C 64 Jubiläum – Warum euch das egal sein kann (und warum nicht)

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C 64 Jubiläum  – Warum euch das egal sein kann (und warum nicht)

Jägerhosen, Sissi-Filme und Ted Herold sind nicht cool. Wenn Eltern- und Großeltern gegenteiliges behaupten, dann werden sie von uns mit bestürzten Blicken und Mitleid bedacht. Als ich vor einiger Zeit dem zwölfjährigen Sohn eines Freundes erklären wollte, warum der Commodore 64 eine der größten Errungenschaften der westlichen Kulturgeschichte sei, wurde ich ganz ähnlich angesehen. Absolutes Unverständnis stand dem besagten Teenager ins Gesicht geschrieben. “Was soll daran bitte so toll sein” entfuhr es ihm. Ja, was eigentlich? Der Moment gab mir zu denken.

Was haben wir dem C 64, diesem von Zeitzeugen liebevoll als “Brotkasten” umschriebenen Personal Computer, tatsächlich zu verdanken? Wenn man sich die Literatur, die Jubiläumsreden und derzeitigen Gedenk-Artikel zum Thema mal genauer ansieht, dann bleiben die Leistungen des C64 überraschend nebulös. Andreas Wallstrom, Webmaster der Seite C64.com, beschreibt ihn zum Beispiel als “etwas Magisches” und der Chef-Redakteur von PC World stellt ihm “sehr viel Persönlichkeit” aus. Der C64 taucht hier nicht als ein technisches Gerät, sondern als verehrtes Relikt einer besseren Zeit auf.

Christian Stöcker, Autor des Buches und selbst leidenschaftlicher Vertreter der Genration C64, macht aus dem Rechner gar eine subversive Allzweckwaffe, die von den damaligen Teenagern vor allem für das Erreichen des Weltfriedens eingesetzt wurde. Die Hacker und Cracker von damals werden in seinem Buch auch schon mal zu idealistischen Pionieren mit Robin Hood Attitüde.


Ich persönlich habe das anders in Erinnerung. Ganz anders. Der Cracker meines Vertrauens lebte in einer heruntergekommenen Sozialbauwohnung, war arbeitsloser Alkoholiker und trug eine extreme Gleichgültigkeit für die Dinge vor seiner Haustür zur Schau. Von seiner Bevorzugung filterloser Roth-Händle Zigaretten einmal angesehen, verpflichtete sich dieser C64-Avantgardist keinerlei Idealismus. Der Kopierschutz der neusten C64 Spiele wurde von ihm gecrackt, weil halt die Kohle für die Ladenversion fehlte und die gecrackten Games wurden weitergegeben, weil sich außer ein paar zockenden Jugendlichen aus der Nachbarschaft, niemand mehr für den armen Kerl interessierte. Traurig aber wahr.

Mit dem jüngsten Wandel des “Nerds” vom sozialunfähigen Computerfreak zum Mainstream trauglichen Anti-Helden hat sich offenbar auch die Erinnerung an die C64 Ära verändert. Das dürfte in erster Linie daran liegen, dass die C64 Zeitzeugen von damals – heute Männer über 30 – offenbar ein starkes Bedürfnis nach Nostalgie und schönen Jugenderinnerungen entwickelt haben. Der “kultige” C64 kommt da wie gelegen.

Tatsächlich hat der C64 nie besonders viel hergemacht. In puncto Hardware war er der Konkurrenz – namentlich Apple II und Atari 800 – hoffnungslos unterlegen. Sein Floppy Laufwerk war extrem langsam, seine Programmiersprache BASIC veraltet, der ganze Rechner war schwerfällig, laut und klobig.

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Weitere Themen: NERD, Commodore


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