Nach Feinstaub-Explosion bei Foxconn: Polier-Stopp in Chengdu

Flavio Trillo
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Die verheerende Explosion auf dem Foxconn-Fabrikgelände im chinesischen Chengdu am vergangenen Freitag ist offenbar auf eine zu hohe Feinstaubkonzentration in der Luft zurückzuführen. Nun hält der taiwanesische Konzern Hon Hai Precision Industries, der auch die Foxconn-Werke in China betreibt, bis auf weiteres sämtliche problematischen Abteilungen geschlossen. Dies wird möglicherweise auch Auswirkungen auf die Liefersituation des iPad 2 haben.

Dem Bericht einer Gruppe aus Hongkong (SACOM, Students and Scholars Against Corporate Misbehaviour) zufolge, sei ein zu hoher Anteil feinster Staubpartikel in der Luft der Grund für die Explosion gewesen. In dem gleichen Dokument prangert SACOM erneut die schlechten Arbeitsbedingungen bei Foxconn an.

Auch ein vorläufiger Regierungsbericht will nun den Fehler in einer erhöhten Feinstaubkonzentration gefunden haben, berichtet das Wall Street Journal. Bei dem Vorfall waren drei Menschen ums Leben gekommen, mehrere wurden zum Teil schwer verletzt. Nach Angaben von SACOM sind die Angehörigen der Opfer durch Polizei und Propaganda-Offizieren von Journalisten abgeschirmt, damit keine weiteren Informationen über das Unglück nach Außen dringen können.

Befindet sich eine große Zahl feuergefährlicher Partikel in der Luft, steigt das Risiko einer Explosion. Je kleiner die Staubteilchen, desto mehr gefährliche Oberfläche ist als potentieller Angriffspunkt für den kleinsten Funken entblößt. In diesem Fall war die Luft in den Polier-Abteilungen der iPad-Produktionslinien in Chengdu übersättigt. Dort werden die Oberflächen des Apple-Tablets so lange gewienert, bis sie glänzen. Der dabei entstehende Aluminiumstaub wurde offenbar nicht in ausreichendem Maße abgeführt oder durch Flüssigkeiten gebunden, so dass sich die explosive Mischung im Gebäude ausbreiten konnte.

Die Branchen-Beobachter von iSuppli haben errechnet, dass die zeitweise Stillegung der Polier-Maschinen in Chengdu etwa eine halbe Million iPad 2 kosten könnte – je nachdem, wie lange die angekündigte Inspektion dauert. Doch nicht nur Apple ist betroffen. Auch Hewlett Packard, Sony, Dell und Nintendo lassen in den Werken ihre Geräte zusammensetzen.

Andere sehen weit größere Ausfälle, da Apple angeblich sehr viel mehr iPads in Chengdu fertigen lasse als in den Fabriken in Shenzen, die von der Schließung nicht betroffen sind. Demzufolge könnte sich die Zahl fehlender Geräte auf etwa 1,8 Millionen belaufen. Dies wird von wieder anderen bestritten, die kaum Auswirkungen auf die Liefersituation befürchten, da an weiteren Produktionsstätten bereits damit begonnen werde, die Ausfälle zu kompensieren.

Tatsächlich mit Sicherheit lässt sich also nur sagen, dass in Chengdu vorerst nicht mehr poliert wird. Ob sich daraus auch eine iPad-Knappheit ergibt, und welcher der Analysten Recht behalten soll, bleibt abzuwarten.

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