Foxconn will echten Betriebsrat wählen lassen

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Der taiwanesische Fertigungsriese Foxconn will jetzt effektive Betriebsräte in seinen Fabriken in China wählen lassen. Dies meldet die Financial Times. Bislang existieren zwar formal Arbeitnehmervertretungen, diese sind jedoch zum größten Teil mit Managern besetzt — Fließbandarbeiter sind stark unterrepräsentiert.

Foxconn will echten Betriebsrat wählen lassen

Nach demokratischen Grundsätzen gewählte Betriebsräte sind in China eine Seltenheit. Der britischen Zeitung Financial Times zufolge werden solche Vertretungsorgane üblicherweise von der Lokalregierung und der Unternehmensleitung dominiert. Jetzt sollen aber bei Foxconn ausschließlich die Fabrikarbeiter ihre Repräsentanten wählen.

Die Wahlen werden zudem geheim statt finden. Auch der Nominierungsprozess bleibe ohne Einwirkung des Managements. Nach dem chinesischen Neujahrsfest soll zum Ende des Monats eine Art Übungswahl stattfinden. Foxconn rief sich dafür die Fair Labour Association (FLA) zur Hilfe. Die unabhängige US-Organisation soll die Arbeiter über ihre Rechte aufklären und den Ablauf der Wahlen im Auge behalten.

Der in dieser Probewahl ermittelte Betriebsrat soll bis zum Ende des Jahres 2013 und zum Teil bis ins Jahr 2014 hinein amtieren. Anschließend finden erneute Wahlen statt — die Legislaturperiode des 2. Betriebsrats dauert dann fünf Jahre.

Bislang ist der Betriebsrat in dem Unternehmen kaum mehr als eine Farce. Die Vorsitzende, Chen Peng, ist eine Vertraute von Terry Gou, dem CEO. Sie leitete früher sein Büro. Unter den wachsamen Augen der FLA soll das neue Konzept des Betriebsrates für weniger Aufruhr unter den Arbeitern sorgen und die Kosten für streikbedingte Ausfälle mindern.

Damit wäre auch schon die erste kritische Frage zu dem Vorhaben eingeleitet: Ist der Betriebsrat nur Augenwischerei oder soll den Arbeitern wirklich eine Stimme gegeben werden? Es bleibt abzuwarten, welche Befugnisse und Mitbestimmungsrechte ihm tatsächlich eingeräumt werden. Bis das geklärt ist, bleiben die demokratischsten aller Wahlen ohne wirkliche Konsequenzen für die Arbeitsbedingungen.

Foxconn gehört zur Hon Hai Precision Gruppe und fertigt unter anderem für Apple (größter Kunde), Dell und HP. In der Vergangenheit gab es immer wieder Kritik an den Bedingungen für die oft sehr jungen und finanzschwachen Arbeiter in den chinesischen Werken. Widerrechtliche Überstunden, Unterbezahlung und gesundheitsgefährdende Arbeitsplätze brachten Apple, Dell und andere in Erklärungsnot.

(via heise.de)

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