GEMA verklagt Musikpiraten wegen CC-Compilation

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Die nächste PR-Bombe der GEMA: Die im Netz ungeliebte Verwertungsgesellschaft verklagt den Verein Musikpiraten. Die GEMA will die Klarnamen der Künstler einer Creative-Commons-Compilation, um zu überprüfen, ob diese wirklich nicht bei der GEMA Mitglied sind.

GEMA verklagt Musikpiraten wegen CC-Compilation

Wie ungeschickt kann man bei der Öffentlichkeitsarbeit sein? Man könnte meinen, die GEMA sollte angesichts des Imageverlusts und der negativen Stimmung im Netz darauf bedacht sein, endlich mal ihre Anliegen verständlich zu machen, statt weiter Öl ins Feuer zu gießen. Nach den anhaltenden Querelen um Youtube-Sperren (auch wenn hier Google einen guten Teil zur Verzögerung beiträgt), der Erhöhung der USB-Stick-Abgabe und der Protestwelle gegen die Tarifreform 2013 (wir berichteten mit Interviews, Samstag läuft die nächste Aktion) hat die GEMA nichts Besseres zu tun, als die Musikpiraten zu verklagen.

Die Musikpiraten-Seite ist eine der öffentlich sichtbarsten Anlaufstellen für Musik mit Creative-Commons-Lizenz und zumindest lose mit der Piratenpartei verbunden. Unter Musik.klarmachen-zum-aendern.de erscheinen im jährlichen Free! Music! Contest! verschiedene CC-Compilations (zuletzt Freemixter, wir berichteten), ein gemeinfreies Kinderliederbuch (“Kinder wollen singen“), Empfehlungen für CC-Filme und -Musik sowie Diskussionsbeiträge zu Urheberrechten im Internet.

Urheberrecht sieht anonyme und pseudonyme Werke explizit vor

Um die aktuelle Compilation “Freemixter” geht es – sie steht für einen Pay-what-you-want-Preis im Netz, wurde aber auch in limitierter Auflage als CD produziert. Die GEMA klagt auf die Angabe der bürgerlichen Namen der Urheber des Tracks “Dragonfly”. Der Song ist von texasradiofish, die Musiker dahinter nennen sich Electronico und ElRon XChile, wie die Musikpiraten in ihrer Stellungnahme angeben. Ihre echten Namen wollen sie aber nicht mit der Musik in Verbindung gebracht wissen. Das Urheberrecht räumt explizit anonyme und pseudonyme Veröffentlichungen ein, die denselben Schutz genießen. Und tatsächlich kann man bei der GEMA-Anmeldung ein Pseudonym angeben. Die Musikpiraten argumentieren, dass die GEMA so einfach nachschlagen kann, ob die genannten Pseudonyme in der GEMA-Liste auftauchen. Die Verwertungsgesellschaft argumentiert, dass Pseudonyme nicht eindeutig seien.

Aus rechtlicher Logik mag das aus GEMA-Sicht alles irgendwie vertretbar sein. Der Verleger eines Tonträgers muss in Deutschland angeben, welche bzw. dass keine GEMA-gemeldete Musik auf einer CD ist. Wenn die GEMA das mit seinen Angaben nicht überprüfen kann, geht sie eben rechtliche Schritte. Aber warum sich die Verwertungsgesellschaft gerade jetzt gerade diesen Gegner ausgesucht hat, kann nur als dämlich bezeichnet werden. Die Musikpiraten erhoffen sich dagegen von dem Urteil allgemeine Klarheit über die Gültigkeit pseudonymer CC-Lizenzen in Deutschland. Am 9. Juli wird die Frage vor dem Amtsgericht verhandelt.

Bild: Ausschnitt von Musikpiraten-Website

via turi2

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