DJ-Tarif: GEMA versteht die digitale Kopie nicht

Im Streit um die neuen GEMA-Tarife hatte es eine Entlastung für die Clubs gegeben – die so genannte “Laptop-Pauschale” muss ab dem 1.4. nicht mehr gezahlt werden, dafür werden die DJs zur Kasse gebeten, wenn sie kopierte Dateien zum Auflegen benutzen. Jetzt hat die GEMA dargestellt, dass sie diese Vergütung nicht für Graukopien einziehen will, sondern für Files, die der DJ selbst gekauft hat, aber z.B. dann auf eine externe Festplatte kopiert.

DJ-Tarif: GEMA versteht die digitale Kopie nicht

Ich stehe der GEMA ja einigermaßen wohlwollend gegenüber, aber warum holen die sich nicht mal jemanden, der sich mit dem Internet und Digitalisierung auskennt? Wenn man sich die Antworten im aktuellen De:Bug-Interview mit der GEMA durchliest – ein Artikel, der eigentlich zur Klärung dieser Fragen gedacht war – versteht man nur Bahnhof, und auch die Antworten der offiziellen GEMAdialog-Seite sind kaum erhellend, eher weltfremd.

Zunächst zum neuen DJ-Tarif VR-Ö (hier vom GEMAdialog erklärt): Bisher mussten Clubs zu den üblichen Aufführungsgebühren auch noch eine “Laptop-Pauschale” zahlen, wenn mit einem Computer aufgelegt wird. Ab dem 1.4. sollen nun stattdessen die DJs einmalig für die Kopien, mit denen sie auflegen, zahlen. Für gekaufte CDs, Vinyl, legal heruntergeladene Musik-Files muss Nichts zusätzlich gezahlt werden. So bald aber die CD digitalisiert wird oder ein legales File auf einen anderen Rechner oder Datenträger kopiert wird – und von dort aus aufgelegt wird, gilt das für die GEMA als Vervielfältigung, für die man noch keine Rechte erworben hat (bzw. Gebühren bezahlt). Diese Gebühren werden nicht pro Abend, den man auflegt, fällig, sondern einmal für alle kopierten Files, mit denen man potenziell auflegt. 0,13 Euro pro File, also beispielsweise bei 1000 Dateien 130 Euro, die man dann für immer zum Auflegen nutzen kann.

Aus der De:Bug:

De:Bug: Ist das Verschieben einer Datei auf einem Datenträger keine Kopie solange damit nur der Fileindex geändert wird? (…)

Reindlmeier: Sofern Sie eine Datei innerhalb eines Datenträgers von einem Verzeichnis in ein anderes verschieben, handelt es sich nicht um eine Vervielfältigung. (…)

Debug: Ist also, wer, sagen wir mal aus Platzmangel, legal gekaufte Dateien vom eigenen Rechner löscht, auf eine externe Festplatte kopiert, für den DJ-Abend dann von der externen Festplatte löscht und wieder auf den eigenen Rechner kopiert, d.h. zu keinem Zeitpunkt mehr als eine Instanz von einem File hat, in der Pflicht diese Tracks zu lizensieren, oder nicht?

Reindlmeier: Sofern Sie die legal erworbene Datei auf eine externe Festplatte überspielen, handelt es sich um eine Vervielfältigung. So weit, so gut. Verwenden Sie nun aber die externe Festplatte zur öffentlichen Wiedergabe, müssen Sie diese Vervielfältigung zum Zwecke der öffentlichen Wiedergabe lizenzieren, also dafür bezahlen.

Die GEMA will also ernsthaft einen Unterschied zwischen interner und externer Festplatte machen, und das auch noch irgendwie überwachen. Aus dem FAQ der GEMA auf Facebook:

8. Wie kontrolliert die GEMA die Lizenzierung?
Nachdem es auch Aufgabe der GEMA ist, Urheberrechtsverletzungen nachzugehen, werden wir auch für diesen Nutzungsbereich ein Szenario entwickeln, um Urheberrechtsverletzungen festzustellen.

Die GEMA will also ernsthaft die Rechner von DJs irgendwie überprüfen und dafür sorgen, dass man eine digitale Kopie von der anderen unterscheiden kann.

Das Idiotische dieses Tarifs ist (abgesehen davon, dass für die Überprüfung ein rigides DRM-System vonnöten wäre, ergo: nicht wünschenswert, datenschutzmäßig bedenklich und nicht realistisch ist), dass man selbst als GEMA-Befürworter eigentlich nicht erklären kann, worum es geht. Denn plötzlich geht es nicht mehr um die Aufführung (der Club zahlt an die Urheber, wenn ihre Musik gespielt wird – was argumentativ nachvollziehbar ist), sondern um die Vervielfältigung (der DJ wird ähnlich wie eine Plattenfirma behandelt, die eine CD pressen lässt – hä?). Noch dazu, wo die Urheber davon nur nach dem Gießkannenprinzip etwas davon haben, da weder Playlisten noch Titel angegeben werden. Das kann man doch niemandem plausibel machen, warum jemand, wenn er ein Musikstück digital oder auf Tonträger gekauft hat (und somit prinzipiell eine Lizenz zur öffentlichen Aufführung erworben hat), plötzlich nochmal zahlen soll, wenn er dasselbe Stück von einem anderen eigenen digitalen Standort abspielt.

Kann sein, dass das rechtlich wirklich so formuliert ist und die GEMA in ihrer Funktion sogar dazu verpflichtet ist, dieser Sache nachzugehen, aber hier wird eine neue Baustelle aufgemacht, die ein Paradebeispiel für den Konflikt mit der digitalen Welt ist. Eine Vereinfachung der Tarife sieht anders aus. Real sollte man als DJ also zukünftig immer darauf achten und das auch angeben, dass alle Files auf dem Rechner digitale Originale sind.

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