Googles neuer Social-Network-Versuch: Hoffen auf Facebook-Daten

Tizian Nemeth
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Erneut plant Google einen Vorstoß auf den Markt der Social Networks: Noch in diesem Herbst möchte der Suchmaschinenbetreiber in die wichtigsten Produkte Elemente für ein soziales Netzwerk integrieren. Dafür würde sich Google gern den Zugang zu den Facebook Kontakt-Listen der Anwender verschaffen.

Die Pläne für ein soziales Netzwerk hat Google-CEO Eric Schmidt auf der “Zeitgeist”-Konferenz präsentiert. Die Verknüpfung der unterschiedlichen Google-Dienste wie die Google-Suche, Maps, Mail und Docs über ein Social Network soll demnach mit einer Art Layer erfolgen.

Nun hofft Google für das eigene Netzwerk also auf die Daten von Facebook-Anwendern. “Das beste, was Facebook machen könnte, ist, die Daten zu veröffentlichen”, sagt Schmidt während der Konferenz. Das Facebook die Daten seiner 500 Millionen Nutzer so ohne Weiteres an Google rausgibt, darf bezweifelt werden. Immerhin tritt Google mit dem eigenen Social Network in direkte Konkurrenz zu Facebook.

Der Wunsch indes ist nachvollziehbar: Bislang ist das Unternehmen Google mit seinen zahlreichen Versuchen, eine eigene Social-Network-Plattform zu etablieren, gescheitert. Zu den letzten erfolglosen Versuchen gehören beispielsweise die Twitter ähnliche Anwendung Buzz und die Nachrichten-Anwendung Google Wave. Lediglich mit dem sozialen Netzwerk Orkut feiert Google einen kleinen Erfolg – in Brasilien ist es eines der meist-verwendeten Netzwerke.

Das der Suchmaschinenbetreiber trotz der Misserfolge weiterhin intensiv an diesem Thema arbeitet, zeigen auch die Übernahmen von Angstro und Slide Inc.. Mit Angstro hat Google ein Unternehmen erworben, das Nachrichten für Social Networks organisiert. Und Slide Inc. entwickelt Anwendungen für Facebook.

Was die Google-Verantwortlichen inspiriert ist sicherlich auch das ungebremste Wachstum von Facebook: Jahr für Jahr seit der Gründung 2004 wächst die Plattform um das Dreifache und hat mittlerweile eine halbe Milliarde Nutzer. Und das eigene 20 Milliarden US-Dollar Werbegeschäft in einem Sozialen Netzwerk etablieren zu können, dürfte auch ein wichtiger Anreiz sein.

Der Erfolg des erneuten Versuchs, im Social-Network-Markt Fuß zu fassen, hängt letzendlich von Facebook ab. Stellt der Dienst die Daten seiner Mitglieder Google zur Verfügung, dann hat der Suchmaschinenbetreiber mit einem Schlag Zugriff auf eine riesige Anwendergemeinde. Die fehlte Google bislang, da ein soziales Netzwerk nur dann Erfolg hat, wenn vom Start an eine große Masse das Medium auch benutzt. Und im Falle der Facebook-Gemeinde hätte Google zudem den Vorteil, dass man Anwender hat, die den Dienst bereits fest in ihrem Alltag integriert haben.

Bild: webtreats, “154 Blue Chrome Rain Social Media Icons”. Some rights reserved. Flickr.

Weitere Themen: Facebook Lite, Facebook

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