Bose muss vor Gericht: Der Kopfhörerhersteller sammle unerlaubt Nutzerdaten [Update: Abschalt-Option]

Stefan Bubeck
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Bose weiß, was du hörst und gibt diese Daten ohne Erlaubnis an Datenanalysefirmen weiter – so der Vorwurf einer aktuellen Sammelklage in den USA.

Bose muss vor Gericht: Der Kopfhörerhersteller sammle unerlaubt Nutzerdaten [Update: Abschalt-Option]
Update vom 05.05.2017, 10:15 Uhr: Die neueste Version 4.1.0 der App „Bose Connect“ bietet Nutzern die Option, die Erfassung von Daten abzulehnen – so werden keine Nutzungsdaten an Bose gesendet. Das Update ist ab sofort für Android- und iOS-Geräte verfügbar.

Originalartikel vom 21.04.2017:

Wer jetzt aufgrund spontaner Paranoia seine – hervorragend klingenden – Bose Soundsport Wireless oder QuietComfort 35 aus dem Fenster wirft, hat vielleicht zu voreilig gehandelt. Nicht die Hardware soll der Spion sein, sondern die App „Bose Connect“. Diese wird für den Betrieb der Kopfhörer nicht zwingend benötigt. Trotzdem eine heikle Angelegenheit, denn Bose empfiehlt ausdrücklich den Gebrauch der App, mit ihr könne man „mehr aus dem Kopfhörer herausholen“. Diese Aussage bekommt nun in Anbetracht der eingereichten Klage eine ganz neue Lesart.

Daten sammeln ohne Erlaubnis: Bose droht Schadenersatz in Millionenhöhe

Es geht um persönliche Vorlieben, das Nutzungsverhalten, sogar um religiöse Ansichten – in einer 19-seitigen Klageschrift wirft ein Bose-QuietComfort-35-Besitzer namens Kyle Zak dem Premiumhersteller vor, die App „Bose Connect“ sammle detaillierte Benutzerdaten, welche das Unternehmen dann an Dritte verkaufe – beispielsweise an die Datenanalysefirma Segment.

Bose Connect
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Preis: Kostenlos

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Die konkreten Beispiele, die Zak in der Klage beschreibt, geben in der Tat zu denken: Ein Hörer der etwa den „HIV/AIDS Podcast“ von „The Body“ höre, sei höchstwahrscheinlich von der Krankheit betroffen und jemand, der sich muslimische Gebete anhöre, sei wahrscheinlich Moslem. Diese Informationen sind sehr persönlich und gehen zunächst einmal niemanden etwas an – die Benutzer könnten nicht erahnen, dass ihre Daten von Dritten ausgewertet werden. Zusammen mit den Informationen, die Bose-Kunden bei der (freiwilligen) Registrierung ihrer Produkte angeben, kann dabei ein sehr genaues Personenprofil entstehen.

Der Streitwert der Sammelklage soll über 5 Millionen Dollar betragen, eine Stellungnahme von Bose hierzu gibt es aktuell noch nicht.

Quellen: FAZ, Fortune

Weitere Themen: Bose Soundsport Wireless, Bose SoundLink Mini, Bose Companion, Bose SoundLink Wireless, Bose

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