Shenzen und Foxconn: Ein Blick hinter die Kulissen der Fertigungsstätte

Flavio Trillo
8

Geplagt von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln besuchte der langjährige Gizmodo-Chefredakteur Joel Johnson im Auftrag des Wired-Magazins die Fertigungsstätten von Foxconn in Shenzen, China. Er wollte sich selbst von den Bedingungen überzeugen, unter denen die Arbeiter dort leben und herausfinden, warum 17 der 1 Million Arbeiter innerhalb von fünf Jahren den Freitod suchten.

Spätestens seit iPad-Gerüchten und Suizid-Skandalen ist Foxconn auch hierzulande eine bekannte Größe. Das Unternehmen fertigt unter anderem für Cupertino und war in den vergangenen Monaten mehrmals in die Schlagzeilen geraten. Unfreiwillige Überstunden und menschenfeindliche Arbeitsbedingungen zwangen Apple HP und andere Auftraggeber zu genauen Kontrollen der chinesischen Fabrik-Stadt.

Das Resultat: Sicherungs-Netze. An allen Gebäuden des Fabrikgeländes, das die Fläche einer Kleinstadt einnimmt, sind Fangnetze angebracht. Sie sollen suizidäre Mitarbeiter zumindest davon abhalten, ihr Leben in unmittelbarer Nähe ihres Arbeitsplatzes zu beenden. Doch auch darüber hinaus scheint Foxconn in der Region eine Art Vorbildfunktion zu erfüllen.

Den Angestellten werden Schlafräume zur Verfügung gestellt, die an Studentenwohnheime erinnern. Bei der Konkurrenz war es lange üblich, die Arbeiter in Blechhütten außerhalb der Stadt unterzubringen oder sie sogar dazu zu animieren, direkt am Fließband zu schlafen. Hinzu kommen kostenfreie psychologische Betreuung und die Chance für besonders engagierte Mitarbeiter, eigene Filialen eines Elektronik-Marktes zu eröffnen.

Natürlich ist die Arbeit nicht mit der Tätigkeit eines Angestellten am Google Campus in Mountain View oder am Infinite Loop Nummer 1 in Cupertino zu vergleichen. Fließbandarbeit ist monoton und hart. Daran ändern auch Internet-Café und Spielekonsole im Gemeinschaftsraum nichts. Doch es scheint, als würde Foxconn sich zumindest bemühen, die Lebensbedingungen seiner Angestellten verbessern zu wollen. Das schlechte Gewissen des Autors wegen seiner Artikel, die ständig neue Geräte lobpreisen und damit den Konsum ankurbeln, konnte aber auch dieser Wille nicht beruhigen.

Die 17 Personen, die sich das Leben nahmen, konnte er jedenfalls nicht mehr helfen. Vielleicht verhindern die Maßnahmen aber den Suizid vieler weiterer überforderter Arbeiter.

Weitere Themen: Foxconn

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz