Facebook Update: Mobile App „liest“ blinden Nutzern Fotos vor

Tuan Le
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Facebook arbeitet aktiv daran, das soziale Netzwerk auch für Menschen mit Sehbehinderung zugänglich zu machen. Im kommenden Update für die mobile App verwendet der Social-Media-Gigant künstliche Intelligenz, um blinden Nutzern automatisch vorzulesen, was auf Fotos zu sehen ist, die andere Nutzer gepostet haben.

Facebook Update: Mobile App „liest“ blinden Nutzern Fotos vor

Algorithmen und künstliche Intelligenzen zur Erfassung von Bildinhalten zu verwenden ist im Grunde keine neue Idee. Google arbeitet für den hauseigenen Foto-Dienst schon seit geraumer Zeit daran, bestimmte Objekte, Orte und natürlich auch Personen mithilfe von Software identifizieren zu können. Die Erfolge sind hier allerdings noch recht überschaubar: Zuletzt gab es sogar einen schwerwiegenden Skandal, als Googles Software zwei Menschen afroamerikanischer Abstammung durchgängig als Gorillas „identifizierte“.

Neben Google arbeitet aber auch Facebook an einer solchen Technologie, wenngleich aus etwas anderen Gründen: Während für Google die Möglichkeit zur automatischen Katalogisierung von Bildern im Vordergrund steht, will Facebook mittels künstlicher Intelligenz Menschen mit Sehbehinderung den Zugang zum sozialen Netzwerk erleichtern.

Dass vor allem Fotos in sozialen Netzwerken eine große Rolle spielen, ist einleuchtend: Viele Posts von Freunden und Bekannten im Netzwerk sind nicht selten nur mit Emojis oder sehr kryptischen Beschreibungen versehen, die man ohne das dazugehörige Foto gar nicht versteht.

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Seit 5 Jahren gibt es bei Facebook ein Accessibility Team, das sich für eine für alle Nutzergruppen geeignete Bedienung einsetzt. Zu den Erfolgen aus der Vergangenheit gehörten unter anderem kleine Meilensteine wie der Zusatz von Bilduntertiteln für Gehörlose in Videos sowie die Möglichkeit, innerhalb der App (zumindest unter iOS) die Schriftgröße deutlich zu erhöhen.

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Das neue Ziel des Teams ist ungleich ehrgeiziger: In Zukunft sollen Fotos vollständig von einer künstlichen Intelligenz beschrieben und deren Inhalt für Menschen mit Sehbehinderung vorgelesen werden. Ein erster Meilenstein ist das ab sofort für iOS-Geräte (Android folgt) in ausgewählten Regionen verfügbare Update, in dem Facebook das so genannte Automatic Alternate Text-Feature einführt. Die Software erkennt bestimmte Objekte automatisch und liest dem Nutzer die erfassten Informationen vor.

Transportmittel wie Autos, Schiffe oder Flugzeuge kann die Software ebenso zuverlässig erkennen wie verschiedene Landschaften (Berge, Schnee, Sonnenuntergänge), Sportarten und – besonders wichtig auf Plattformen wie Facebook, wo quasi jeder Restaurant-Besuch fotografisch dokumentiert wird – verschiedene Gerichte wie Sushi oder Pizza. Generell gehen die Entwickler nach der Prämisse vor, dass manchmal keine Informationen besser sind als inkorrekte Informationen – wie auch Googles Gorilla-Fail gezeigt hat. Daher liest die KI nur Bilder vor, von denen sie sich zu 80 Prozent sicher ist, was auf den Fotos geschieht. In sensiblen Fällen, wenn es etwa um die Ethnie geht, muss die Wahrscheinlichkeit sogar noch höher sein.

Automatic Alternative Text

Facebook accessibility specialist and engineer Matt King lost his vision completely in college. When he joined our accessibility team after more than 20 years in the accessibility field, one of the projects he was most excited to work on centered on using object recognition technology to automatically describe photos for people who are not able to see those photos. Today, with our launch of automatic alternative text, we're taking an important step towards achieving that goal.Automatic alternative text, or automatic alt text, is a new feature that generates a description of a photo through object recognition technology for someone who cannot see the photo. Before today, people who are visually impaired could only hear the name of the person who posted the photo as they scrolled past photos on Facebook. Now, if they're using a screen reader on iOS, they'll hear a richer description of the photo thanks to automatic alt text. For example, for a group photo on the beach, a person using a screen reader on iOS would now hear, “This image may contain: Three people, smiling, outdoors.” We are rolling this out in English over the next few weeks and will add more languages and platforms soon.Facebook's mission is to make the world more open and connected, and that means everyone, including the visually impaired community. Worldwide, more than 39 million people are blind, and over 246 million have a severe visual impairment. While this technology is still in its early stages, tapping its current capabilities to describe photos is a huge step toward providing our visually impaired community the same benefits and enjoyment that everyone else gets from photos. As Facebook becomes an increasingly visual experience, we hope our new automatic alt text technology will help the visually impaired community experience Facebook the same way others enjoy it.

Posted by Facebook Accessibility on Montag, 4. April 2016

Wie die Kollegen von The Verge berichten, konnte die Facebook-Software im Test zwar das Bild von einer Pepperoni-Pizza mit Oliven korrekt mit den Tags „Pizza“ und „Essen“ versehen, allerdings wurden weder Pepperonis noch Oliven erkannt. Dazu ist es künftig notwendig, dass auch der Kontext des Fotos berücksichtigt wird: Optisch könnte es sich bei den schwarzen Oliven auch um Lakritz handeln, auf einer Pizza hat diese aber für gewöhnlich nichts zu suchen. Derartige Feinheiten wird die Facebook-Software aber in Zukunft sicherlich auch lernen – und hoffentlich bald auch für Android-Nutzer bereitstellen.

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Quelle: Facebook Accessibility via The Verge

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