Foxconn soll minderjährige Arbeitskräfte vor FLA-Inspektionen versteckt haben

Apple Lieferanten Arbeiter

Die Vorwürfe gegen und kritische Berichterstattung über den chinesischen Hersteller Foxconn reißen nicht ab. Nachdem der US-Sender ABC einen Bericht über das Unternehmen ausgestrahlt hatte, meldete sich nun eine weitere Organisation zu Wort. Foxconn wird dabei unter anderem vorgeworfen, minderjährige Arbeitskräfte vor den FLA-Kontrollen zu verstecken.

Im Interview mit AppleInsider sagte Debby Sze Wan Chan, Projektleiterin bei der in Hongkong ansässigen Nichtregierungsorganisation Students & Scholars Against Corporate Misbehavior (SACOM), was sie von zwei Foxconn-Mitarbeitern erfahren habe: Das Unternehmen habe keine Angestellten im Alter von 16 bis 17 Jahren für Überstunden eingeteilt oder sie in anderen Abteilungen eingesetzt. Eine andere Mitarbeiterin sagte, dass sie aufgrund der Untersuchungen der Fair Labor Association (FLA) statt einer Pause pro Tag nun drei Pausen nehmen könne.

Apple erlaubt seinen Lieferanten die Anstellung von Mitarbeitern, die zwischen 16 und 18 Jahren alt sind, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Diese beschränken unter anderem die Art der auszuführenden Arbeiten und die Arbeitszeiten.

Im Rahmen des ABC-Specials war unter anderem herausgekommen, dass Apple 250.000 US-Dollar an die FLA gezahlt habe, um der Organisation beizutreten. Auch die Kosten der derzeit laufenden Inspektionen in China werden von Apple getragen. FLA-Chef Auret van Heerden sagte dem Team des US-Senders, dass man damit rechne, von Foxconn eine Show präsentiert zu bekommen. Die Untersuchungen sollen derartige Verstöße aber dennoch aufdecken.

Laut SACOM äußerten einige Foxconn-Mitarbeiter ihre Zweifel an Apples guten Vorsätzen. Die Offiziellen aus Cupertino hätten die Verstöße mit eigenen Augen gesehen und sich dazu entschieden, nichts dagegen zu unternehmen. Chan hofft, dass Tim Cook die Arbeitsbedingungen bei den Lieferanten verbessert, hat aber ähnliche Zweifel wie die Foxconn-Mitarbeiter.

Chan habe in der Vergangenheit mehrfach versucht Reporte, Petitionen und andere Dokumente über die Arbeitsbedingungen an Apple zu übergeben. Dafür war sie sogar nach Cupertino gereist, wo der Empfang die Entgegennahme der Dokumente abgelehnt habe. Ein Sicherheitsmitarbeiter habe diese entgegen genommen und versprochen, sie an die richtigen Personen zu übergeben. Mehr als zwei Jahre später wartet Chan weiterhin auf eine Reaktion von Apple.

Auf die Frage, ob die von der New York Times genannten Bedingungen in den chinesischen Fabriken korrekt seien, sagte Chan, dass sie sehr ähnliche Erfahrungen gemacht habe. “Die Mitarbeiter fühlen sich wie Maschinen”, so Chan.

“Der normale Tagesablauf sei aufstehen, anstehen für die Duschen, arbeiten und dann zurück in die Unterkünfte, um Schlafen zu gehen. Sie haben kein Sozialleben und führen täglich tausendfach dieselben Arbeitsschritte durch. Wenn sie dabei nicht produktiv sind oder Fehler machen, werden sie von den Vorarbeitern angeschrien oder bestraft.”

Chan warf den Medien des Weiteren vor, dass einige wichtige Aspekte der Arbeitsbedingungen vernachlässigt werden: Unfreiwillige Arbeit und der Einsatz studentischer Arbeitskräfte und Schüler. Laut Chan greift die chinesische Regierung Foxconn bei der Rekrutierung unter die Arme und zwingt Schulen manchmal dazu, Studenten und Schüler als Praktikanten in das Unternehmen zu schicken

, obwohl die Arbeiten nichts mit ihren Fächern zu tun haben.

Foxconn, Apple und die FLA reagieren auf ABC-Bericht

Nachdem der US-Sender ABC am Dienstagabend sein Nightline-Special ausgestrahlt hat, haben sowohl Apple, als auch Foxconn und die Fair Labor Association auf den Bericht reagiert.

Darin korrigiert Apple einige Details, welche unter anderem das Arbeitsaufkommen einer im Beitrag gezeigten Mitarbeiterin betreffen.

Foxconn schlüsselte seinerseits die Bezahlung der Mitarbeiter weiter auf. Mehr als 75 Prozent der Mitarbeiter verdienen pro Monat 349 US-Dollar, was einem Stundenlohn von 2,18 US-Dollar entspricht. Wenn sie Überstunden am Wochenende machen, verdienen sie dafür 4,28 US-Dollar pro Stunde.

Die Fair Labor Association nannte weitere Details, wie es zu der Kooperation zwischen ihnen und Apple gekommen sei. Die ersten Unterhaltungen haben im April 2007 begonnen, rissen jedoch im März 2008 ab. Im April 2009 wurden die Gespräche wieder aufgenommen und man entschloss sich zu einem Pilotprogramm, damit Apple herausfinden konnte, wie die Organisation arbeitet. Daraufhin wurde ein zweites Projekt durchgeführt, welches laut Auret van Heerden dazu geführt habe, dass Apple Ende 2011 der FLA beigetreten ist. Er glaubt, dass diese Entscheidung vor den Recherchen der New York Times getroffen wurde.

Apple hatte Anfang der vergangenen Woche angekündigt, die FLA habe mit ihren Inspektionen der chinesischen Lieferanten begonnen. FLA-Chef Auret van Heerden nannte die Bedingungen in den Fabriken zunächst erstklassig, ruderte aber schnell mit seinen Aussagen zurück und erklärte, dass man haufenweise Probleme gefunden habe. Die FLA war in der vergangenen Woche in die Kritik geraten.

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