Hacker attackieren Foxconn-Webseite

macnews.de
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Eine Serie von Todesfällen beim taiwanesischen Apple Zulieferer Foxconn haben Hacker zu einem Angriff auf die Webseite des Unternehmens motiviert. Eine fingierte und auf dem Foxconn-Server veröffentlichte Jobanzeige beschreibt sarkastisch die Arbeitsbedingungen, die zur Selbsttötung von mittlerweile neun Mitarbeitern geführt haben sollen.

Der Shangaiist hat die in chinesischen Schriftzeichen geschriebene Anzeige archiviert und auf seinem Blog übersetzt:

“Foxconn – Wir stellen ein

Fühlst du dich heute nicht gut? Möchtest du nicht mehr weiterleben? Willst du wissen, wie es sich anfühlt von Chinas einzigartigem Selbstmord-Gebäude zu springen? Foxconn bietet dir das ideale Umfeld für diesen Sprung. Vielfältige Gründe gewährleisten letztlich einen Sprung pro Woche. Umfangreiche Berichterstattung in der Presse garantiert, dass dein Name zigtausend Meilen herumkommt. Worauf wartest du? Nimm den Hörer ab und rufe Foxconn an.

Sei der wahnsinnige 12. Springer. Du schaffst das.

Bewerbungs-Hotline: 514514514

By: Xiaokai”

Die Webseite mit dem provozierenden Inhalt war von dem Hacker (oder Mitarbeiter) so auf dem Foxconn-Server platziert worden, dass die offizielle Startseite und auch die Unterseite der Personalabteilung weiter erreichbar waren. Der Autor erklärt, dass “514″ auf chinesisch klingt wie “Ich möchte sterben.”

Grund für die Aktion sind neun Selbsttötungen und zwei Versuche, die sich allein in diesem Jahr im chinesischen Werk Shenzhen ereignet haben. Arbeiter und Aktivisten werfen dem Konzern unerträgliche Arbeitsbedingungen vor. Das Unternehmen betreibt in Shenzhen den größten Produktionskomplex der Welt mit 420.000 Arbeitern – fast alle von ihnen sind unter 25 Jahre alt, viele sind noch Teenager.

Foxconn produziert für Weltkonzerne wie Apple, Hewlett-Packard, Dell, Sony oder Nokia. Besondere Aufmerksamkeit erfährt der Konzern derzeit, weil in den Versanddetails von Apples iPad das Werk in Shenzhen als Absenderadresse aufgeführt wird. Schon mehrfach demonstrierten Arbeitsrechtler vor Foxconn-Produktionsstätten, manche verbrannten Abbilder des iPhones. Eine Organisation in Hongkong rief zum weltweiten Boykott des iPhones auf.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich ein Foxconn-Mitarbeiter das Leben genommen. Damals kommentierte Apples Unternehmenssprecherin Kristin Huguet: “Wir sind sehr traurig über den tragischen Verlust des jungen Arbeiters, und wir warten die Ergebnisse der Untersuchungen zu seinem Tod ab. Wir erwarten von unseren Zulieferern, dass sie alle Arbeiter mit Würde und Respekt behandeln.”

Update: Auf Anfrage von Bloomberg hat ein Pressesprecher von Apple erklärt, dass man im Fall der aktuellen Selbstmordversuche in direktem Kontakt mit dem Management stehe und den Eindruck habe, dass Foxconn die Vorfälle sehr ernst nimmt. Neben den regelmäßigen Inspektionen untersucht Apple aber dennoch in einem separaten Team nun direkt die Selbstmorde bei Foxconn. Über diese ist Apple nach Angaben des Pressesprechers sehr traurig und bestürzt.

Weitere Themen: Hacker, Foxconn

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