Europe vs. Facebook - Wem gehören Deine Daten?

Holger Blessenohl
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Seit Mark Zuckerberg in einer weltweit beachteten Pressekonferenz das neue Facebook-Design mit der Timeline vorgestellt hat, laufen Datenschützer wieder einmal Sturm gegen das soziale Netzwerk. Timeline verwandelt den Facebook-Account in ein großes Tagebuch. Ein sehr öffentliches Tagebuch allerdings. Geht Facebook zu weit? Wie hält es der Konzern eigentlich mit Deinen Daten?

Europe vs. Facebook - Wem gehören Deine Daten?

Neu ist die Konfliktlinie zwischen Facebook und der Privatsphäre des Users nicht. Theoretisch schreiben die in Europa geltenden Datenschutzgesetze dem sozialen Netzwerk sogar vor, jedem User genau Auskunft darüber zu geben, welche Daten es gespeichert hat. Das Gesetz gilt für alle Unternehmen, also auch Facebook Inc. Der deutsche Blogger Richard Gutjahr hat jetzt ein HowTo geschrieben, wie man Facebook dazu bringt, die Daten rauszurücken. Ganz einfach ist das natürlich nicht, es fängt schon damit an, dass Facebook Europe seinen Firmensitz in Irland hat. Aber nach Absenden der Anforderung muss Facebook laut Gesetz innerhalb von 40 Tagen alle persönlichen Daten zugänglich machen.

Leider funktioniert das bisher nur auf dem Papier. Wie der Student Max Schrems durch einen Selbsttest herausgefunden hat, informiert einen Facebook als erstes, dass es die gesetzliche 40-Tages-Frist nicht einhalten kann und dass es zu “erheblichen Verzögerungen” kommen könne. Angeblich kämen die damit beschäftigten Mitarbeiter bei der Flut von Anfragen nicht mehr mit, was aber angesichts der vielen Hürden, die Facebook aufbaut, bis überhaupt mal jemand einen korrekten Antrag eingereicht hat, nicht allzu glaubhaft klingt.

Wie Richard Gutjahr in seinem Blog weiter ausführt, hat Facebook darüber hinaus eine ziemlich abenteuerliche Auffassung von der Bedeutung der gesammelten Daten. Demnach sind die Daten, die Facebook bei seinen Usern, also Euch sammelt, nach Auffassung von Facebook zumindest teilweise deren “geistiges Eigentum” beziehungsweise “Geschäftsgeheimnisse” und werden dieser Auffassung gemäß trotz Anforderung nicht herausgegeben. Dazu zählen zum Beispiel die Likes, die jeder User vergeben hat oder biometrische Angaben, die für die Gesichtserkennung benötigt werden.

Nicht nur Datenschützer fragen sich da entsetzt, was für eine absurde Rechtsauffassung bei Facebook am Werke ist, die höchst private Bewertungen und Angaben zur biometrischen Erkennung einfach in Unternehmensbesitz umerklärt.
Eine nicht ganz ungefährliche Sache, wenn man sich klar macht, dass Facebook wirklich alles, von Logins über Likes bis zu jedem Kommentar für alle Zeiten speichert, selbst wenn man den Account löscht.

Wenn Ihr Euch das nicht mehr gefallen lassen wollt, könnt Ihr auf der Website Europe vs. Facebook viele Infos zum Thema finden und eine Anleitung, wie Ihr Facebook dazu bekommt, Eure Daten rauszurücken. Seitenbetreiber Max Schrems hat eine ganze CD mit mehr als 1.200 Seiten bekommen, die Facebook über ihn gesammelt hat. Und das war – wie oben beschrieben – noch nicht einmal alles.

Weitere Themen: Facebook Lite, Facebook

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