Steckdosen-Internet: Stromnetz der Zukunft

Sebastian Trepesch
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Den Internetanschluss im ganzen Haus verteilen – neben WLAN ist die Datenübertragung über das Stromnetz eine schnelle und leicht einrichtbare Lösung. Eine ganze Reihe von Ausstellern präsentieren in diesen Tagen auf der CeBIT neue Produkte und geben Ausblick, wohin die Zukunft führt. Mit AVM, Hersteller der bekannten Fritz!Box, bietet zudem ein neues Unternehmen eine LAN-Verlängerung an.

Fritz!Powerline 500 E (im Foto zusammen mit dem neuen WLAN-Repeater 300E) nennt AVM sein neues Gerät, mit dem der Berliner Kommunikationsspezialist sein Portfolio erweitert. Der Adapter verlängert das Gigabit-LAN über die häusliche Stromleitung. Dafür wird der Stecker, der mit dem DSL Modem per LAN-Kabel verbunden ist, in eine herkömmliche Steckdose gesteckt. Aus jeder anderen Dose im Haus kann mit einem zweiten Adapter der Datenstrom extrahiert und per LAN-Kabel zum Rechner geführt werden. Das AVM-Set mit zwei Steckern ist mit einer 128Bit-AES-Verschlüsselung ausgestattet und setzt auf den Standard IEEE P1901 mit Geschwindigkeiten bis zu 500 Megabit pro Sekunde.

500 Megabit pro Sekunde, braucht man die Geschwindigkeit überhaupt? Oder reichen auch langsamere Produkte der Konkurrenz? Der AVM-Mitarbeiter verweist auf Haushalte, in denen viele Nutzer gleichzeitig surfen oder streamen. Konkurrent devolo führt noch einen weiteren wichtigen Grund auf: Bei größeren Strecken nimmt die Datenrate ab, irgendwann komm nur ein Bruchteil des ursprünglichen Werts an. Mit einem höheren Ausgangswert ist die Verbindung bis zum Rechner höher. Als Standardreichweite gibt das Unternehmen 300 Meter an. “Das reicht für den Großteil aller Steckdosen in einem Haus”, weiß Martin Gebel von devolo.

Produkte unterschiedlicher Hersteller mit dem gleichen Standard sind untereinander kompatibel. Fritz!Powerline 500E erscheint voraussichtlich im Mai offiziell für 149 Euro – es kann jedoch bald mit einem Marktpreis von 100 Euro gerechnet werden. Auch devolo präsentiert auf der Messe Produkte mit dem neuen 500 Megabit-Standard.

“Wir sind nicht nur Weltmarktführer”, glaubt Gebel, “sondern auch technischer Kompetenzführer.” Devolo entwickelte schon mehrere Generationen von Netzwerkanschlüssen über Stromleitungen. Was plant der Kompetenzführer für die Zukunft? Nur Geschwindigkeitszuwächse? Im Gegenteil: Die Labore arbeiten an einer Lösung, die zwar geringe Datenraten, aber weite Distanzen bietet. Ziel ist es, ein “intelligentes Stromnetz” zu installieren. Die Energieversorger können damit ausgewählte Haushaltsgeräte steuern,

und damit für einen gleichbleibenderen Strombedarf sorgen. Beispiel: Ein Kühlschrank kühlt nur einige Minuten pro Stunde aktiv die Temperatur herunter. Durch eine Datenanbindung könnten diese Betriebszeiten von zahlreichen Haushalten abgestimmt und damit der Gesamtbedarf konstant werden. Einen Prototyp des Steuerungsmodems zeigte devolo auf der CeBIT (Foto links).

Derartige intelligente Stromsteuerungen sind schon länger in Entwicklung. An der TU Ilmenau lief vor ein paar Jahren ein Projekt, dass die Voraussetzungen intelligenter Haushaltsgeräte-Steuerung erforschte. Die Überlegungen gingen sogar so weit, dass fertig beladene Waschmaschinen innerhalb eines Tages ferngestartet werden sollten: über eine Datenverbindung zur Energieagentur. Der Zeitpunkt für den Start sollte automatisch so gewählt werden, dass möglichst ein Stromüberschuss verwendet werden kann und damit der aktuelle Preis an der Strombörse günstig ist – ein Kostenvorteil, der an den Stromverbraucher weitergegeben werden kann.

Weitere Themen: Internet, Devolo

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