Gameloft: Schwere Vorwürfe gegen Arbeitsbedingungen in Neuseeland

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Gameloft fasst derzeit massiv Fuß im Android-Spielemarkt. So werden Gameloft-Spiele jetzt auch über den Android Market angeboten, angepasste Versionen von Spiele-Hits erscheinen für das Playstation Phone und die neue Generation an 3D-fähigen Geräten. Fast wöchentlich strömen neue hochwertige Gameloft-Spiele für alle relevanten Mobilplattformen auf den Markt. Doch die schöne neue mobile Spielewelt hat ihren Preis. Glenn Watson, ehemaliger Studio-Chefentwickler bei Gameloft in Neuseeland, beklagte gegenüber der australischen Spieleseite Games.on.net die seiner Ansicht nach miserablen Arbeitsbedingungen bei seinem ehemaligen Brötchengeber.

Gameloft: Schwere Vorwürfe gegen Arbeitsbedingungen in Neuseeland

So seinen Arbeitsschutzgesetze in der neuseelandischen Gameloft-Filiale mit Füßen getreten worden: Watson arbeitete in manchen Wochen 100 bis 120 Stunden. Ein nicht ungewöhnlicher Arbeitstag habe um 9:30 Uhr begonnen und um 2:30 in der Nacht geendet, am nächsten Tag hätte er um 8:30 Uhr weitergearbeitet. Zu anderen Zeitpunkten sei er nach Feierabend vom Studioproduzenten um 23:30 Uhr ins Büro zurückgerufen worden, um bis 2:30 Uhr weiterzuarbeiten. Einem anderer Mitarbeiter habe er dabei beobachtet, 24 Stunden am Stück gearbeitet zu haben. Seine Entscheidung, zu kündigen, habe Watson getroffen, nachdem er realisiert hatte, 4 Wochen lang 14 Stunden pro Tag im Büro gewesen zu sein.

Weitere anonyme Gameloft-Mitarbeiter bestätigten die Vorwürfe gegen Gameloft. System der französischen Mutterfirma sei laut Watson gewesen, straffe Abgabefristen für die Spiele vorzugeben, die sich jedoch im Nachhinein als künstlich verkürzt herausstellten. Diese “Golding” genannte Maßnahme (Golding heißt die Erstellung eines “Goldmasters”, also der fertigen und publizierbaren Version eines Spieles) sei ein Mittel gewesen, um konstanten Druck bei den Mitarbeitern herzustellen.

Überstunden seien bei Gameloft Neuseeland eine generelle Anforderung an Mitarbeiter. So sähen Arbeitsverträge vor, dass “angemessene Überstunden” (reasonable hours) ohne finanzielle Vergütung geleistet werden müssten. In einer E-Mail, die Watson aus dem Management bekam, wird ausformuliert, was mit dieser vagen Aussage gemeint ist: “Niemand wird hier gegen seinen Willen festgehalten, wenn er nicht bereit ist, über seine vertraglich festgelegten Arbeitsstunden hinaus zu arbeiten”. In einem konkreten Fall sei beispielsweise ein Mitarbeiter nach Feierabend gezwungen worden, ein Spiel zu testen, an dem er gar nicht mitgewirkt habe und seine Pläne für diesen Abend abzusagen.

Watsons Versuche, in Zusammenarbeit mit einem Mediator des Neuseeländischen Arbeitsministeriums die Arbeitszeit an Wochentagen auf maximal 12 Stunden täglich zu begrenzen, seien “fruchtlos” gewesen. Als Grund gibt Watson Hinhaltetaktiken des französischen Mutterkonzerns an. Dabei hätten sich durch die langen Schichten Fehler gehäuft, selbst bei zuverlässigen Programmierern.

Glenn Watson lehnte das Angebot von games.on.net ab, seine Vorwürfe anonym vorzutragen. Gameloft habe ihn darum gebeten, sich bei seinen Mitarbeitern dafür zu entschuldigen, dass ihnen die Bürde seiner eigenen Arbeit aufgehalst würde. Die beste Art und Weise, sich zu entschuldigen, sei für ihn jedoch sicherzustellen, dass Gameloft mit diesen Arbeitsbedingungen nicht mehr durchkomme.

Gameloft hat die Vorwürfe bis jetzt nicht kommentiert.

Trouble at Gameloft Auckland: Developer Blows Whistle on 120-Hour Weeks, ”Dangerous Conditions”

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