oehler

Foto: Claas Oehler

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Herr Oehler, die Bundesverbände G.A.M.E. und B.I.U. haben nun die Trägerschaft über die USK indirekt übernommen. Sicherlich fragen sich nun viele, welche Veränderungen diese Umstrukturierung bedeutet. Gibt es einen Maßnahmen-Katalog und eine Roadmap, die sie nun abarbeiten? Wenn ja, wie sieht die aus?

Claas Oehler:
Ja, es gibt eine Roadmap. Die Veröffentlichung ist aber zu einem geeigneten späteren Zeitpunkt geplant, wenn
die (technische) Abwicklung abgeschlossen ist. Momentan sind noch zu viele Verwaltungsaufgaben zu erfüllen. Bitte haben Sie dafür Verständnis.

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Sie sprachen in der Pressemitteilung das Thema “mangelnde Transparenz” an. Wird das große Konstrukt bestehend aus USK, Obersten Landesjugendbehörden und BPjM in Zukunft verständlicher gegliedert, oder gar reformiert?

Claas Oehler:
Das System beruht auf dem Jugendschutzgesetz (§ 14). Daran ändert sich nichts.
Wir als Verbände liefern nur die Infrastruktur. Inhaltliche Entscheidungen treffen nach wie vor die “Oberersten Landesjugendbehörden” durch ihre ständigen Vertreter. Inhaltliche Fragen zu Kennzeichen und dem Verfahren können wir nicht beantworten. Das fällt nicht in den Aufgabenbereich der Verbände.

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Wird das Thema “Transparenz” auch die Vergabe von Alterseinstufungen mit einbeziehen? Gibt es Pläne Endverbrauchern – und vor allem Eltern – die Gründe für eine Alterseinstufung offenzulegen? Nicht im Allgemeinen, sondern unmittelbar für jeden eingestuften Titel, nach einem einfachen und übersichtlichen System?

Claas Oehler:
Ja. Das ist ein klares Ziel. Wir wollen die Prüfkriterien transparenter machen. Die Begründung für eine einzelne Altersfreigabe liegt jedoch nach wie vor bei den OLJB, die den Prüfungsprozess verantworten.

Aus Sicht von G.A.M.E. als Entwicklerverband gilt das auch für den Entwicklungsprozess.
Wir engagieren uns unter anderem in der Trägerschaft der USK, um die Bewertungskriterien auch unter Entwicklern von Computerspielen bekannter zu machen. Es ist notwendig, unseren Mitgliedern das Jugendschutzsystem in Deutschland besser zu erklären. Es ist inzwischen so kompliziert, dass selbst ausgewiesene (Rechts-)Experten die Komplexität und fehlende Rechtssicherheit beklagen.

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Der B.I.U. hat sich vor nicht allzulanger Zeit den Gesetzesänderungen gegenüber sehr kritisch geäußert.
Einer der Vorschläge war es, die Darstellung der Altersfreigaben nach dem Prinzip “0, 6, 12, 16, 18″ zu vereinfachen.
Eine weiterer Kritikpunkt bezog sich darauf, dass die USK nicht auch für Prüfung von Spielen verantwortlich ist, die über das Internet verbreitet werden. Sehen Sie da auch Verbesserungsbedarf?

Claas Oehler:
Wir haben mit unseren Mitgliedern hierrüber diskutiert und stehen im Dialog mit anderen Verbänden der Internetwirtschaft (BVDW, BITKOM, BIU, ECO).
Es ist in der Tat schwer nachvollziehbar, warum im Online- und Offline-Bereich verschiedene Spielregeln herrschen, zumal die Grenzen verfließen.
Plausibel wäre für uns, vorhandene Inhalte nicht nach dem Verbereitungsweg, sondern nach den Inhalten zu unterscheiden. Rechtssicherheit, die ein Kennzeichen liefern kann, wäre auch im Internet wünschenswert.
Hiervon sind wir aber noch weit entfernt.
Die Trennung nach Verbreitungswegen ist jedenfalls nicht die beste denkbare Unterteilung.
Sie ist in Deutschland historisch gewachsene Strukturen und über Gesetzgebungskompetenzen zu erklären.
Eine Unterteilung nach Inhalten müsste man nach festen Inhalten differenzieren (die man vorher einstufen und
Kennzeichnen kann) und nach anderen Diensten, die Bestandteil sind (Chat, User generated Content usw.).
Diese Inhalte kann man dem Hersteller eines Spiels nicht zuweisen.

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Die USK genießt – unserer Meinung nach zu Unrecht – sowohl bei Gamern, als auch in der Politik kein sehr hohes Ansehen. Wie wollen Sie die Wahrnehmung der USK verbessern?

Claas Oehler:
Auf kommunikativer Ebene wird die USK das Prüfverfahren transparenter nach Außen tragen und sowohl die Konsumenten als auch die Branche besser über die Arbeit der USK informieren.
Dadurch soll das Verständnis für die Funktion als Teil eines funktionierenden Jugendschutzes nachvollziehbarer werden.

Wir danken Herrn Oehler für seine Zeit und seine Offenheit in diesem Interview.

Alles in Allem lässt uns das Interview aufatmen. Die kürzlich beschlossenen Gesetzesänderungen, die zu einem verbesserten Jugendschutz führen sollen, werden weiterhin von den Branchen-Verbänden kritisch begutachtet und weitergedacht. Das ist wichtig, damit das Jugendschutzsystem in Deutschland weiterhin gut funktioniert und damit die Konsumenten in Zukunft die Arbeit der USK und auch die Kennzeichnung von Spielen leichter verstehen können. Das große Thema der Transparenz – das auch von der Politik gewünscht ist – haben sich die Branchenverbände als neuer Träger der USK also auf die Fahnen geschrieben.
Wer erwartet, dass es in Zukunft “leichtere” oder “härtere” Alterseinstufungen bei Spielen geben wird, geht von falschen Tatsachen aus:

Die USK prüft die Spiele.
Die USK empfiehlt eine Alterseinstufung.
Die Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden fällen das Urteil.

An diesem seit 2004 existierenden System wird nicht gerüttelt.
Die erklärten Ziele der neuen Träger sind:

  • Verbesserung der Kennzeichnungsverfahren
  • Etablierung einer einheitlichen Kennzeichnung von Spielen unabhängig von der Verbreitung (Internet, Geschäft)
  • Verbesserung der Kommunikation zu allen Beteiligten (Branche, Verbraucher, Politik)
  • Weitere Themen: USK, BIU

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