Die Welt der Farbmetrik

J. R. Kuhnen-Burger

Farbmanagement ist aus dem grafischen Alltag nicht mehr wegzudenken und geht in der Praxis ganz neue Wege. Wir berichten
vom Fogra Colormanagement Symposium 2010.

Die Welt der Farbmetrik

Alle zwei Jahre treffen sich professionelle Anwender, Hersteller und Consultants auf Einladung der Forschungsgesellschaft Druck (Fogra) in München zum Gedankenaustausch über das Farbmanagement. Im Fokus der diesjährigen Veranstaltung standen Strategien für die optimale Farbtransformation durch bildabhängige Verarbeitung und für den Softproof. Letzteres war auch an der Ausstellung abzulesen, denn mit ICS (Remote Director), ­Kodak (Matchprint Virtual), Kflow/Basiccolor (Smartt) und Serendipity (Veripress) waren mindestens genauso viele Anbieter von Softproof-Lösungen zugegen wie Hersteller des Hardcopys (CGS, GMG, EFI).
Eröffnet wurde das Symposium von Adobe mit einer Präsentation über PDF als farben­frohes Austauschformat in der grafischen Industrie mit einem Ausblick darauf, was PDF kann, noch nicht kann und irgendwann können soll. Des Themas Softproof nahm sich in grundlegender und definierender Art und Weise der Vortrag der Fogra an, die im letzten Jahr das ­FograCert-Softproof-Programm eingeführt hat. Dabei werden von der Fogra vorzertifizierte Monitore und Normlichtkästen in Verbindung mit einer Softproof-Software einer umfangreichen Testprozedur unterworfen und nach Bestehen der Vorgaben als Gesamtsystem zertifiziert. Dieses Fogra-Zertifikat bietet den Anwendern damit die Gewissheit, dass das Gespann aus Software, Monitor und Leuchtkasten in der Lage ist, Softproofs auf sehr hohem Niveau durchzuführen. Auf Basis der Fogra-Forschungsarbeit und der Erfahrungen aus dem FograCert Softproof ist auch bereits eine ISO-Norm in Vorbereitung. Die Vorträge zum Softproofing in der Praxis und zum Thema PDF/X-5 und Multicolor-Profile für den Softproof ergänzten den Themenschwerpunkt Softproof.
Die korrekte Farbdarstellung von Sonder­farben im Hardcopy-Proof und ein optimales Farbmanagement auch jenseits von CMYK beziehungsweise die Abmusterung für den Verpackungsdruck waren weitere Schwerpunkte der Veranstaltung. Als besonderes Highlight erwies sich dabei der Druck mit weißer Tinte auf dem neuen Epson WT7900, was völlig neue Dimensionen bei Packaging-Proofs offenbarte.
Doch auch beim Standard-Hardcopy-Proof sind noch Optimierungen möglich, die im Rahmen von Tutorials präsentiert wurden. So sind die 72 Felder des Medienkeils 3 zwar in der ­Regel für die Proof-Zertifizierung ausreichend, eine genaue Aussage darüber, wie die Farben insgesamt reproduziert werden, kann der Medienkeil aber nicht bieten. Hier zeigte die Erzeugung bildabhängiger dynamischer Medienkeile einen Weg zur Lösung der Diskrepanz zwischen bestandenem Proof auf der einen Seite und deutlicher Abweichung der Bildinhalte auf der anderen Seite.
In einem weiteren Tutorial präsentierte der Australier Graeme Gill das freie Open-Source-Farbmanagement-System, welches unter anderem eine leistungsstarke, bildabhängig motivierte Farbtransformation auf ICC-Basis bietet.
Einen Ausblick auf zukünftige Arbeitsweisen gestatteten der Vortrag über metameriefreie Farbreproduktion durch Multispektraltechnik und die praktische Vorführung eines angewandten Multispektralsystems im Rahmen der Ausstellung.          J.R. Kuhnen-Burger/ok

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